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Markus Kraus ist der Leiter der Münchner Mordkommission.

Polizei

Wie die Mordkommission mit Altfällen umgeht

Landkreis - Bei der Staatsanwaltschaft werden ungeklärte Fälle regelmäßig auf Wiedervorlage gelegt und der aktuelle Sachstand bei der Polizei nachgefragt. „Wir haben den Ehrgeiz, jeden Fall aufzuklären“, sagt Markus Kraus, Leiter der Münchner Mordkommission.

Insgesamt 155 vollendete Tötungsdelikte im Bereich des Polizeipräsidiums München konnten seit 1960 nicht aufgeklärt werden, darunter 18 Fälle aus dem Landkreis München. Die dazugehörigen Akten und Asservate schlummern im sogenannten Mordkeller des Kriminalfachdezernats 1 an der Hansastraße. Die Mordkommission arbeitet eng zusammen mit der Arbeitsgruppe „Altfälle“. Die AG wurde 2004 ins Leben gerufen und ist der Spurensicheung, dem Kommissariat 92, zugeordnet. Die Experten hier überprüfen Asservate aus ungeklärten Fällen auf Spuren nach dem neuesten Stand der Kriminaltechnik. 

Vor allem der DNA-Analyse kommt hier eine wichtige Bedeutung zu. Denn bei Fällen aus den 60er oder 70er Jahren gab es dieses Verfahren noch nicht. Erst seit 1998 besteht die DNA-Analyse-Datei, in der genetische Fingerabdrücke gespeichert sind und für Abgleiche genutzt werden können. So konnten bereits nachträglich Tötungsdelikte gelöst werden. Wie etwa der Mord an einem 50-Jährigen 1990 in München. Der Mann war erschlagen in seiner Wohnung gefunden worden. 2012 wurde von dem Täter wegen einer anderen Straftat DNA-Material sichergestellt. Ein Abgleich mit der DNA-Datenbank ergab einen Treffer zu den Spuren am Tatort des alten Mordfalls. Der 38-jährige Mörder war gefasst. Doch nicht immer haben die Ermittler so viel Glück. 

Bei manchen Altfällen gibt es kaum Asservate oder keine weiteren verwertbaren Spuren. „Manchmal muss man sich dann damit abfinden, dass es zu manchen Fällen einfach nichts mehr gibt“, sagt Markus Kraus. Leicht sei das für die Ermittler nicht. „Dann kann man nur noch hoffen, dass vielleicht doch irgendwann jemand sein Gewissen erleichtern will oder eine Lebensbeichte ablegen möchte.“ Ein Mordfall gilt als ungeklärt, wenn laut Kraus „alles polizeilich Sinnvolle“ getan wurde. Erst dann wandert der Fall zu den Akten. Vergessen ist er aber nie. 

Jeder Ermittler habe den Anspruch „seinen Fall“ regelmäßig auf neue Ermittlungsansätze zu überprüfen, sagt Kraus. Nicht immer ist dafür aber die Zeit, die die Ermittler gerne hätten. „Um sich intensiver mit den Altfällen beschäftigen zu können, bräuchten wir mehr Personal“, sagt Kraus. Derzeit hätten die 28 Polizisten der Mordkommission einen Überstundenstand von rund 12 000 Stunden. Besonders bitter sei es aber dann auch, wenn nach vielen Jahren tatsächlich ein Fall gelöst wird, der Täter aber nicht mehr verurteilt werden kann. Stuft ein Gericht ein Tötungsdelikt nämlich als Totschlag und nicht als Mord ein, dann kann es passieren, dass der Täter als freier Mann den Gerichtssaal verlässt. Denn Totschlag verjährt nach 30 Jahren. Patricia Kania

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