Linie 220

Der Hybrid-Bus wird eingestellt

Landkreis - Auf der Linie 220, zwischen Giesing und Taufkirchen, wird nur noch mit Diesel gefahren. Ab 2017 soll es dafür W-Lan im Bus geben.

Günstiger Sprit, negative Ergebnisse der auslaufenden Testphase und der Rückzug der Stadt München aus der Finanzierung stoppen die Hybrid-Technologie. Stadt und Landkreis München teilten sich bisher die Kosten auf der Buslinie 220. Ab Dezember 2017 rollen zwischen Giesing und Taufkirchen nur noch Diesel-betriebene Busse.

Nach wie vor gilt MVV-Bus 220 als ideales Nahverkehrsmittel für das im Sommer 2011 begonnene Hybrid-Pilotprojekt. Die am Bahnhof Giesing startende Linie bedient mit Sankt-Quirin-Platz, den S-Bahnstationen Fasanenpark und Unterhaching sowie dem Haltepunkt Taufkirchen, Winning sowohl städtisches als auch Landkreis-Gebiet. Die Streckencharakteristik erfordert unterschiedliches Fahren. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 sollte der Hybridbus „Solaris Urbino 12 (Eaton)“ auf Spritverbrauch und Schadstoffemissionen getestet werden.

Schon der Zwischenbericht im Frühjahr 2014 ließ nichts Gutes erahnen für die mit großen Hoffnungen gestartete, alternative Antriebstechnik. Im Ergebnis rentiert sich ein Wechsel von Diesel auf Hybrid weder für die Umwelt noch für den Geldbeutel der Initiatoren des Projekts, Stadt und Landkreis München.

Der Busunternehmer ist auch unzufrieden

Zwar verbrauchte „Solaris“ in knapp drei Jahren 22,5 Prozent weniger Sprit, sparten Kreis und Stadt annähernd 15 000 Liter und 16,700 Euro ein, der Umwelt 38,7 Tonnen CO2. Die Nachteile aber überwiegen. Wie aus dem Prüfbericht des MVV hervorgeht, bemängelt das zuständige Busunternehmen, dass „das Fahrzeug tendenziell untermotorisiert“ sei, kritisiert Beschleunigung und Schaltverhalten des hybrid-betriebenen Busses. Als „Kinderkrankheiten“ zählt der Bericht eine höhere Verschleißintensität von Bauteilen wie dem Rußfilter auf. Die Servicequalität des Herstellers entspreche zudem „noch nicht“ dem Standard herkömmlicher Dieselbusse.

Endgültig den Garaus bereiten der Hybrid-Technologie die sich konstant auf unerwartet niedrigem Niveau haltenden Spritpreise. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre Hybrid auf der Regionalbuslinie 220 erst ab 2,13 Euro pro Liter rentabel, heißt es in dem Zwischenbericht. In der Folge zog die Landeshauptstadt ihr Einverständnis zurück, ein Verlängerung des Projekts mitzutragen. Gemeinsam hatten sich Kreis und Stadt zu Beginn der Testphase auf eine Finanzierung nach dem Territorialprinzip verständigt. Für die Dauer des Projekts war der jeweilige Anteil auf Grundlage der zurückgelegten Strecke berechnet worden; Dreifünftel der Kosten entfielen auf den Kreis, Zweifünftel auf die Stadt. Hybrid kostet den Landkreis demnach zwischen einer und 1,2 Millionen Euro jährlich, Diesel bloß 900 000 bis 990 000 Euro.

Letztlich entschied der Kreistag ebenfalls betriebswirtschaftlich. Die Mehrkosten von bis zu 350 000 Euro pro Jahr hätte man andernfalls auf nicht absehbare Zeit allein schultern müssen, argumentierte das Landratsamt. Dem Fazit aus München pflichtete die Kreisverwaltung insofern bei, dass Hybrid auch ihren Berechnungen folgend mittelfristig nicht sinnvoll sei. Der Kreistag stimmte dieser Ansicht zu. Der Beschluss fiel einstimmig.

W-Lan kommt

Bus 220 wird ab 2017 mit WLAN ausgestattet. Obwohl sich München auch hinsichtlich eines Angebots für drahtlosen Zugang ins Internet im Regionalbus aus der gemeinsamen Finanzierung verabschiedet, soll WLAN auf der Linie zur Verfügung stehen. Der Landkreis bleibt dabei, will Fahrgästen ab Dezember kommenden Jahres kostenloses Internet in der 220 ermöglichen. Gemäß Territorialprinzip hätte München 2000 Euro, der Kreis 3000 Euro im Jahr zahlen müssen. Die Kreistagsfraktionen sprachen sich dafür aus, den Betrag zumindest bis zum nächstfolgenden Fahrplanwechsel im Dezember 2022 in voller Höhe zu übernehmen.

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Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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