Hautnah dran am Bürger: Andreas Kemmelmeyer, umringt von Anwohnern des Firken- und Dorfangerwegs. Foto: Michalek

Lärmbelästigung und zugeparkte Straßen

Unterföhring - Wie bestellt rappelt und scheppert der Kinderwagen durch den Unterföhringer Firkenweg. Vor den Augen von rund 40 Anwohnern und Gewerbetreibenden und Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU), die ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen. „Haben Sie's gehört?", sagt eine ältere Frau, „jetzt war's das beste Beispiel!"

Die Gruppe ist an diesem Tag hier, um sich die Verkehrssituation an Firken- und Dorfangerweg anzuschauen - und dazu gehört auch die Lärmbelästigung auf dem rund 25 Jahre alten Kopfsteinpflaster. Die Gemeinde will die Straßen in dem Gebiet neu asphaltieren, umgestalten und sicherer machen. Im Gespräch mit den Anwohnern, so will Andreas Kemmelmeyer seine Wahlversprechen von 2014 umsetzen.

Und Probleme gibt es einige in Unterföhring-Süd. Etwa die Parkplatzsituation am Firkenweg. Auf der einen Seite leben die Anwohner, auf der anderen wurde ein langer Gewerbekomplex gebaut, mit Supermarkt, Pizzeria und Ärztehaus. Darunter befindet sich eine Tiefgarage, in der die Kunden und Patienten laut Plan alle mit ihren Autos verschwinden sollten, doch das tun sie nicht. „Es wäre nicht schlecht, wenn man die ursprüngliche Planung im Hinterkopf behält“, sagt etwa Friedrich Hörger (75), der seit dem ersten Tag im Viertel wohnt. Er wünscht sich weniger Parkplätze, denn wo weniger Platz zum Parken, da auch weniger Verkehr, so die Hoffnung. Die Gewerbetreibenden wollen logischerweise das genaue Gegenteil: Mehr Platz zum Anliefern und für ihre Kunden. „Die stehen sonst im Halteverbot, werden aufgeschrieben und sind dann entsprechend sauer“, sagt Carola Rolf, die eine Bäckerei betreibt. Und wie ein weiterer Bäcker in dem Viertel auf Nachschub angewiesen ist: „Das ist ein Mischgebiet in einer Spielstraße, die Leute wissen, dass die Geschäfte angeliefert werden müssen.“ Auch sie verfolgt die Diskussionen mit Andreas Kemmelmeyer genau, doch den Ausgang sieht sie pessimistisch: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie die eine Lösung finden.“ Kemmelmeyer betont aber, niemand wolle die Geschäftsbetriebe „rausekeln“, deswegen seien auch sie zur Besichtigung eingeladen worden.

Genauere Vorstellungen hat die Gemeinde bei anderen Punkten. So könnte sich der Bürgermeister vorstellen, dass die breite dreizügige Pflasterung am Rand wie die ganze Straße neu asphaltiert wird. Das wäre auch leiser, wenn Kinderwagen oder Rollkoffer gezogen werden. Auf Höhe Firkenweg 5 könnten Schrägparkplätze entstehen, damit die Autofahrer gezwungen werden, langsamer zu fahren. Kopfsteinpflaster sorgt nämlich nicht für langsameren Verkehr, es hat nur optische Gründe.

„Das ist die größte Sorge: Dass die Verkehrsberuhigung nicht funktioniert“, sagt Andreas Holstein (46). Denn in dem Viertel wohnen viele Familien mit Kindern, die können leicht auf die Straße laufen, auf denen Autos oft statt der erlaubten Schrittgeschwindigkeit deutlich schneller unterwegs sind. Vor allem im Dorfangerweg, der ohne seitliche Begrenzungen auch fast wie eine Rennstrecke anmutet - eine Rennstrecke, an deren Seite ein Kinderspielplatz liegt. Die Gemeinde könnte sich deshalb vorstellen, neben Schrägparken auch Geschwindigkeitsmesser aufzustellen, die mit einem Smiley signalisieren, ob die Fahrer das Limit einhalten. Die Polizei kontrolliert das schon regelmäßig.

Die genauen Änderungen werden zusammengefasst, nochmal den Bürgern präsentiert, und noch heuer sollen die Arbeiten im Firkenweg beginnen, danach sollen in ganz Unterföhring-Süd die Straßen asphaltiert werden, gleich mit Rohren für die Geothermie versehen, die ab 2020 startet. Außerdem sollen im Zuge der Bauarbeiten die Straßenlaternen auf moderne LED-Lampen umgerüstet werden. Es wird nicht nur leiser in Unterföhring-Süd, sondern auch heller. bew

Auch interessant

Kommentare