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Autofahren im Alter

„Da ist für mich eine Grenze überschritten.“

Kein Gratis-Ticket für Senioren, wenn sie den Führerschein abgeben

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  • Andreas Sachse
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Senioren, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, sollten für drei Jahre ein Gratis-Ticket für den MVV bekommen. Dieser Antrag der SPD scheiterte allerdings.

Landkreis – Freiwillig mit dem Bus statt mit dem Auto fahren: Senioren, die auf ihren Führerschein verzichten, sollten im Gegenzug gratis den ÖPNV im Landkreis nutzen dürfen. So zumindest der Vorschlag der Kreis-SPD. Mit ihrem Antrag sind die Sozialdemokraten nun aber gescheitert. Der Verkehrsausschuss des Kreistags lehnte ihn gestern mehrheitlich ab.

„Das greift mir zu sehr in die Eigenverantwortung der Menschen ein“, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU), der den Antrag nicht nachvollziehen konnte. „Da ist für mich eine Grenze überschritten.“

In ihrem Antrag an den Kreistag hatte die SPD noch vor der Sommerpause auf die guten Erfahrungen in anderer Kommunen verwiesen, in denen Senioren mitunter seit 2001 ihre Fahrerlaubnis freiwillig abgeben können. Die vom Landratsamt eingeholten Erfahrungsberichte bestätigten das: Das seit Oktober 2015 im Kreis Ludwigsburg geltende Angebot nutzten bisher 2000 Senioren. In Ulm gaben in nur sieben Monaten 202 Senioren den Führerschein ab. Augsburg teilte mit, die hohe Nachfrage in den „Aktionsmonaten“ April und Mai von über 800 Personen nur mit Hilfe von Azubis bewältigt zu haben. Im Kreis Günzburg, wo das Angebot ab 65 Jahren gilt, sollen sich sogar jüngere Jahrgänge interessiert gezeigt haben.

Vor 20 Jahren beschloss die Stadt Dortmund, Personen, die wegen ihres Alters oder aus Krankheitsgründen auf die Fahrerlaubnis verzichten, zu belohnen: Für sie gibt es ein kostenfreies ÖPNV-Ticket für zwei Monate oder eine Jahreskarte für den Zoo. Das Angebot werde pro Jahr von etwa 70 Senioren genutzt. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Personen, die ohnehin nicht mehr selbst Auto fahren wollen. Darauf deuten Zahlen aus dem Landkreis München: Seit 2016 geben jedes Jahr zwischen 42 und 66 Menschen ab 65 Jahren den Führerschein ohne Gegenleistung ab. Weiteren acht bis zehn Personen dieser Altersgruppe wurde die Fahrerlaubnis entzogen.

In der Regel belohnen andere Kommunen den Führerschein-Verzicht ab 65 – in einigen Fällen schon ab 60 oder 63 Jahren – mit einem Jahresticket für den Nahverkehr. Im Landkreis München sollten Senioren, die den Führerschein abgeben, den ÖPNV laut Antrag für drei Jahre gratis nutzen dürfen. SPD-Sprecherin Ingrid Lenz-Aktas war überzeugt, mit dem länger gültigen Seniorenticket noch mehr Leute dazu zu bewegen, aufs Auto zu verzichten. Die SPD hoffte so, auch die Zahl der Autos im Landkreis zu verringern. „Viele Leute ab 65 Jahren würden auf den Führerschein verzichten, wollen aber mobil bleiben“, argumentierte Lenz-Aktas.

Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) hob einen weiteren positiven Aspekt des freiwilligen Verzichts hervor. Er wisse, wie schwer es etwa für Kinder sei, ihre Eltern im Seniorenalter zu überreden, ihren Führerschein abzugeben. Doch Landrat Göbel glaubte nicht, dass man die Leute, die man erreichen wolle, tatsächlich erreiche – nicht einmal mit dem Ticket-Bonbon. Sie seien schlicht nicht einsichtig.

Alle Überzeugungsarbeit der SPD half nichts. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der beiden Grünen-Kreisräte abgelehnt. CSU-Fraktionschef Stefan Schelle zeigte einen Alternativweg auf: Er kenne Familien, die ihren Omas und Opas eine MVV-Jahreskarte zu Weihnachten schenken. Die Großeltern würden dafür den Führerschein in die Schublade packen.

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