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Muss nicht mehr selbst hinters Steuer beim Arztbesuch: Arzt Gero Winkelmann aus Unterhaching.

Ab Morgen Neu beim ärztlichen Notdienst

Landkreis: Der Bereitschaftsarzt kommt mit Fahrer

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Der Ärztliche Bereitschaftsdienst, der die medizinische Versorgung der Bürger außerhalb normaler Praxiszeiten garantiert, wird umstrukturiert. Für den Landkreis und die Stadt München treten die Änderungen morgen in Kraft. Profitieren sollen Ärzte und Patienten gleichermaßen.

Landkreis– Wenn Gero Winkelmann (64) bisher des Nachts oder an Sonn- und Feiertagen zu Patienten nach Hause gefahren ist, die ärztliche Hilfe benötigten, hat er sich selbst hinters Steuer seines Autos gesetzt. In Zukunft wird der Praktische Arzt aus Unterhaching – zumindest wenn er in seinem Heimatbezirk Hausbesuche im Rahmen des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes macht – von einem medizinisch ausgebildeten Fahrer mit spezielle ausgestatteten Fahrzeugen abgeholt und chauffiert. Die Fahrer werden vom MKT und der Aicher Ambulanz gestellt.

Der Fahrdienst für die Ärzte ist eine der bedeutendsten Veränderungen beim Notdienst, den die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) im Landkreis München anbietet. Und ein Grund, warum sich Winkelmann auf die Systemumstellung freut. „Zwar bekommen wir dann kein Wegegeld mehr bezahlt, dafür bringt es uns eine deutliche Entlastung im Bereitschaftsdienst“, sagt der 64-Jährige, der hauptberuflich als Vertretungsarzt arbeitet und seit 1989 einen großen Teil seiner Arbeitszeit für die Bereitschaft unterwegs ist. Denn so sei es möglich, sich zwischen den Patientenbesuchen ein wenig zu entspannen beziehungsweise sich auf den nächsten Notfall vorzubereiten.

Gleichzeitig erwartet er weniger Probleme beim Parken. „Oft ist es vor Ort schwierig, einen Stellplatz zu finden, wenn man schnell zu Patienten will.“. In Zukunft könne man ohne Sorge das Auto verlassen, selbst wenn man nur auf dem Gehsteig oder in der Feuerwehrzufahrt einen Platz gefunden habe. „Denn der Fahrer kann bei Bedarf einfach umparken.“

Walter Kratschmann, Allgemeinmediziner aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn, nennt einen weiteren möglichen Vorteil des Fahrdienstes: „Wem es bisher unangenehm war, in der Dunkelheit Hausbesuche zu machen, ist durch die Begleitperson vielleicht eher bereit, wieder einen Bereitschaftsdienst zu übernehmen.“ Und auch wenn ein Hausbesuch einmal zu einem juristischen Nachspiel führt, ist es nach Ansicht Kratschmanns nicht schlecht, wenn den Arzt künftig eine weitere Person begleitet.

Der 58-Jährige kennt sich mit dem Notdienst gut aus, hat als Obmann der niedergelassenen Ärzte in Höhenkirchen-Siegertsbrunn sowie in den Nachbarorten Aying und Großhelfendorf jahrelang den Bereitschaftsdienst organisiert. Gerade in Gebieten, in denen es wenig Ärzte gibt und die Mediziner deshalb oft zu Wochenend-, Feiertags- oder Nachtdiensten eingeteilt werden, sei die Belastung für den Einzelnen sehr hoch. Aus diesem Grund ist vor einigen Jahren auch der Bezirk rund um Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit dem Bezirk Ottobrunn, in dem es deutlich mehr Ärzte gibt, zusammengeschlossen worden. Die Belastung wurde auf diese Weise auf mehrere Schultern verteilt.

Mit der bevorstehenden Systemumstellung geht die KVB diesen Schritt konsequent weiter. Aus den bisherigen acht Innenstadt und 13 Landkreis-Bezirken entstehen nun vier Bezirke, in denen jeweils Bereitschaft gefahren wird. „Damit reduziert sich nicht nur die Anzahl an Schichtdiensten, sondern die Schichtlänge, sagt. Kratschmann. Sei ein Dienst früher auch einmal über ein ganzes Wochenende gegangen, gebe es nun nur mehr die Acht-Stunden-Schicht. Winkelmann der als sogenannter Poolarzt ohne Vertragsarztzulassung freiwillig am Bereitschaftsdienst teilnimmt, erhofft sich wiederum, dass durch die deutlich vergrößerten Einsatzgebiete während seiner Schichten weniger Leerlauf ist, er also mehr Arbeit hat, für die er bezahlt wird.

„Natürlich vergrößern sich auch die Strecken zwischen den einzelnen Einsatzorten“, sagt der 64-Jährige. Hier müsse man sehen, wie sich das auf die Wartezeiten für die Patienten auswirkt. Denn wenn es in der Schicht hoch her geht oder er zu einem zeitaufwendigeren Einsatz gerufen wird, kann es bereits jetzt sein, dass die Kranken länger warten müssen, bis es an der Tür klingelt. „Dann kommt es schon einmal vor, dass ich umsonst einen Hausbesuch mache, weil der Patient mittlerweile den Rettungsdienst gerufen hat.“

Allerdings sind die Hausbesuche nur eine Säule des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Die andere Säule sind die Bereitschaftspraxen, die im Zuge der Systemumstellung ausgebaut werden. So werden allein in der Landeshauptstadt am morgigen Dienstag, drei neue Bereitschaftspraxen eröffnen, wie die KVB mitteilt. Diese befinden sich am Klinikum Bogenhausen, am Krankenhaus Barmherzige Brüder sowie am Klinikum München-Harlaching. Bereits bisher konnten die Bürger im Landkreis unter anderem die Bereitschaftspraxen in Ottobrunn sowie die in den Kliniken Neuperlach und Schwabing untergebrachten Praxen aufsuchen, wenn sie dringend eine medizinische Versorgung brauchten.

Gerade den Ausbau der Bereitschaftspraxen begrüßt Klaus Straßburg. Der Facharzt für Allgemeinmedizin aus Ottobrunn betreibt in Unterhaching eine Gemeinschaftspraxis. „Die Zeiten sind vorbei, in denen man beim Hausbesuch, dem Patienten, der Bauchweh hatte, einfach eine Spritze gegeben hat“, sagt er. Viele Patienten könnte man in deren Zuhause überhaupt nicht richtig behandeln. Sie seien in einer Bereitschaftspraxis mit den entsprechenden medizinischen Geräten besser aufgehoben. Seinen Aussagen zufolge stoßen die bevorstehenden Änderungen aber nicht nur auf Zustimmung. Kritik gebe es von einigen Ärzten beispielsweise aufgrund der geringen Bezahlung, die die medizinischen Fachangestellten in den neuen Bereitschaftspraxen erhalten sollen. „Die liegen deutlich unter der Bezahlung in normalen Praxen.“

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