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Stellten den Bericht vor: (v.l.) Franz Reicherzer, Landrat Christoph Göbel und Christian Wolf.

Bis 2030 sollte Ausstoß drastisch reduziert werden

Ein Werkzeug für den Klimaschutz: Landkreis hat in allen Kommunen Emission analysiert

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Der Landkreis München hat seinen Treibhausgasbericht vorgestellt. Es wurde in allen 29 Kommunen die Emission analysiert. „Ein Meilenstein“, sagt Landrat Göbel.

Landkreis – Die 29 Städte und Gemeinden im Landkreis München haben sich mit dem Kreistag ein konkretes Ziel gesetzt: Die jährliche Pro-Kopf-Emissionen im Landkreis soll von rund 13 Tonnen (Stand 2010) bis 2030 auf sechs Tonnen reduziert werden – also um 54 Prozent.

Um dies Programm, das der Kreistag 2016 als „29++ Klima.Energie.Initiative“ beschlossen hat, zu bewältigen, gibt es nun ein Kontrollwerkzeug: Landrat Christoph Göbel (CSU) hat den ersten Treibhausgasbericht vorgestellt, den das Landratsamt unter Zuarbeit der 29 Kommunen aufwendig erstellt hat. „Damit haben wir ein Werkzeug geschaffen, das uns ermöglicht, unser Handeln regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen“, stellt Göbel bei einer Pressekonferenz im Landratsamt fest und freut sich sichtlich, am Rande des Corona-Managements auch einmal ein anderes Thema ansprechen zu können.

Die Landkreis-Bilanz: Bei 9,5 Tonnen pro Kopf pro Jahr liegt die CO2-Emission im Landkreis. Heute verfügt man über Daten aus dem Jahr 2016, als die Klima-Initiative beschlossen wurde, stammten die Zahlen (13 t) aus dem Jahr 2010.

Knapp 160 Seiten umfasst der Bericht, aufgeteilt in zwei Teile. Der erste Teil enthält Infografiken und Analysen zu jeder einzelnen der 29 Kommunen sowie für den Landkreis insgesamt. Der zweite Teil beschreibt Maßnahmen in den Bereichen Klimaschutz und Mobilität, die schon begonnen wurden.

Das Zahlenmaterial bildet die Grundlage für ein Treibhausgas-Controlling. Alle zwei Jahre wird der Energieverbrauch der 29 Kommunen neu ermittelt, so dass man die Effekte von Maßnahmen beobachten und auswerten kann. In jedem geraden Jahr soll ein aktualisierter Bericht vorgelegt werden. „Man neigt dazu, sich Ziele zu setzen und sie aus dem Blick zu verlieren“, sagt Göbel, „daher war es dem Kreistag wichtig, den Status quo zu erfassen und in kürzeren Abschnitten aktuell neu zu definieren.“

Solarpotenzialkatastar als Maßnahme

Die Daten für die Infografiken der einzelnen Kommunen wurden mit der Software „Klimaschutz-Planer“ erfasst. Dabei werden alle Emissionen betrachtet, die innerhalb eines Gebiets entstehen. „Emissionen etwa aufgrund von Reisen der Landkreisbürger außerhalb des Bilanzierungsgebiets sind derzeit nicht erfassbar“, erläutert Christian Wolf, der Leiter der Abteilung Energie und Klimaschutz im Landratsamt, die Grenzen der Methode.

Als Maßnahmen stellte Mitarbeiter Franz Reicherzer etwa das Solarpotenzialkataster vor, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Energieberatung für Unternehmen und Privatpersonen oder die Bündelausschreibungen für Fotovoltaikanlagen für ganze Ortsteile. „Hier konzentrieren wir uns auf Bereiche, wo wir in unserem eigenen Beritt etwas steuern können“, so Göbel.

„Wenn wir da nicht weiterkommen, wird es schwierig“

Der Vergleich der Kommunen untereinander oder mit bundesweiten Durchschnittswerten sei nicht sinnvoll. „Ich kann die Kommunen nicht alle über einen Kamm scheren“, sagt Wolf. Jede Kommune habe andere Ausgangsvoraussetzungen: Faktoren sind Einwohnerzahl, Straßenverkehr, produzierendes Gewerbe und regenerative Energieerzeugung. So haben viele Landkreisgemeinden Autobahnen auf ihrer Flur, was mit 1,9 Tonnen CO2 pro Landkreisbürger pro Jahr zu Buche schlage. „Wenn wir da nicht weiterkommen, wird es schwierig mit der Energiewende“, sagt Göbel. Aber selbst die Gemeinden, die schon bei sechs Tonnen pro Einwohner pro Jahr angekommen seien, müssten weiterhin Emissionen einsparen, „damit wir gemeinsam unser Ziel erreichen“, von dem man noch „sehr sehr weit entfernt“ sei.

„Ein Meilenstein“ auf diesem Weg ist für Göbel der Treibhausgasbericht. „Es ist ein Steuerungsinstrument, durch das wir unsere Maßnahmen und deren Effekte transparent machen, ein Handwerkszeug für kommunale Entscheider.“ Göbel erwartet „einen ausgiebigen Diskussionsprozess.“ Denn, so betont er: „Der Weg ist hier auch mit das Ziel.“

Der aktuelle Bericht steht hier zum Download bereit.

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