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Missbrauch in der Kirche: Austrittswelle im Landkreis München - „Höher als in Vergangenheit“

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Von: Max Wochinger

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Ein Mann verlässt die Kirche: Viele Gläubige wenden der katholischen Kirche nun den Rücken zu
Viele Gläubige wenden ihrer Kirche nun den Rücken zu. © Ingo Wagner/dpa

Das Missbrauch-Gutachten hat die Kirche erschüttert. Viele Bürger ziehen ihre Konsequenzen und kehren ihr den Rücken. Die Austritte sind teils dreimal so hoch.

Landkreis – Vor einer Woche wurde ein Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der Kirche publik. Seitdem treten zahlreich Bürger im Landkreis München aus der Kirche aus. Einige Gemeinden melden Rekordzahlen.

Das Gutachten zu sexueller Gewalt im Erzbistum München und Freising erschüttert Deutschland. Die Juristen, die das Gutachten geschrieben haben, werfen etwa dem emeritierten Papst Benedikt vor, in seiner Zeit als Münchner Kardinal nicht gegen Pädophile und Sexualstraftäter vorgegangen zu sein. Die Staatsanwaltschaft München I prüft derzeit 42 Fälle von mutmaßlichem Fehlverhalten der Verantwortlichen in der Kirche.

Gutachten führt nun zu Austrittswelle

Das Gutachten führt nun zu einer Austrittswelle im Landkreis München. In Unterschleißheim gingen in den Tagen nach der Veröffentlichung des Gutachtens am 20. Januar 25 Anträge auf Kirchenaustritt ein. 20 Mitglieder gehörten der katholischen Kirche an, fünf der evangelischen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Zum Vergleich: Im Januar 2021 gab es insgesamt 31 Kirchenaustritte in Unterschleißheim. Das Missbrauch-Gutachten ist offenbar ein Brandbeschleuniger.

So läuft ein Kirchenaustritt

Bürger, die die Kirche verlassen möchten, müssen dem Standesamt einen Ausweis vorlegen und eine Erklärung unterschreiben. Das ist nur persönlich möglich. Der Kirchenaustritt kostet 35 Euro. Das Standesamt schickt anschließend eine Mitteilung an das Meldeamt sowie Finanz- und Kirchensteueramt.

In Unterhaching gab es seit vergangenem Donnerstag 24 Austritte aus der katholischen Kirche, teilte die Gemeinde mit. „Im Vergleich sind es dreimal mehr Austritte als im Januar 2021 im gesamten Monat“, so eine Sprecherin. Allerdings gebe es immer wieder solche Spitzen, etwa, wenn Bürger ihre Kirchensteuerbescheide bekommen. Insgesamt gibt es in der 26 500-Einwohner-Gemeinde knapp 9000 Mitglieder der katholischen Kirche.

Die Gemeinde Haar meldete bis Montagnachmittag 13 Austritte aus der katholischen Kirchen. „Die Austrittszahlen sind höher als in der Vergangenheit“, so eine Gemeindesprecherin. In der Universitätsstadt Garching gingen bis Dienstag sieben Austrittserklärungen ein. Im gleichen Zeitraum 2021 war es nur zwei Austritte, sagte ein Sprecher.

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