CSU, FDP und Freie Wähler lehnen Bewerbung ab

Landrat wirbt vergeblich für Fairtrade

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Obwohl das Landratsamt hinter der Idee steht, wird es womöglich kein Qualitäts-Siegel für fairen Handel im Landkreis geben. Die eigene Fraktion droht die von Landrat Christoph Göbel (CSU) vorgeschlagene Bewerbung als „Fairtrade Landkreis“ zu verhindern.

LandkreisNach hitziger Debatte weigerte sich die CSU, grundlegende Voraussetzungen für eine Bewerbung zu erfüllen. Freie Wähler und FDP zogen mit. Die Bewerbungskriterien verlangen unter anderem einen Kreistags-Beschluss, wonach in Sitzungen und im Landratsbüro grundsätzlich fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Fairtrade-Produkt angeboten werden. Zur Auswahl stehen Tee, Zucker, Kakao oder Orangensaft. Gleiche Bedingungen gelten für öffentliche Einrichtungen; für Schulen, Vereine und Kirchen, wo überdies Bildungsaktivitäten zu fairem Handel durchgeführt werden sollen. Ausgehend von der Einwohnerzahl müssten sich im Landkreis München zwei Schulen, zwei Vereine und zwei Kirchen zur Verfügung stellen. Dieselben Kriterien sollen 45 Einzelhandels- und 23 Gastronomiebetriebe erfüllen.

Grüne und SPD reagierten fassungslos auf die Absage von CSU, Freie Wähler und FDP. Niemand hatte damit gerechnet, dass die Bewerbung nicht zugelassen werden könnte, am wenigsten der Landrat selbst. Vergeblich hatte Göbel für Fairtrade geworben, hatte betont, mit der Kampagne das Bewusstsein zu stärken, „dass Lebensmittel bei uns produziert werden.“ Nicht einmal die Zusicherung, dass Landwirte zu Bio nicht verpflichtet würden, vermochte die Gegner umzustimmen.

So findet die ehemalige Kreisbäuerin, Kreisrätin Maria Knoller (CSU) aus Aschheim, zwar toll, dass „regionale und saisonale Produkte gefördert“ werden sollen. In der Kampagne vermisse sie aber den Bezug zur heimischen Landwirtschaft. Dem Kreisobman des Bauernverbands, Kreisrat Anton Stürzer (CSU), gehen die Fairtrade-Kriterien zu weit: „Wir haben so viele negative Erfahrungen mit solchen Plattformen gemacht“, sagte der Landwirt aus Höhenkirchen-Siegersbrunn: Der Bauer bleibe dabei stets der Letzte in der Kette. „Ich aber will frei sein auf den Feldern, das zu tun, was ich gelernt habe.“ Doch statt mehr Freiheit fürchtet Stürzer zusätzliche Kontrollen, mehr Bürokratie. Solche Siegel hätten immer den Händlern genutzt, niemals den Landwirten.

Gerechte Preise und kein Bio

Die stellvertretende SPD-Sprecherin, Annette Ganssmüller-Maluche führt die Haltung der Fairtrade-Gegner auf „diffuse Ängste der Landwirtschaft“ zurück, durch Fairtrade geschwächt zu werden. „Die fürchten, im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln eingeschränkt zu werden.“ Das sei aber falsch, meinte die Ismaningerin: „Fairtrade hat in erster Linie was mit fairem Handel, mit gerechten Preisen zu tun. Da geht es nicht um Bio.“ Dass die Gegner von Fairtrade das nicht begreifen, ärgert sie.

Kreisrat Markus Büchler (Grüne) muss derweil an ungezählte Debatten über Flüchtlinge denken. Flüchtlinge, die das hiesige Sozialsystem belasten. „Tatsächlich bietet Fairtrade eben jenen Leuten eine Chance auf faire Preise und damit auf Überleben in der Heimat“, sagt Büchler. Das ganze Gerede über die Bekämpfung von Fluchtursachen – vor dem Hintergrund des Abstimmungsergebnisses sind das für Büchler nur „Sonntagsreden“.

Die endgültige Entscheidung fällt am 24. Juli der Kreistag, wo alle Fraktionen in voller Besetzung antreten werden. Göbel will bis dahin die Landwirtschafts-Fraktion der CSU überzeugen, mit Fairtrade die Landwirtschaft in der Region zu stärken.

Rubriklistenbild: © dpa

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