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Betrüger geben sich am Telefon als Beamte aus oder als Microsoft-Mitarbeiter und bringen Senioren dazu, ihnen ihr Erspartes auszuhändigen.

Bei Anruf Abzocke

Experte verrät: Das sind die Tricks der Telefonbetrüger und so schützt man sich

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Die Trickbetrüger haben in den vergangenen Jahren ihre Schlagzahl merklich erhöht. Ihre Tricks und, wie man sich schützt, verrät Kriminaloberrat Arno Helfrich im Interview.

LandkreisTrickbetrug gehört mittlerweile für die Polizeidienststellen im Landkreis zum täglich Brot. Zwar wirkt die Aufklärung der Münchner Polizei – immer mehr Menschen durchschauen die Tricks der Gauner. Trotzdem streichen die Täter Millionenbeträge ein, weil sie ihre Schlagzahl erhöhen. 2018 zählte das Präsidium 2500 Betrugsversuche in München und im Landkreis. Zwar hatten die Täter nur in 35 Fällen Erfolg, doch die Schadenssumme betrug 2,5 Millionen Euro (2017: 2300 Versuche, davon 40 erfolgreich). „Die wenigen Opfer wurden massiv geschädigt“, sagt Kriminaloberrat Arno Helfrich (59) aus Ismaning. Er leitet im Polizeipräsidium München das Kommissariat für Prävention und Opferschutz, das über Betrugsdelikte auch aus dem Callcenter-Bereich aufklärt.

Herr Helfrich, auch wenn die meisten Betrugsversuche scheitern, scheint sich die Betrügerei zu lohnen?

Das Traurige ist: Wen es erwischt, der wird gegängelt und teilweise über Wochen immer wieder angerufen und dazu gebracht, wieder und wieder Summen zu transferieren.

Mit welchen Maschen sind die Täter erfolgreich?

Sie geben sich am Telefon als Polizisten oder Enkel aus. Diese Klassiker funktionieren immer noch. Die Täter agieren hochprofessionell und setzen ihr Opfer, sobald es Misstrauen zeigt, unter Druck. Auch der falsche Handwerker kommt noch oft vor, er gibt sich gern als Wasserwerker aus und spielt vor, dass es im Mehrfamilienhaus einen Wasserschaden gibt. Er betritt die Wohnung und will die Waschmaschine abstellen, während sein Begleiter unbemerkt nach Bargeld und Schmuck sucht.

Wann sollte man misstrauisch werden?

Auffällig ist eine 110-Nummer im Telefon-Display. In Ismaning riefen Betrüger eine Zeit lang mit der 089 / 96 110 an und in Unterföhring mit 95 110. Die Polizei wird niemals mit einer 110-Nummer anrufen, denn das ist eine One-Way-Nummer, die man nur selbst anrufen kann. Und Polizisten fragen auch niemals nach Wertgegenständen oder persönlichen Daten.

Oft spielen auch Computer-Viren eine Rolle.

Das Vorgehen hält Schritt mit der zunehmenden Präsenz von Senioren im Internet. Betrüger geben sich auch als Microsoft-Mitarbeiter aus. Sie behaupten – oft auf Englisch – eine Lizenz sei abgelaufen oder der PC sei von einem Virus befallen. Sie wirken sehr hilfsbereit. Dann schlagen sie vor, dass man eine App herunterlädt, über die sie Zugriff auf den PC bekommen. Plötzlich bewegt sich der Cursorpfeil am Bildschirm von selbst. Spätestens dann sollte man auflegen und den PC abschalten.

Welche anderen Tricks sind aktuell gängig?

Arno Helfrich leitet das Kommissariat für Opferschutz

Betrüger geben sich gern auch als Mitarbeiter der Telekom aus, die ein Kabel kontrollieren wollen, oder als Stromablese-Dienst. Den Paketboten, der eine Sendung für den Nachbarn abgeben will, sollte man nicht in die Wohnung lassen. Auch nicht den Herrn, der im vierten Stock für eine Nachbarin Blumen abgeben will. Das ist auch eine Masche. Weil die Dame nicht da ist, möchte er ihr einen Zettel schreiben, dafür bittet er um Papier und Stift. Aber keinesfalls darf der Unbekannte in die Wohnung! Sie sollten die Tür schließen, bevor Sie mit dem Zettel zurückkommen.

Wie kann man sich schützen, bevor man überrumpelt ist?

Man sollte sich klar machen: Ich bestimme, mit wem ich telefoniere und wen ich ins Haus lasse. Ich habe die Trumpfkarte in der Hand. Und man sollte nie hohe Barbeträge im Haus haben, es gibt kein gutes Verstecke, weder in der Schublade noch unterm Kopfkissen.

Auf wen haben es die Täter besonders abgesehen?

Sie suchen im Telefonbuch nach alt klingenden Vornamen. Aber es ist nicht so, dass Leute, die Opfer werden, besonders gutgläubig oder senil sind. Es kann jedem passieren, dass er im falschen Augenblick auf dem falschen Fuß erwischt wird. Die Täter sind geschulte Profis und für jeden, auch für mich oder Sie, gibt es eine Masche.

Besonders anfällig ist man, wenn Angehörige plötzlich in Not sein sollen...

Ganz perfide sind die Gespräche, in denen der Angerufene in Panik versetzt wird, weil der Ehemann oder der Sohn angeblich gerade einen schweren Unfall gebaut hat und in Untersuchungshaft kommt, wenn man nicht sofort eine Gebühr hinterlegt. Es ist vorgekommen, dass ein Münchner durch so einen Trick 60 000 Euro verloren hat. Leider gelingt auch immer wieder der Enkel-Trick, der stets mit der Frage beginnt: Rate mal, wer da dran ist? Die Täter geben sich auch gern mal als Tante oder Onkel aus. Da hilft es, eine Gegenfrage zu stellen und nach einer Tante zu fragen, die es gar nicht gibt. Wenn der Anrufer darauf eingeht, wissen Sie, dass er lügt.

Wie viele Fälle von Trickbetrug verzeichnet die Polizei aktuell?

Über ein Wochenende melden sich schon mal 150 Leute, die nach einem Betrugsversuch den Weg ins Präsidium oder zu den Dienststellen vor Ort finden. Da kann man sich ausrechnen, wie groß die Dunkelziffer ist. Denn nicht jeder, ruft nach einem Betrugsversuch die Polizei an. Die Aufklärung und Prävention arbeitet aber immer weiter gegen die Täter.

Wie verhält man sich nach einem Betrugsversuch?

Betroffene sollten sich sofort bei uns melden. So erfahren wir Details, die uns bei den Ermittlungen helfen.

Wie groß ist Ihr Team?

Mittlerweile hat die Dienststelle zur Bekämpfung des Callcenterbetrugs mehr als 20 Mitarbeiter, um die Prävention kümmert sich meine Dienststelle in enger Abstimmung mit den Kontaktbeamten der örtlichen Polizeidienststellen. Wir wissen, dass die Täter in den Callcentern in der Türkei sitzen. Wir arbeiten mit der türkischen Polizei zusammen, was auch immer besser funktioniert. Auch 2020 wird es unser Schwerpunkt sein, die Menschen vor Betrügereien zu schützen. Wir würden uns freuen, wenn es gelingt, unsere guten Quoten zu halten.

Kontakt zur Polizei

Betroffene können sich an jede Polizei-Dienststelle wenden oder direkt an das Polizeipräsidium München unter Tel. 089/ 29100.

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