Landesbankdesaster: Interview mit dem Vorsitzenden der Kontroll-Kommission Ernst Weidenbusch

Haar - Claudia Weidenbusch hat ihren Mann Ernst die vergangenen Wochen daheim in Salmdorf kaum zu Gesicht bekommen. Der CSU-Kreisvorsitzende musste Akten „so groß wie drei dicke Brockhausbände" studieren, wie sie es beschreibt. Gemeint sind die Gutachten zu den Milliardenverlusten der Bayerischen Landesbank (BayernLB), die er als Vorsitzender der Kontroll-Kommission beackerte.

1300 Seiten umfasst das Werk der Anwaltskanzlei Flick Gocke Schaumburg zum missglückten Engagement der BayernLB in amerikanische Schrotthypotheken in Form minderwertiger ABS-Papiere.

Die Bewertung von Flick Gocke Schaumburg schlug ein, wie eine Bombe: Ganz anders als das von der Bank selbst beauftragte Gutachten der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller (600 Seiten) kamen sie zum Ergebnis, dass die Verwaltungsräte, darunter führende CSU-Politiker, wie Günter Beckstein, Erwin Huber und Kurt Falthauser, bei der Prüfung des Kaufs der ABS-Papiere grob fahrlässig handelten, also schadensersatzpflichtig seien.

Der Bank-Vorstand muss schnellstmöglich über eine Klage nachdenken, da die Verjährung der Haftung zum Ende des Jahres eintritt. Weidenbusch ist als Vorsitzender der Kontrollkommission gefordert.

-Wie geht es weiter in der Frage der Schadensersatzforderungen an die Verwaltungsräte.

Am 9. Dezember findet die nächste Sitzung der Kontrollkommission statt, wo neben den Fragen zum aktuellen Betriebsgeschehen auch die Diskussion der Gutachten nicht-öffentlich behandelt wird. Ich stehe natürlich auch innerhalb meiner Partei im Fokus, da ich in meiner Funktion als Vorsitzender für das Ergebnis des zweiten unabhängigen Gutachtens verantwortlich gemacht werde. Es herrschte aber allgemein Einigkeit, die Menschen in Bayern zu überzeugen, dass wir wirklich aufklären. Einem von der Bank selbst beauftragten Gutachten hätte man nicht vertraut. Was die Verjährung betrifft, gehe ich davon aus, dass die betroffenen Verwaltungsräte auf die Einrede der Verjährung verzichten, damit wir in Ruhe noch die Gutachten prüfen können.“

-Sie haben beide Gutachten dreimal gelesen. Was ist ihr Ergebnis?

Ich habe mir eine Meinung gebildet, werde diese aber natürlich erstmals der Kommission am 9. Dezember berichten. Ich stelle aber vorab schon die Frage in den Raum, ob zwei Gutachten, die zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen, nicht beide falsch sein könnten. Deshalb haben wir die Gutachter auch gebeten unter Einbeziehung des anderen Gutachtens ihres zu überarbeiten. Das Entscheidende ist die Frage, welche Chance die Verwaltungsräte hatten, die Folgen ihrer Zustimmung zu den Kreditbeschlüssen zu erkennen. Beim Kauf der Hypo Alpe Adria Bank ist ja geklärt, dass die Räte selbst getäuscht wurden.

-Sie haben die Gutachten gelesen. Wie schaut die Frage der Verantwortung der Verwaltungsräte bei den amerikanischen Schrottpapieren aus?

Wenn die Antwort so einfach wäre, bräuchte es wohl kaum Hunderte Seiten Gutachten. Man muss zur Frage der Schadenersatzpflicht jeden Verwaltungsrat individuell betrachten. War er zu faul, Unterlagen zu studieren, hat er also grob fahrlässig gehandelt, oder sich sehr bemüht, aber dann die - aus heutiger Sicht - falschen Schlüsse gezogen.

-Sie sind seit Jahren Verwaltungsratsmitglied der Kreissparkasse München Starnberg. Der in Oberhaching lebende, ehemalige Vorstandsvorsitzende Karl-Ludwig Kamprath gehörte als Obmann Oberbayern dem Verwaltungsrat der BayernLB in der entscheidenden Periode an. Haben sie mit Kamprath über seine Rolle bei der BayernLB gesprochen?

Nein. Am 21. Oktober wurde auch Kamprath im Untersuchungsausschuss des Landtags zusammen mit dem ehemaligen Kollegen Alois Hagl, damals Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwandorf, gehört. Ich sprach vorher von der individuellen Prüfung. Auch das gehört dazu, die Stellung zweier gelernter Banker und Spitzenvertreter des Sparkassenverbands anders zu beurteilen als die fachfremder Verwaltungsräte.

Interview: Annette

Ganssmüller-Maluche

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