Wegen Flüchtlingskrise

110 neue Stellen im Landratsamt

Landkreis München: Nie zuvor hat das Landratsamt einen größeren Zuwachs an Arbeitsplätzen erfahren. Der Großteil der exakt 110,5 neuen Stellen ist mehr oder weniger direkt für Flüchtlinge zuständig.

Dass es allerdings auch noch Aufgaben abseits der Asylthematik gibt, hielten FW und Grüne dem Kreistag vor Augen. 84 der 110,5 neuen Stellen sind für den Asylbereich gebucht. Tatsächlich ist aber nicht nur die Stabsstelle Asyl mit Flüchtlingen befasst. Die Verantwortlichkeit greift über in das Bau- und Gesundheitsamt, die Jugendhilfe, Jobcenter und Personalabteilung. Seit Beginn der Haushaltsdebatte im November war es Otto Bußjäger wichtig, darauf hinzuweisen, „dass es auch andere Themen neben Asyl gibt“. Am Herzen lag dem stellvertretenden Landrat die Energievision. „Es gibt Bereiche, die schreien im Moment ein bisserl lauter“, sagte Bußäger: „Andere werden da leicht überhört; die schiebt man vor sich her.“

Seit der Landkreis sich von den Zielen der 2006 formulierten Energievision in der ersten Jahreshälfte als wohl unerreichbar verabschiedete, steht eine Neuorientierung auf dem Programm. Mt Hilfe externer Fachleute sucht der Kreis seine Vision auf eine „realistischere Grundlage“ zu stellen. Als hilfreich in dem Sinne empfahl Bußjäger eine Stelle für die Themen Energie und Mobilität.

Nach vorausgehender Beratung hatten sich FW, Grüne und SPD darauf verständigt, gemeinsam für insgesamt drei zusätzliche Stellen einzustehen. So unterstützte Grünensprecher Christoph Nadler auch Bußjägers Forderung nach einem Ingenieur für den Schulbau. Besonders gelegen war ihm an einer Verstärkung für Kindertagesstätten, an einer Kraft, die sich um das Wohl geringverdienender Eltern und ihrer Kinder sorgt. „Wegen Überlastung sind in der Vergangenheit Anträge auf Unterstützung liegen geblieben.“ Irgendwann war die Anmeldefrist der jeweiligen Einrichtung abgelaufen. „Und das Kind hatte keinen Platz bekommen.“ 

Überlastung ist das Thema, das Nadler auf den Nägeln brennt. Der Kreisrat aus Taufkirchen weiß von stressbedingten Krankheitsausfällen im Landratsamt, berichtete von 25 Überlastungsanzeigen. Fälle, in denen Mitarbeiter die Personalabteilung informierten, längst auf dem Zahnfleisch zu gehen. Ob der Flüchtlingsdruck verantwortlich ist für den Zustand chronischer Überlastung in Teilen des Landratsamts oder die Fülle von Aufgaben, die der Kreis mehr oder weniger freiwillig an Freistaats Stelle übernimmt: „So geht es nicht weiter“, fand Nadler.

Wenigstens diese drei Stellen sollten in den Haushalt 2016 eingearbeitet werden. Bei einem Umfang von 677 Millionen Euro würden drei neue Mitarbeiter die Kreisumlage nicht übermäßig strapazieren. Bei aller Dringlichkeit, die Nadler den geforderten Stellen beimaß, hing ein Erfolg am seidenen Faden. Allen Absprachen zum Trotz waren FW, Grüne und SPD im Kreisausschuss noch an CSU und FDP gescheitert.

Im Kreistag würde sich das Mehrheitsverhältnis umkehren, wenn da nicht der Zufall wäre, der bei Abstimmungen, die Spitz auf Knopf stehen, eine große Rolle spielt. Tatsächlich fehlten in der Sitzung Natascha Kohnen (SPD) und Oliver Seth (Grüne). „Ich habe ganz schön gezittert“, bekannte Christoph Nadler, der merklich aufatmete, als Kreisrat Seth eiligst den Saal betrat. Schlussendlich fehlten bei der Abstimmung vier Christsoziale.

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