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Saatkrähen nerven Anwohner mit ihrem Geschrei und ihrem Kot. 

Stadt will Plage verhindern 

Lärmende Krähen nerven Anwohner

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  • Andreas Sachse
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Hat jetzt auch Unterschleißheim ein Krähenproblem? In einem Waldstück am S-Bahnhof Lohhof sehen Anwohner und Stadträte Gefahr in Verzug, dass sich eine Kolonie breitmachen könnte. Der Unterschleißheimer Falkner Wolfgang Schreyer erklärt, wie man einer Vogelplage effektiv vorbeugen kann.

Unterschleißheim – An Schlafen ist nicht mehr zu denken, wenn vor der Dämmerung die ersten Krähen ein Riesengeschrei anstimmen. Fünf Meter vom Haus der Familie Wagner in Unterschleißheim entfernt, haben Saatkrähen ein Waldstück an der Nördlichen Ingolstädter Straße zu ihrer bevorzugten Wohngegend gewählt. Inzwischen hängen in den Bäumen etwa zehn Nester.

„Die Vögel sind unwahrscheinlich laut und nervig“, sagt Versicherungsangestellter Herbert Wagner (51), „die krächzen in einer Tonlage, die kann einen zum Wahnsinn treiben.“ Einer seiner Nachbarn an der Nördlichen Ingolstädter Straße versuchte hartnäckig, die geselligen Nachbarn durch Händeklatschen zu vertreiben, was die schlauen Vögel nur kurz beeindruckte. Dann klopfte er Holzbretter aufeinander und trommelte schließlich auf eine Blechtonne – alles vergeblich.

Jetzt hat der Unterschleißheimer Stadtrat auf Antrag von Manfred Utz (CSU) beschlossen, die Saatkrähen zählen zu lassen, um dann zu entscheiden, wie man ihnen beikommen könnte. Im Ferienausschuss des Stadtrats forderte Manfred Utz auch den Einsatz von Greifvögeln, um die Krähen loszuwerden.

Was wirksam hilft, erklärt der Unterschleißheimer Falkner Wolfgang Schreyer. Der 61-Jährige hat derzeit viel zu tun: Er vergrault mit Habicht und Bussard vielerorts Krähenkolonien. Seiner Heimatstadt Unterschleißheim rät er vor allem: „Währet den Anfängen.“ Die Stadt sollte sich gegen die Saatkrähen zur Wehr setzen, bevor sie sich ab Februar zur Kolonie zusammenrotten.

Der Unterschleißheimer Falkner und Jäger Wolfgang Schreyer setzt Greifvögel gegen Krähen ein.

In den meisten Fällen habe man es versäumt, schon zu Anfang die Schwärme zu vergraulen, „weil Naturschützer nicht eingreifen wollten“. Das sei ein Fehler, sagt Naturliebhaber Schreyer. „Mir tun in diesem Fall die Menschen leid, die unmittelbar betroffen sind und schon vor dem Morgengrauen um den Schlaf gebracht sind.“ Er habe Wohngebiete gesehen mit Kolonien von 1500 Saatkrähen: „Die Leute dort verstehen ihr eigenes Wort nicht mehr: Auf der Terrasse zu sitzen oder Wäsche aufzuhängen, das ist dort wegen Lärm und Kot nicht mehr möglich.“

So weit soll es im Unterschleißheimer Ortsteil Lohhof nicht kommen, man müsse schnell einschreiten: „Wenn in einem Jahr zehn bis zwölf Paare einen Standort erobert haben, wie im Erdinger Stadtpark, können es in vier bis fünf Jahren Hunderte Krähen sein, die sich dann kaum vertreiben lassen.“

Was aber hilft effektiv gegen die Ausbreitung der Saatkrähen? „Das Abräumen der Nester und das Stören beim Brüten“, sagt Schreyer. Dafür ist – wie beim ebenfalls geschützten Biber – eine Ausnahmegenehmigung von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt nötig, denn auch die Saatkrähe steht unter Naturschutz. Falkner Schreyer empfiehlt einen Feuerwehreinsatz im Frühjahr. „Wenn die Freiwillige Feuerwehr die alten Nester aus den Bäumen entfernt – und zwar vor der Brutzeit – und die Vögel daran hindern, neue Nester zu bauen, kann es gelingen, sie zu vertreiben“, sagt Schreyer. Effizient seien zudem kreisende Greifvögel: „Das Auftauchen des Fressfeinds verunsichert die Vögel so sehr, dass sie sich neue Brutplätze suchen.“ Allerdings müssten die Abschreckungsmanöver über Jahre regelmäßig wiederholt werden.

Auch in Erding ist man in aller Not dazu übergegangen, Krähen-Nester zu entfernen. Wie auch in Ottobrunn übrigens, woraufhin die Vögel einfach nach Taufkirchen weitergezogen sind. Wohl auf dem Weg dorthin gelangte der ein oder andere Vogel auch nach Unterhaching, wo sich Berichte über verkotete Friedhöfe seither deutlich häufen. Inzwischen beschneidet man die Brutbäume. In Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck) werden Krähen-Eier gegen Gips-Imitate ausgetauscht.

Die schlimmste Krähenplage, habe er im baden-württembergischen Laupheim gesehen, erzählt Schreyer. Über Jahrzehnte versuchte die Stadt, die Saatkrähen aus den öffentlichen Parks zu vertreiben. Uhu-Attrappen und schwarze Tücher wurden in die Bäume gehängt, Schreckschüsse sollten die Vögel vertreiben, aber die Saatkrähen ließen sich nicht beeindrucken und kehrten immer wieder an ihre gewohnten Plätze zurück.

Manfred Utz (CSU) hat im Ferienausschuss des Unterschleißheimer Stadtrats nochmals gewarnt: „Fakt ist, dass Krähen den Lebensraum in Anspruch nehmen.“ Draußen im Berglwald störe es nicht: „Das ist Krähen-Revier.“ In der Stadt dagegen müsse man sich vor den Plagegeistern schützen. Während sein Vorschlag im Ferienausschuss nachhallt, lässt sich nur wenige Meter entfernt doch glatt eine Krähe auf dem Turm mit dem Glockenspiel des Rathauses nieder. Entspannt rollt der Vogel mit dem Kopf und krächzt in Richtung Sitzungssaal: „Kra, kra.“ Ganz so, als würde er die versammelte Gruppe der Stadträte fröhlich verhöhnen wollen.

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