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Arbeitsmarkt-Bilanz für 2022: So viele Beschäftigte wie nie - Zahl der offenen Stellen steigt

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Schriftzug der Agentur für Arbeit an einem Gebäude.
So viele Beschäftigte wie nie, vermeldet die Agentur für Arbeit München für ihren Bezirk (Symbolbild) © IMAGO/Horst Galuschka

Der Arbeitsmarkt in und um München ist trotz Krisen stabil. Es gab in der Stadt und im Landkreis noch nie so viele Beschäftigte. Doch die Zahl der offenen Stellen steigt.

Landkreis – Trotz mehrerer Krisen und Belastungsproben wächst der Wirtschaftsraum München. In der Stadt und im Landkreis München gibt es so viele Beschäftigte wie noch nie. Gleichzeitig wächst eine andere Herausforderung: Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden.

„Der Arbeits- und Fachkräftemangel wird zunehmend akut“, sagte gestern Wilfried Hüntelmann, Chef der Agentur für Arbeit München, beim Besuch in der Redaktion des Münchner Merkur.

Im Jahr 2022 waren in Stadt und Landkreis so viele Menschen im Job wie nie zuvor: 1 191 418 Personen, das sind 39 187 Beschäftigte mehr als im Vorjahr. „Aber trotzdem reicht es nicht“, stellt Hüntelmann fest. Viele offene Stellen können nicht besetzt werden.

Fachkräftemangel wächst sich aus

Im Jahr 2022 hatte die Arbeitsagentur 14 280 Stellen im Angebot. Die Zahl ist im Vergleich zu 2021 um 45,8 Prozent gestiegen.  „Wir beobachten sogar, dass Unternehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht entlassen, weil sie fürchten, später keinen qualifizierten Ersatz zu bekommen“, so Hüntelmann. „Lange war der Fachkräftemangel auf qualifizierte Fachkräfte bezogen, dann hat Corona den Mangel beschleunigt“, analysiert der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit: „Der Fachkräftemangel hat sich zum Arbeitskräftemangel ausgeweitet.“

Wilfried Hüntelmann Geschäftsführer der Arbeitsagentur München
Wilfried Hüntelmann, Geschäftsführer der Arbeitsagentur München © Agentur für Arbeit

Ein Beispiel: In der Pandemie seien viele Beschäftigte von der Gastronomie und Hotellerie in den Lebensmittelhandel gewechselt, etwa als Auslieferungsfahrer. „Die Gastronomie hat keine Leute mehr eingestellt, zugleich sind einige Beschäftigte in Rente gegangen. Es braucht Zeit, bis sich das wieder einspielt“, so Hüntelmann

Die Arbeitslosenquote ist im Jahresdurchschnitt 2022 in der Stadt und im Landkreis München von 4,5 auf 3,9 Prozent gesunken. 2022 waren 41 848 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 6275 Menschen weniger als 2021, ein Rückgang von 13 Prozent. „Es ist ganz eindeutig so, dass Kurzarbeit einen deutlichen Anstieg von Arbeitslosigkeit verhindert hat“, resümiert Hüntelmann.

„Großes inländisches Potenzial“

Die Arbeitsagentur tut schon einiges, um Fachkräfte zu gewinnen: in den Schulen, in den Betrieben und bei der Begleitung von Auszubildenden. Man sehe „ein großes inländisches Potenzial“, so Hüntelmann. Frauen soll der Weg zurück in den Job erleichtert werden. Das Fachkräfte-Image von Schwerbehinderten soll gestärkt werden: „Wir haben viele Menschen mit Behinderung, die sehr motiviert sind. Es geht darum, nicht ihre Defizite, sondern definitiv ihre Fähigkeiten in den Blick zu nehmen.“

Zur Gewinnung von Fachkräften bietet die Arbeitsagentur eine Palette an Hilfen. Manche seien noch wenig bekannt: „Wir können zum Beispiel eine behindertengerechte Büroausstattung liefern oder einen Kfz-Umbau finanzieren, wenn ein Rollstuhlfahrer mit dem Auto zur Arbeit fahren muss.“

Arbeitsagentur unterstützt mit Qualifizierung

Arbeitnehmer, die schon im Erwerbsleben stehen, unterstützt die Arbeitsagentur mit Qualifizierungen, ebenso wie Arbeitslose ohne Ausbildung.  „Der klassische Fall ist die alleinerziehende Mutter, die ihr Kind betreut hat, statt eine Ausbildung zu machen“, sagt Hüntelmann. Auch Menschen ab 50 kämen für Qualifizierungen in Betracht: „Wir haben nicht mehr die Schere im Kopf, denn das Renteneintrittsalter ist heute später.“

Eine große Lücke droht, wenn die Babyboomer ins Rentenalter kommen. Zuwanderung sei nötig, um den Beschäftigungsstand zu halten. Dafür müsste die Ausbildungsanerkennung unbürokratischer und schneller gehen, so Hüntelmann.

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