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Teils sind die Probanden so schwer „verletzt“, dass sie mit ihren täuschend echten Wunden auf Tragen aus dem Bus oder dem Zug transportiert werden müssen.
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Teils sind die Probanden so schwer „verletzt“, dass sie mit ihren täuschend echten Wunden auf Tragen aus dem Bus oder dem Zug transportiert werden müssen.
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Leicht- und Schwerstverletzte werden am Wegesrand aufgereiht.
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Viele Bilder von der Übung gibt‘s hier

Katastrophen-Übung: Einsatzkräfte proben, was passiert, wenn zwei Tage der Strom ausfällt

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Was passiert, wenn zwei Tage flächendeckend der Strom ausfällt? Ein Szenario, für das hunderte Einsatzkräfte im Landkreis nun geprobt haben. Und das unter realistischen Bedingungen

Landkreis – Für zwei Tage ist am Wochenende in weiten Teilen des Landkreises der Strom ausgefallen. Feuerwehren, Rettungsdienste, Polizei und ehrenamtliche Helfer mühten sich das Szenario in den Griff zu bekommen. Dann geschieht das Unerwartete: Ein Personenzug rast an einem Bahnübergang in einen vollbesetzten Bus. Aber keine Sorge. Es handelt sich hierbei nur um eine Übung.

Unter dem Titel „DarkEx 2019“ inszenierte die Katastrophenschutzbehörde, das Landratsamt, am Sonntag in Garching ein Worst-Case-Szenario für Rettungsdienste aus dem gesamten Landkreis.

Katastrophen-Übung: Dauert der Blackout länger als zwei Tage, droht der Kollaps

Es war eine Übung unter verschärften Bedingungen: Laiendarsteller mimen Tote und Verletzte. Menschen irren planlos durch den plötzlich einsetzenden Regen. Anfahrtswege sind verbaut. Es fehlt an Sanitätern und plötzlich ist überall der Strom weg. „Das ist gewollt“, sagt Gerhard Bieber von den Johannitern. „Uns kommt es auf das Zusammenspiel aller beteiligten Dienste an.“

Ein anhaltender Stromausfall gilt seit Jahren als ernstzunehmende Katastrophe. Ohne Strom läuft in der zivilisierten Welt rein gar nichts. „Wasser, Heizung, Müllabfuhr; nichts funktioniert“, skizziert Bieber ein Szenario, wie es Deutschland bisher erspart blieb. Dauert der Blackout länger als zwei Tage, drohe dem Land der Kollaps. Ob E-Bombe, Hackerangriff oder Sonnensturm: Nach 48 Stunden brechen Digitalfunknetze der Rettungsdienste zusammen. Registrierkassen, elektrische Türen, medizinisches Gerät in Kliniken; was nach 48 Stunden ohne Strom passiert, weiß niemand so genau. „Wir können dann nur noch versuchen, zu funktionieren“, sagt Bieber.

Katastrophen-Übung: „Nichts ist undenkbar“

Rettungsdienste wie Rotes Kreuz, Malteser und Arbeiter-Samariterbund (ASB) richten an der Ingolstädter Straße ein Betreuungszentrum ein. Medikamente, psychosoziale Betreuung, heiße Würstchen, warme Decken und eine Spielecke für Kinder. Parallel würden im Ernstfall Wohngebiete Haus für Haus nach Notfällen abgeklopft. Bieber, der Beobachter durch die Übung führt, weiß wovon er spricht: „Nichts ist undenkbar.“

Und tatsächlich: Während man sich an der Ingolstädter Straße auf den Ansturm Hilfesuchender einrichtet, ist nicht nur plötzlich auch das Betreuungszentrum ohne Strom. Wenige Kilometer weiter rollt ein Bus gemächlich über einen Bahnübergang. Die Warnanlage bleibt aus, die Schranke ist oben. Den Personenzug sieht der Busfahrer zu spät. Zu spät auch das Schrillen des Signals der Lok. Die Maschine schiebt den Zug, sodass der Lokführer den Bus nicht im Blick hat. Es ist elf Uhr vormittags, was als Übungsszenario begann, wird zum Katastrophenfall.

Katastrophen-Übung: „Oh, cool“ - Bahn kracht in Bus

Zwischen Zug und Bus hängt ein Toter. Der Mann war durch den Aufprall von seinem Sitz im Bus durchs Fenster geschleudert worden. Man hört Schreie aus dem Bus. Auf dem Mittelgang liegt ein Körper. Der Busfahrer blutet über das Gesicht.

Später wird Bieber an der inszenierten Unfallstelle im Bereich der Versorgungsschienen eines Garchinger Recycling-Betriebs auf Höhe der Straße Am Gfild ein Video des Zusammenpralls präsentieren. In Schrittgeschwindigkeit war der Zug dem Bus in die Parade gefahren, schob ihn mehrere Meter über die Straße. „Oh, Cool“, gibt sich einer der Beobachter gelassen. In Wahrheit ist erschreckend, welche Gewalt acht Stundenkilometer auszulösen vermögen.

Katastrophen-Übung: Verletzte schreien, brüllen, bluten

Die Darsteller sind jeden Cent wert. Schreie, Wehklagen. Die Unfallstelle ist erfüllt von Angst und Panik. Eine junge Frau stapft unverdrossen von dannen. Peter Zehentner vom ASB, der als diplomierter Sozialpädagoge das Krisen-Interventions-Team leitet, kennt das: „In Hamburg ist mal einer bis nach Hause gelaufen, hat den Unfall im Fernseher gesehen und die Feuerwehr gerufen.“

Binnen zwölf Minuten sollen Rettungsdienste hierzulande am Unfallort sein. Die Feuerwehren aus Garching und Hochbrück sind schneller. Mit ihren Schutzanzügen brechen, schneiden und stoßen die Feuerwehrleute Zugänge in den Bus. Dann sind Sanitäter und Notärzte dran. Es fällt auf, mit welcher Ruhe sie dabei vorgehen. „Keinem hilft es, wenn wir auch noch Retter versorgen müssten“, sagt Zehentner. Derweil sorgt der Bahn-Beauftragte dafür, dass die Strecke frei bleibt. „Wenn jetzt ein ICE ranrauscht, war’s das.“

Katastrophen-Übung: „Manchmal läuft es einfach blöd.“

Verletzte werden aus dem Bus, später aus dem Zug geholt. Klar dass man davon ausgeht, dass es die Leute im Bus schlimmer erwischt hat. Dennoch werden zwei der fünf Toten im Zug gefunden. Selbst für das stabilere Zuggehäuse gilt: „Manchmal läuft es einfach blöd.“

Leicht- und Schwerstverletzte werden am Wegesrand aufgereiht. Ein Sichter, in der Regel medizinisch versiert, hastet vorbei, ruft: „Rot, gelb, grün!“ In dieser Reihenfolge sortiert man die Versehrten. Rot für besonders schwere Fälle. Zwei Sanitäter mühen sich, das Herz eines Mannes zum Schlagen zubringen. Ein erfahrener Notarzt winkt ab: Zu wenig Helfer für 81 Verletzte. Eine Frau kreischt: „Schafft mir den Toten weg!“ Die Sanitäter wenden sich den Kategorien Gelb und Grün zu.

Das Fazit zur Großübung steht aus. Wie sie verlaufen ist, analysieren Einsatzleiter und Beobachter in den kommenden Tagen.

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