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Begehrt: Trotz der Krise gibt es auch heuer wieder mehr Lehrstellen als Bewerber. (Symbolbild)

Betriebe stehen vor Problem

Trotz Corona – Azubis dringend gesucht

  • Doris Richter
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Viele junge Menschen im Landkreis haben zwar in diesen Tagen ihren Abschluss in der Tasche – noch aber keinen Ausbildungsvertrag. Doch ein Problem haben trotz Corona-Krise wie schon die Jahre zuvor nicht die Bewerber, sondern die Betriebe.

Landkreis – Der Corona-Stillstand der vergangenen Monate hat vieles verzögert und durcheinandergebracht. Ausbildungsmessen waren abgesagt worden, persönliche Vorstellungsgespräche wochenlang unmöglich. Betriebe hatten zum Teil andere Sorgen als sich um ihre künftigen Auszubildenden zu kümmern. Tatsächlich ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen nach Angaben der Industrie- und Handelskammer um mehr als 14 Prozent auf 1992 gesunken. Gleichzeitig nahm jedoch auch die Anzahl an gemeldeten Bewerbern um fast fünf Prozent ab und lag bei 1155 Es bleibt daher für die ausbildungswilligen Betriebe wie schon in den vergangenen Jahren eine große Herausforderung, alle Ausbildungsplätze zu besetzen.

Laut Statistik der Arbeitsagentur sind noch 953 Lehrstellen offen. 553 Schulabgänger haben noch keine Lehrstelle – rein rechnerisch kann sich also jeder von ihnen zwischen zwei Stellen entscheiden. „Für die Betriebe ist die Situation daher – zumal der Corona-Stillstand die Suche nach geeignetem Fachkräftenachwuchs massiv erschwert hat – erneut sehr schwierig“, sagt Christoph Leicher, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landkreis München. Nachdem die meisten Betriebe wieder schrittweise zur Normalität zurückkehren, lohne es sich, weiterhin zu bewerben. „Die Chancen sind optimal, dass jeder, der einen Ausbildungsplatz will, auch einen findet“, so Leicher.

Zahl der bis Ende Mai abgeschlossenen Lehrverträge zurückgegangen

Auch im Handwerk ist man optimistisch. Zwar ist die Zahl der bis Ende Mai abgeschlossenen Lehrverträge nach Angaben der Handwerkskammer für München und Oberbayern im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent zurückgegangen. Doch eine Umfrage unter Betrieben habe ergeben, dass mehr als die Hälfte ebenso viele Lehrlinge ausbilden wollen wie im Jahr zuvor. Etwa zehn Prozent sogar mehr als 2019. Man hofft auf eine Aufholjagd diesen Sommer.

Auch der Brauereigasthof Aying würde wie die Jahre zuvor zehn Auszubildenden im Betrieb aufnehmen, angehende Köche, Hotel- und Restaurantfachkräfte. „Ich bin heilfroh, wenn ich sechs bekomme“, sagt Personalreferentin Corina Bräuer. Drei Azubis hat sie bereits gefunden. Die Corona-Zeit hat die Suche nach weiteren noch schwieriger als sonst gemacht. „Die letzte Ausbildungsmesse war zu Beginn des Jahres“, sagt Bräuer. Von Online-Messen hält sie wenig. So versucht sie über Anzeigen im Internet und vor allem auch über die sozialen Medien junge Leute anzusprechen. Auch Praktikanten kann sie nun verstärkt wieder annehmen. „Das geht aber nächster Woche wieder los.“

Schreiner Group will jungen Menschen eine gute Ausbildung und Perspektive bieten

Die Schreiner Group aus Oberschleißheim hat, wie im vergangenen Jahr auch, 22 Ausbildungsstellen – die bereits besetzt sind, wie Unternehmenssprecherin Susanne Höppner sagt. „Für die Schreiner Group stand eine Reduzierung der Ausbildungsstellen nicht zur Debatte.“ Das Unternehmen wolle seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und jungen Menschen eine gute Ausbildung und Perspektive bieten. Der Bewerbungsprozess ist wegen der Corona-Krise umgestellt worden: Die ersten Gespräche mit den Bewerbern wurden telefonisch geführt. Der gemeinsame Informationsabend mit den Eltern der neuen Auszubildenden würde vermutlich entfallen oder zumindest verschoben werden. „Die „Azubi-Tage“, bei denen die Auszubildenden sonst zum Ausbildungsbeginn gemeinsam ein Teambuilding-Wochenende verbringen, werden wir auf 2021 verschieben“, erzählt Susanne Höppner. Wie die Berufsschule ab kommenden September stattfindet, stehe noch in den Sternen.

Die Firma Develey aus Unterhaching hat den Bewerbungsprozess kurzfristig ausgesetzt. „Gerade bei dem wichtigen Thema Ausbildung halten wir ein persönliches Gespräch vor Ort für unerlässlich, um die Bewerberinnen und Bewerber kennenlernen zu können und ein Bild zu bekommen, in welchen Bereich eine Person, auch langfristig, gut passen könnte“, sagt Personalbeauftragte und Ausbilderin Franziska Erthle. „Wir nehmen daher nach einer Pause die Gespräche jetzt wieder auf – natürlich mit entsprechenden Abstandsregelungen.“ Develey hat insbesondere im gewerblichen Bereich noch einige freie Stellen für das nächste Ausbildungsjahr.

do/mvk

Aus dem Landkreis: Zu einer speziellen Geburtstagsfeier hatte ein Münchner übers Internet eingeladen: Er feierte mit 200 Gästen eine illegale Techno-Party samt DJ-Pult im Perlacher Forst.

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