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Die Landkreis-Grünen schicken Anton Hofreiter in den Bundestagswahlkampf.

Landkreis-Grüne nominieren Anton Hofreiter für die Bundestagswahl 2017

Einstimmig für "Toni"

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Landkreis - Die Grünen im Landkreis haben Anton Hofreiter aus Unterhaching einstimmig als ihren Kandidaten für die Bundestagswahl im Herbst 2017 nominiert. Kraftvoll legte er in seiner Ansprache die Inhalte vor, für die die Grünen eintreten.

Hofreiter ist seit 2005 Mitglied im Bundestag und seit 2013 als Fraktionsvorsitzender einer der profiliertesten Grünen im Parlament. Derzeit bewirbt er sich in der Urwahl für das Spitzenduo, das die Grünen in den Wahlkampf führen wird. Heute kommt er für seine Nominierung zurück an die Landkreis-Basis. 

Immer wieder von Applaus unterbrochen

Mit wehendem Trenchcoat und großen Schritten betritt der 46-Jährige den Veranstaltungsraum im Eine-Welt-Haus an der Schwanthaler Straße, wo eine überschaubare Delegation von 33 Mitgliedern versammelt ist. Anton Hofreiter begrüßt seine Parteifreunde – alte Bekannte, die meisten – und wird herzlich umarmt. „Der Toni“, wie er in den heimischen Gefilden des grünen Kreis-Verbands genannt wird, empfiehlt sich, immer wieder von Applaus unterbrochen, mit sehr konkreten Aussagen. 

Demokratie verteidigen

Und es gelingt ihm, die Mitglieder zu begeistern, indem er in seiner Ansprache den „Frust“ einzelner Mittelständler ebenso anspricht wie Klimaschutz, Agarwende und faire Handelspolitik: „Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen der Klimakrise spürt. Wir sind aber gleichzeitig auch die letzte Generation, die etwas dagegen machen kann.“ Das sei eine große historische Verantwortung. „Wir haben die Konzepte. Packen wir’s an.“ Die Zeiten seien rau und schwierig, konstatiert Hofreiter: „Wenn man sich anschaut, wie sich die Politik in vielen demokratischen Ländern verändert, muss man sich Sorgen machen.“ Was viele für selbstverständlich gehalten hätten, sei nicht mehr selbstverständlich: „Wir müssen uns wieder um die Verteidigung unserer Demokratie bemühen.“ 

Rücksichtslose Agrarpolitik

Drei Schwerpunkte setzt Hofreiter: Zum einen die Klimakrise, „sie ist ein wichtiger Turbo für alle Krisen der Welt“ und sei ebenso wie die EU-Krise nur mit grünen Konzepten zu lösen. Der promovierte Biologe kritisiert eine rücksichtslose Agrarpolitik. Sein Beispiel: 800 Millionen Tonnen gefrorenes Geflügel würden pro Jahr nach Afrika exportiert, „mit der Folge, dass dort die Hälfte der Kleinbauern verschwindet. Viele von ihnen machen sich auf den lebensgefährlichen Weg zu uns und werden hier als Wirtschaftsflüchtlinge diffamiert.“ Solche Fluchtursachen solle Politik abstellen. Großen Applaus erhält er für seinen nächsten Schwerpunkt, die Aufforderung, die Gesellschaft zusammenzuhalten und den rechten Populisten entgegenzutreten: „Bei vielen Menschen hat sich ein tiefer Ärger über viele Ungerechtigkeiten festgesetzt. Wir müssen wieder dafür sorgen, dass die Gesellschaft gerechter wird. Damit Leute, denen es sehr gut geht, nicht zu einem sehr irrationalen Wahlverhalten kommen.“

Gesellschaft zusammenhalten

Als er von tief frustrierten Buchhändlern und Kaffeehausbesitzern erzählt, verfällt der gebürtige Sauerlacher in breites Bayrisch. Die würden im Unterschied zu Konkurrenten wie Starbucks oder Amazon Steuern zahlen und ihre Mitarbeiter anständig entlohnen. „Können Sie mir das erklären?“, würden diese Mittelständler fragen. „Transnationale Konzerne sollen wieder Steuern zahlen“, fordert Hofreiter, und ist bei seinem dritten Schwerpunkt: „Auch für dieses Ziel brauchen wir die Europäische Union.“ Die dürfe sich nicht auf der erfolgreichen Friedenspolitik der vergangenen Jahre ausruhen, sie müsse wieder Hoffnung geben, auch den ärmeren Mitgliedsstaaten, „durch Investitionen für Ausbildung und erneuerbare Energien, bevor der nächste Mitgliedsstaat kollabiert“. 

Keine Koalitionsaussage

Eine Koalitionsaussage gibt es erstmals von den Grünen nicht. „Wir wollen nicht als Teil einer Koalition gewählt werden“, sagt Hofreiter, „unsere Aufgabe ist es, unsere grünen Inhalten in diesen schwierigen Zeiten so deutlich wie möglich zu entwickeln und unmissverständlich auszudrücken.“ „Warum glaubst du, dass du der richtige Kandidat dafür bist“, will ein Mitglied wissen, worauf Hofreiter sagt: „Ich bin ja ein wenig kantiger als so manch anderer. Und das ist gut so.“ Im Landkreis trifft Hofreiter auf dieselben Mitbewerber wie vor vier Jahren, als er mit 11,1 Prozent das drittbeste Ergebnis erzielte: Die SPD schickt Bela Bach ins Rennen, für die CSU tritt Florian Hahn an und für die FDP Jimmy Schulz. Am Wochenende soll Hofreiter mit einem guten Listenplatz ausgestattet werden. Er bewirbt sich beim Landesparteitag der Grünen in Augsburg wieder für Platz zwei, hinter Spitzenkandidatin Claudia Roth.

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