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Die Altersstruktur im Landkreis verändert sich.

Ein Kreis vergreist

Neue Prognose: 2038 ist fast jeder Zweite zu jung oder zu alt zum Arbeiten

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Mehr Junge, noch mehr Senioren – ein Blick auf dieBevölkerungsentwicklung im Landkreis München zeigt: Der Altersstruktur kommt das Mittelmaß abhanden.

Landkreis – Im Vergleich zum Elefanten wirkt das Nilpferd klein. Und im Vergleich zum übrigen Bayern wirkt der Landkreis München jung. Doch beide Vergleiche hinken: Kein Mensch, auf den sich ein Nilpferd setzt, jubiliert, dass es wenigstens kein Elefant war. Und obwohl der Trend etwas milder ausfällt: Mit dem ganzen Freistaat altert auch der Landkreis München – samt aller Konsequenzen, die das mit sich bringt.

Einen Blick in diese Zukunft wagt das Bayerische Landesamt für Statistik. In einer jüngst veröffentlichten Prognose schaut die Behörde ausgehend von den neuesten verfügbaren Zahlen – für 2018 – 20 Jahre nach vorn. Der Speckgürtel-Landkreis München übertrifft dabei wenig überraschend den bayerischen Durchschnitt besonders beim Zuzug in quasi allen Kategorien: Rund 382 500 Menschen werden hier laut der Prognose 2038 leben; fast 10 Prozent mehr als heute und damit im Schnitt mehr als 1100 pro Gemeinde.

Durchschnitts-Bewohner im Landkreis ist 2038  etwa 44-einhalb

Darunter ächzt die Infrastruktur vom Kindergarten bis zum Pflegeheim, von der Pendler-Bundesstraße bis zum Liegeplatz am Badesee. Doch was die Altersstruktur angeht, wirkt dieser Zuzug mildernd, sagen die Statistiker vorher. 2038 ist der Durchschnittsbayer, geschlechtsübergreifend gerechnet, demnach knapp 46 Jahre alt. Der Durchschnitts-Bewohner des Landkreises München „nur“ etwa 44-einhalb (2018: 43,8 vs. 43,3). Und das, obwohl die Geburtenrate zwar ein wenig, aber umso deutlicher die Lebenserwartung steigt: Bayernweit bis 2038 um runde zwei Jahre auf 81,8 bei den Männern und 85,6 bei den Frauen.

Doch während die Bevölkerungsgruppe der 18- bis 40-Jährigen im Landkreis stagniert, nimmt der Anteil der Minderjährigen an der Bevölkerung bis 2038 überproportional um runde zwölf Prozent zu. Getoppt wird das nur von denen, die 65 oder älter sind: Diese Gruppe wird um rund 28 Prozent stärker.

Eine Generation geht in Rente: Die Grafik zeigt die aktuelle (jüngste Daten von 2018 in Blau) und für 2038 prognostizierte Bevölkerungsstruktur im Landkreis München (in Orange). Überall, wo die orangefarbenen Linien außerhalb der blauen Fläche liegen, erfährt die jeweilige Alterskohorte einen Zuwachs – wie bei den Landkreis-Bürgern unter 20 Jahren. Besonders folgenreich ist das Altern der Generation, die zwischen der Mitte der 50er-Jahre und dem „Pillenknick“ geboren wurde – den sogenannten Babyboomern. Diese große Gruppe erreicht das Rentenalter. Dadurch werden laut Prognose die um die 70-Jährigen zu den bevölkerungsstärksten Jahrgängen gehören.

Dieser Zuwachs an Jungen und Senioren bedeutet wiederum, dass auf 100 Bürger im erwerbsfähigen Alter – das Landesamt für Statistik legt als Maßgabe 20 bis 64 Jahre an – 37,3 junge Menschen kommen, deren Heranwachsen und Ausbildung finanziert werden muss (2018: 34,1): Der „Jungenquotient. Das Gegenstück dazu ist der „Altenquotient“: Das Landesamt prognostiziert, dass auf dieselben 100 erwerbsfähigen Landkreisbürger 2038 auch 43 Menschen über 65 kommen, denen laut Generationenvertrag ein Auskommen im Alter zusteht (2018: 34,4). Daraus summiert die Behörde einen „Gesamtquotienten“: Die Zahl der qua Alter nichterwerbsfähigen Personen je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. 2038 liegt sie bei 80,2.

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Das bedeutet: Rund 45 Prozent der Landkreisbürger stehen dann nicht in Lohn und Brot. Dass dieser Anteil etwas geringer ausfallen könnte, als das Amt noch vor rund zehn Jahren annahm, „ist vor allem auf Wanderungsgewinne durch die anhaltend hohe Arbeitsmigration aus dem europäischen Ausland zurückzuführen“, schreibt die Behörde – und wird politisch: „Plakativ formuliert, müssen Gebiete mit Bevölkerungswachstum ihre zugewanderten Neubürgerinnen und Neubürger in ihre lokalen Gesellschaften integrieren.“ Davon dürfte sich auch der Kreis München angesprochen fühlen. Denn geht man nach der Analyse des Amtes, ist der Zuzug von Arbeitskräften eine Chance, die Jungen wie die Alten in der Region besser zu stützen als andernorts. Sonst wird diese Aufgabe für die, die altersmäßig dazwischen liegen, umso schwieriger. Ein bisschen so, wie wenn man zwischen einen Elefanten und ein Nilpferd gerät.

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