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Hühnern droht Ausgangssperre: Landwirte bereiten sich auf Vogelgrippe vor

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Von: Charlotte Borst

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Die Stallpflicht wäre für die Hennen eine starke Einschränkung. Im Wintergarten der Zehetmair-Hühner hängen kleine Heuballen zum Picken und es gibt ein Staubbad.
Die Stallpflicht wäre für die Hennen eine starke Einschränkung. Im Wintergarten der Zehetmair-Hühner hängen kleine Heuballen zum Picken und es gibt ein Staubbad. © Dieter Michalek

Die Vogelgrippe breitet sich in Bayern aus. Die Landwirte im Landkreis bereiten sich schon vor.

Landkreis – Mit Anspannung beobachten Geflügelhalter die dynamische Entwicklung der Vogelgrippe in Bayern. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim stuft das Risiko der Verbreitung als hoch ein.

Geflügelhalter Thomas Unterbichler hat schon Vorsorge für eine Stallpflicht getroffen. 
(Archivfoto)
Geflügelhalter Thomas Unterbichler hat schon Vorsorge für eine Stallpflicht getroffen. (Archivfoto) © Bert Brosch

Der Grasbrunner Geflügelhalter Thomas Unterbichler hat Vorsorge getroffen. Für den Fall, dass das Landratsamt die Stallpflicht anordnet, stehen Kartons voller Material bereit. „Wir machen dann die Ställe rundum sicher“, sagt der Landwirt, der 800 Legehennen in drei mobilen Ställen hält. Eine Hühnerschar wird er in einer Halle einquartieren, eine zweite an der Halle, geschützt durch Netze und Seitenplanen, für die dritte wird er im Freien eine Art Voliere bauen, „damit kein Kot von Wildvögeln hereingetragen werden kann“.

Erste Fälle im Landkreis Erding

Seit Mitte Oktober 2021 kommt es in Deutschland wieder zu vermehrt auftretenden Fällen von Hochpathogener Aviärer Influenza (HPAI). Die Erkrankung ist für Menschen ungefährlich, endet aber für Vögel in den meisten Fällen tödlich und kann für Betriebe einen hohen wirtschaftlichen Schaden verursachen.

„Die Geflügelpest wird hauptsächlich verursacht durch den Subtyp H5N1“, sagt eine Sprecherin des LGL. Neben Fällen bei Wildvögeln, vor allem bei Wildgänsen und Wildenten, aber auch Möwen und Greifvögeln, gab es in Bayern in den vergangenen Monaten zwei Geflügelpestausbrüche bei gehaltenen Vögeln: Am 1. Dezember wurde die hochansteckende Krankheit im Landkreis Erding festgestellt. Dort musste ein Geflügelbestand von 50 Hühnern gekeult werden. Am 21. Dezember wurde ein Ausbruch in Peißenberg (Kreis Weilheim-Schongau) bestätigt, in einer kleinen Hobby-Geflügelhaltung mit 20 Vögeln, darunter Hühner und ein paar wenige Gänse und Enten. Auch hier mussten alle Tiere getötet werden.

„So etwas ist dramatisch, auch gesunde Tiere müssen gekeult werden“

„So etwas ist dramatisch, auch gesunde Tiere müssen gekeult werden“, sagt der Unterföhringer Landwirt Johann Zehetmair. „Gott sei Dank ist die Seuche bei uns noch nicht angekommen.“

Mit Sohn Stefan hält er einen Bestand von 900 Legehennen in einem mobilen Hühnerstall. Mit Anspannung verfolgen die Geflügelhalter die Nachrichten aus Norddeutschland, wo ganze Landstriche befallen sind. „Eine Nervosität ist natürlich da“, sagt Johann Zehetmair. Die üblichen Hygienemaßnahmen werden noch verschärft. Und in der Branche hält man Abstand: „Wir Geflügelhalter besuchen uns nicht mehr gegenseitig“, erzählt Zehetmair.

Bringt seine Hühner in einem Wintergarten unter: Stefan Zehetmair  aus Unterföhring.
Bringt seine Hühner in einem Wintergarten unter: Stefan Zehetmair aus Unterföhring. © Dieter Michalek

„Die Krankheit wird meist von Wildvögeln und Zugvögeln übertragen“, erläutert Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts in Greifswald. Seit 2016 wird bundesweit eine zunehmende Ausbreitung beobachtet. „Derzeit ist es so schlimm wie nie.“ Häufig seien die Wellen im Herbst stärker. „Dann tragen Wild- und Zugvögel das Virus über weite Strecken, und in der kalten Jahreszeit hält sich das Virus länger in der der Umwelt.“ Besonders Tiere in der Nähe von Rastplätzen wie Seen sind gefährdet. Das Thema sei kaum im Bewusstsein: „Überdeckt wird das Ganze von der Corona-Thematik.“

Bei einer Welle im April 2021 ordnete das Landratsamt in großen Teilen des Landkreises die Stallpflicht an. Die Zehetmairs stellten einen Pavillon auf, damit die Hühner noch scharren und picken konnten. „Es kommt Unruhe in die Herde, wenn die Tiere nicht picken können“, sagt Stefan Zehetmair, „die Gefahr besteht, dass sich Tiere gegenseitig anpicken.“

Seit Oktober 50 tote Vögel ans LGL geschickt

Allerdings hatten die Unterföhringer Biobauern Sorge, ob der Pavillon dem Wind standhalten würde. Daher investierten sie in einen neuen Mobilstall mit Wintergarten. Sollte erneut Stallpflicht gelten, können die Hennen immer noch im Wintergarten picken. „Das ist für ihr Wohlbefinden ganz wichtig“, sagt Stefan Zehetmair.

Seit Beginn des Geflügelpestgeschehens im Oktober 2021 seien etwa 50 tot aufgefundene Vögel an das LGL nach Oberschleißheim zur Untersuchung weitergeleitet worden, berichtet eine LGL-Sprecherin. Finder melden tote Vögel meist beim Veterinäramt, das sie zur Untersuchung ans LGL sendet. Neben toten Wildvögeln werden auch erkrankte oder ansteckungsverdächtige Tiere aus Hausbeständen untersucht, um eine Infektion auszuschließen oder zu bestätigen. „Eine schnelle Befundung ist für eine rasche Bekämpfung der Geflügelpest erforderlich“, sagt die Sprecherin: „Man muss aufgrund der letztjährigen Erfahrungen damit rechnen, dass in den kommenden Wochen die Fallzahlen weiter zunehmen.“

Kontakt zum Veterinäramt im Landratsamt: 089/6221-2375 oder -2374.

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