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Landwirte schlagen Alarm: Immer mehr Ackerflächen gehen verloren

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Von: Charlotte Borst

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Bei der Arbeit auf einem Acker in Ottobrunn: Das PIK-Programm ermöglicht flexiblere Lösungen und mehr Artenschutz auf den Betriebsflächen
Bei der Arbeit auf einem Acker in Ottobrunn: Das PIK-Programm ermöglicht flexiblere Lösungen und mehr Artenschutz auf den Betriebsflächen © Marc Oliver Schreib

Die Landwirte im Landkreis München schlagen Alarm. Sie warnen, dass immer mehr Felder für Ausgleichsflächen verloren gehen. Bauernverband und die Kreis-CSU fordern ein Umdenken.

Landkreis – Der Krieg in der Ukraine und die wegfallenden Getreideexporte könnten in zahlreichen Ländern der Welt Hungersnöte auslösen, befürchten Experten. Doch Bayern ist gut aufgestellt und kann den Eigenbedarf durch heimische Produktion abdecken. „Mit einem Selbstversorgungsgrad von über 100 Prozent ist die Getreideversorgung bei uns solide“, sagt Nicole Fischer, Geschäftsführerin des Bayerischen Bauernverbands.

Kreisbäuerin Sonja Dirl bestätigt diese Einschätzung: „Unseren Bedarf können wir abdecken.“ Bei Getreide, Kartoffeln, Zucker, Milch und Rindfleisch sei die Selbstversorgung gewährleistet.

Landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis um 13 Prozent geschrumpft

Allerdings warnen die Landwirte, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Flächen für die Landwirtschaft verloren gegangen sind. In Oberbayern ist die landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen 1988 und 2020 um acht Prozent geschrumpft, im Landkreis München sogar um 13 Prozent. Hier gab es 1988 noch 24 877 Hektar, bis 2020 wurden 3342 Hektar entzogen. In der Stadt München gab es einen Flächenentzug von 31 Prozent: Die 7065 Hektar im Jahr 1988 wurden bis 2020 um 2178 Hektar reduziert.

Wenn das so weitergeht, sehen die Landwirte massive Probleme auf sich zukommen. „Der Boden ist endlich“, sagt Sonja Dirl. Nicht nur für Gewerbegebiete, Solarparks, Straßen und Bauprojekte werden Flächen versiegelt. Etwa ein Drittel der verlorenen landwirtschaftlichen Flächen wird für Ausgleichsflächen benötigt, um Eingriffe durch Bauprojekte zu kompensieren, wie es das Bundesnaturschutzgesetzt vorgibt.

„Es ist schade und vermeidbar“

Beispiel Garching: Hier droht die Realisierung des Baugebiets „Schleißheimer Kanal“ zu scheitern, weil Stadt und Investor keine Ausgleichsfläche für die Feldlerche mehr finden. Den letzten möglichen Acker verpachtet die Stadt an einen Landwirt, dem sie seine Existenzgrundlage nicht entziehen will.

„Es ist schade und vermeidbar, wenn zu Baumaßnahmen, die Fläche verbrauchen, zusätzlich zu viel Fläche für den notwendigen Ausgleich verloren geht“, stellt Landwirt und CSU-Kreisrat Anton Stürzer fest: „Dieser indirekte Flächenverbrauch treibt die Knappheit umso schneller voran.“ Der Bayerische Bauernverband fordert, dass Flächen für regionale Landwirtschaft erhalten und bei den Ausgleichsmaßnahmen neue Wege beschritten werden: Mit „Produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen“ (PIK) werden Felder fortwährend ökologisch aufgewertet.

In anderen Landkreisen werde PIK schon umgesetzt

Diesen Ansatz unterstützt jetzt auch die CSU. „Der Druck durch die verschiedenen Nutzungen auf die Flächen im Landkreis München ist enorm“, sagt Stefan Schelle, CSU-Fraktionschef im Kreistag. Er bittet Landrat Christoph Göbel (CSU) in einem Brief, die Kreisgremien über das PIK zu informieren.

Maßnahmen können extensiver Getreideanbau mit größerem Abstand zwischen den Saatreihen sein oder Blühstreifen entlang der Äcker. Auch Kiebitzinseln oder Feldlerchenfenster wären möglich. Dabei wird innerhalb des Getreidefeldes die Sämaschine auf 20 bis 40 Quadratmetern angehoben, damit der Bodenbrüter eine Brache findet. Die Maßnahmen können dauerhaft auf einer Fläche durchgeführt und als Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen werden oder in einem vorgegebenen Zyklus auf unterschiedlichen Flächen rotierend umgesetzt werden.

In anderen Landkreisen werde PIK schon umgesetzt, Kreisbäuerin Sonja Dirl appelliert an Kommunen und Planer, es gemeinsam mit den Landwirten auch im Landkreis München zu etablieren. So könne man ökologisch und im Sinne der Biodiversität besonders wertvolle Bausteine in der freien Landschaft schaffen, sagt Stefan Schelle: „Man hat eine höhere Akzeptanz in der Landwirtschaft und ermöglicht in Krisensituationen auch ein flexibles Umsteuern.“

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