Britische Firma sucht nach Öl und Gas im Landkreis

Fracking ist ausgeschlossen

Landkreis - Im kommenden Monat beginnt ein britisches Unternehmen im Süden Münchens nach Öl und Gas zu suchen. Betroffen sind die Landkreise München, Starnberg, Bad Tölz-Wolfratshausen und Ebersberg. „Terrain Energy“ schließt das in Bayern ohnehin verbotene Fracking kategorisch aus.

Firmenvertreter sprachen im Kreis-Umweltausschuss von einer konventionellen Förderung; vergleichbar den Methoden aus den 70er und 80er Jahren. Die Umwelt käme nicht zu Schaden. Da die ölhaltigen, schieferartigen Gesteinsschichten im Molassebecken im Süden der Landeshauptstadt nicht vorkommen, sei Fracking kein Thema, versicherte der für „Terrain Energy“ tätige Diplom-Geologe Wolfgang Alt. In den betroffenen Landkreisen halten die Briten zwei Erlaubnisfelder. Die als „Starnberger See“ und „Egmating“ benannten Felder scheinen „Terrain“ vor allem im Hinblick auf Gasvorkommen vielversprechend.

Fraktionsübergreifend fiel es den Kreisräten schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, bayerische Bodenschätze von einem britischen Privat Equity Fonds ausbeuten zu lassen. „Terrain Energy“ gehört zu 100 Prozent „Calculus Capital Limited“, einem Unternehmen für Risikoinvestments aus Großbritannien. Was den Nutzen für die betroffenen Landkreise betrifft, fallen zwar geringfügige Gebühren für die Untersuchung der Erlaubnisfelder an. Abgaben größeren Ausmaßes wären zudem bei einer späteren Förderung der Vorkommen fällig. Die Abgaben würden dann allerdings in die Kassen des Freistaats fließen.

Eine konkrete Summe zu nennen, sahen sich die Terain-Vertreter vor Abschluss der Untersuchungen nicht im Stande. Einen vagen Ansatz bietet womöglich der Vergleich mit Schleswig-Holstein, das im vergangenen Jahr 120 Millionen Euro von „Wintershall“ und „RWE DEA“ für Öl aus dem Wattenmeer kassierte. Wobei die zu erwartenden Mengen fossiler Energieträger in den bayerischen Erlaubnisfeldern allerdings bei Weitem nicht mit denen aus der Nordsee zu vergleichen sein dürften.

Ob die betroffenen Gemeinden von Gasvorkommen profitieren, ist eher unwahrscheinlich. Hinsichtlich Gewerbesteuern, sollte es den für das britische Unternehmen tätigen deutschen Subunternehmen möglich sein, Gewinne und Kosten zwischen Großbritannien und Bayern zu verschieben, meint Kreisrat Markus Büchler (Grüne). Landtagsabgeordnete und Kreisrätin Natascha Kohnen (SPD) forderte mehr Mitsprache für die Gemeinden. Kommunale Gebietskörperschaften, Gemeinden und der Landkreis, sind in Entscheidungsprozesse nicht eingebunden, wie Landrat Christoph Göbel (CSU) bestätigte.

Kreisräte und Bürgermeister aus der Region äußerten sich besorgt. Niemals werde man Fracking akzeptieren, betone der Bürgermeister von Brunnthal, Kreisrat Stefan Kern (CSU). Die Einwohner seiner Gemeinde seien sich diesbezüglich einig.

Steigende Rohstoffpreise und die Knappheit an fossilen Energien sowie technische Neuerungen lassen es mittlerweile rentabel erscheinen, im Boden verbliebene Reste zu fördern. Als wenig hilfreich gilt den Fraktionen das Fördervorhaben in Bezug auf die Energiewende. „Mit jedem Liter Öl schieben wir die Energiewende nach hinten“, sagte Otto Bußjäger (FW). Den letzten Tropfen Öl aus dem Boden zu pressen, empfindet er als kontraproduktiv. Die Genehmigung für die beiden Erlaubnisfelder gilt für fünf Jahre, kann aber jederzeit verlängert werden. Wann „Terrain Energy“ die Untersuchungen abgeschlossen hat und beginnt, die erwarteten Vorkommen zu fördern, steht nicht fest.

Andreas Sachse

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