Dr. Dirk Wiepcke bei einer Impfung
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Schon am Ende nächster Woche soll auch in Arztpraxen geimpft werden..

Inzidenzwert wird sich zwischen 50 und 100 einpendeln

Nach Testphase beginnen Arztpraxen mit Corona-Impfungen

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis München liegt bei 47,1, doch im Landratsamt rechnen die Experten mit einem Anstieg auf über 50. Das hat Auswirkungen auf die Lockerungen.

Landkreis – Unter 50 oder darüber: Der Sieben-Tage-Wert bei der Corona-Inzidenz ist ab Montag, 8. März, Taktgeber in der Frage, ob es „Lockerungen light“ gibt oder doch ein bisschen mehr. Auch wenn am Freitag der maßgebliche RKI-Inzidenzwert für den Landkreis München bei 47,1 lag, machte Landrat Christoph Göbel dem Einzelhandel sowie dem Sektor Außengastronomie und Kultur (dort gelten Lockerungsregeln ab dem 22. März) nur wenig Hoffnung, dass die 50er-Schwelle dauerhaft unterschritten wird. „Unsere internen Zahlen deuten darauf hin, dass der Landkreis sich im Korridor zwischen 50 und 100 einpendelt“, sagte Göbel am Freitagnachmittag in einer Video-Pressekonferenz. „Wir befinden uns in einer Seitwärtsbewegung mit steigenden Infektionszahlen.“

Anzahl Infizierter in Asylbewerberunterkünften steigt deutlich

Dies liege an der britischen Variante des Coronavirus, unter den aktuell 272 Infizierten gebe es diesbezüglich 213 Verdachtsfälle. Da macht sich nun auch in den Asylbewerberunterkünften bemerkbar: Nach nur einer Infektion vor einer Woche ist die Zahl nun auf 15 geschnellt. Ebenso sind sieben Schulen und zehn Kitas betroffen mit 24 infizierten Personen sowie 330 in Quarantäne.

Einen Lichtblick gebe es aber bei den Impfungen, sagte der Landrat. Insgesamt wurden bisher 35 161 Impfungen an 24 237 Personen geimpft, davon haben 10 924 vollständigen Schutz (Erst- und Zweitimpfung). Für diese und nächste Woche sind über 12 000 Impfdosen angekündigt (7440 von Biontech/Pfizer, 4600 von Astrazeneca und 700 von Moderna). „Nichts davon liegt auf Halde – es gibt genauso viele Impftermine wie Impfdosen.“

Impfbusse fahren zu Sammelterminen in die Kommunen

Außer in den Landkreis-Impfzentren, die nun auch Impfbusse zu lokalen Sammelterminen schicken, soll schon nächste Woche nach einer mehrtägigen Testphase mit dem Impfen in den Hausarztpraxen begonnen werden. Start ist zunächst in sechs Praxen, die an die Impfzentren gekoppelt sind – dort wird erst das Personal geschult, ab Freitag, 12. März, sind die ersehnten Impfungen in Arztpraxen geplant.

Was den Landrat stört, ist der bürokratische Aufwand bei der Online-Anmeldung über das Portal BayIMCO. Nach welchem Algorithmus die Impftermine vergeben würden, erscheine nicht schlüssig, wenn es in Unterhaching ungeimpfte 82-Jährige gebe und in Ottobrunn geimpfte 47-Jährige, die selbst überrascht waren. „Dass BayIMCO streng nach Alter vorgeht, stimmt nicht. Ich sehe in dem Datenbank-Aufwand null Mehrwert – wir haben mehr Schwierigkeiten mit der Bürokratie als mit der Pandemie“, sagte Göbel. „Jeder sollte einfach mit seinem Impfpass zum Hausarzt gehen dürfen.“

Testprogramm liefert dezentrale Erkenntnisse

Interessant findet Göbel indes den Lockerungsfahrplan ab dem 22. März, der im für den Landkreis erwarteten Inzidenzkorridor zwischen 50 und 100 einen tagesaktuellen Test für den Besuch von Außengastronomie, Theater oder Kino vorschreibt. „Dieses Testprogramm könnte eine Strategie werden“, glaubt der Landrat. Die durchschnittlichen Testkapazitäten in den 17 lokalen Testzentren lägen pro Woche bei 15 700 PCR-Tests und 3500 PoC-Antigentests. Plus Tests in Arztpraxen, Apotheken und privaten Testcentern. „Nebenbei liefern uns diese Tests einen sehr dezentralen Informationsgewinn, wir bekommen mehr Kontrolle über die Infektionsausbreitung.“

Weitere Informationen rund um die Entwicklung des Corona-Geschehens im Landkreis finden Sie in unserem Newsticker.

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