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In Riesenschritten zum Geothermie-Ausbau: SWM investiert rund 1 Milliarde Euro

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Von: Charlotte Borst

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Ihre Anlage in Kirchstockach erweitern die SWM bis 2026 um eine weitere Bohr-Dublette.
Ihre Anlage in Kirchstockach erweitern die SWM bis 2026 um eine weitere Bohr-Dublette. © Geothermie Bundesverband

Die Stadtwerke München (SWM) erweitern ihre Geothermie-Anlagen und die zugehörigen Netze. Zudem sind weitere Kooperationen im Landkreis München geplant.

Landkreis – Die Stadtwerke München (SWM) bauen die Wärmekapazitäten ihrer Tiefen-Geothermie-Anlagen deutlich aus. Bis Anfang der 2030er Jahre investiert das Versorgungsunternehmen rund eine Milliarde Euro in die Tiefengeothermie. Helge-Uve Braun ist technischer Geschäftsführer der SWM und Präsident des Bundesverbands Geothermie e.V.. Er sieht in der Tiefen-Geothermie einen Schlüssel für eine unabhängige Wärmeversorgung: „Wir werden enorme Potenziale heben und wollen bis Anfang der 30er Jahre Erdwärme mit einer thermischen Leistung von 400 bis 450 Megawatt erschließen.“ Somit wäre die Grundlast der Münchner Wärmeversorgung abgedeckt und ein Viertel des gesamten Münchner Fernwärmebedarfs von 1800 Megawatt.

In Kirchstockach, Dürrnhaar und Sauerlach besitzen und betreiben die SWM bereits je eine Geothermie-Anlage. „Dort steht derzeit noch die EEG-geförderte Stromerzeugung im Vordergrund“, sagt Braun: „Diese Verträge werden aber Anfang der 30er Jahre auslaufen, dann werden wir zu 100 Prozent Wärme für München und für die angeschlossene Landkreisgemeinden produzieren.“

„Die Kapazitäten reichen“

Die SWM wollen jeden der drei Standorte von einer auf drei Bohr-Dubletten ausbauen. In Kirchstockach soll bis 2025 eine zweite Dublette niedergebracht sein. Eine 22 Kilometer lange Transportleitung ist im Südosten bereits in Planung. Über diese Trasse versorgen die SWM die angrenzenden Gemeinden mit Erdwärme und schließen sie im Raum Perlach an das Münchner Fernwärmenetz an. „Die Kapazitäten reichen“, betont Braun: „Wir nehmen dem Landkreis nichts weg, wir versorgen ihn mit. Allen Kunden, die Interesse haben, werden wir, wenn möglich, ein Angebot unterbreiten.“

Der Ausbau der bestehenden Standorte sei die wirtschaftlichste Möglichkeit, Kapazität zu erhöhen, erklärt Braun, „weil wir zunehmend Probleme haben, Standorte im städtischen Raum zu finden“. Für eine Geothermie-Anlage benötige man ein Grundstück von der Größe eines Fußballfelds. An jede Anlage wird ein Absorbtionswärmekraftwerk angeschlossen, zudem werden bei jeder Bohrung Glasfaserkabel verlegt, um permanent die Vorgänge im Untergrund zu überwachen.

Kraftwerke der Stadtwerke München: in dunkelblauer Farbe sind „Fernwärmenetze Dampf“ dargestellt, in hellblauer Farbe „Fernwärmenetz für Heizwasser“, mit einem Stern sind Projekte gekennzeichnet, die in Bau sind. Quelle: SWM
Kraftwerke der Stadtwerke München: in dunkelblauer Farbe sind „Fernwärmenetze Dampf“ dargestellt, in hellblauer Farbe „Fernwärmenetz für Heizwasser“, mit einem Stern sind Projekte gekennzeichnet, die in Bau sind. © Grafik: SWM

Gemeinsam mit der „Erdwärme Grünwald“ (EWG) und der „Innovative Energie Pullach“ (IEP) kooperieren die SWM im Süden, um neue Geothermieanlagen zu errichten und je nach Möglichkeit bestehende Anlagen auszubauen. Pullach investiert Millionen in den Netzausbau, um unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Die SWM wollen in Kooperation mit Pullach und Grünwald auch aus dem Isartal über lange Verbundleitungen ökologische Wärme in die Stadt transportieren. Basis für die Wahl neuer Standorte in den beiden Kommunen sind seismische Untersuchungen, die mit der IEP und der EWG durchgeführt worden sind. „Wo und wann gebohrt werden soll, ist noch in Abstimmung“, sagt Braun. Er hofft, dass bis 2026/27 je eine Dublette in Grünwald und Pullach niedergebracht ist.

Auch im Münchner Norden wollen die SWM den Untergrund erforschen und die Mächtigkeit geothermischer Reservoire erkunden. „Wir wollen weitere Geothermiebetreiber bewegen, mit uns zu kooperieren“, sagt Braun. Im Osten gebe es ebenso Bestrebungen zur Zusammenarbeit. Auch zur Gemeinde Unterföhring und ihrer Tochter Geovol haben die SWM ihre Fühler ausgestreckt. Hier ist das Verhältnis allerdings angespannt wegen eines umstrittenen Gaskraftwerks am Standort HKW Nord. „Wir haben von unserer Seite Gespräche angeboten und bleiben dran“, sagt Braun: „Mit der Geovol könnten wir uns vorstellen, einen geothermischen Aquiferspeicher zu bauen.“ Damit ließe sich Energie des Sommers für den Winter speichern. Allerdings sei noch zu untersuchen, wie sich unterirdische Langzeitwärmespeicher realisieren lassen.

Viel Luft nach oben

Um die Wärmewende voranzubringen, fordert der Präsident des Bundesverbands Geothermie, dass die Bundesregierung Fördermittel bereitstellt und die Fündigkeit finanziell absichert. Genehmigungsverfahren für den Leitungsbau müssten beschleunigt werden, sagt Braun. Hier seien Politik und Verwaltung gefordert. Hilfe erhoffen die Versorgungsunternehmen auch durch eine Bereitstellung von Geodaten: „Die Untersuchungen aus der Öl- und Gasförderung würden uns helfen, die oft noch in Papierform in den Archiven liegen.“

In Deutschland erzeugen aktuell 42 Tiefen-Geothermieanlagen 1,3 Terrawatt Wärme pro Jahr. Da sei noch viel Luft nach oben, betont Helge-Uve Braun: „Wenn die Politik liefert, was sie im Koalitionsvertrag angekündigt hat, werden wir ein Potenzial für Geothermie sehen, das 550 Terrawattstunden pro Jahr liefert. Das ist schon eine Menge und entspricht 25 Prozent des Wärmebedarfs in Deutschland.“

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