1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis

Neues Pilotprojekt: In der Kita arbeiten – trotz Behinderung

Erstellt:

Von: Stefan Weinzierl

Kommentare

In vielen Gemeinden gibt es Bedarf für weitere Kita-Gruppen, doch schon jetzt fehlt Personal. Im südlichen Landkreis gibt es keine Zulage Ausbildungszeit wurde auf vier Jahre verkürzt
Menschen mit Behinderung sollen in Kitas eine Ausbildung machen. © Heimken/dpa

Der Verein „Zukunft trotz Handicap“ will im Herbst ein Pilotprojekt im Landkreis München starten. Menschen mit Behinderung sollen in Kitas eine Ausbildung machen.

Landkreis – Mit dem Bau eines elternfinanzierten Wohnhauses für Menschen mit einer Behinderung in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat der Verein „Zukunft trotz Handicap“ 2017 für viel Aufsehen gesorgt. Und auch das Pilotprojekt „Kleiner Wirtebrief“, bei dem Menschen mit einem Handicap fit gemacht wurden für einen Job in der Gastronomie, hat voll eingeschlagen (siehe unten). Jetzt steht der Verein mit einem neuen Ausbildungskonzept in den Startlöchern: Ab Herbst will man in Kooperation mit dem Augustinum, der Lebenshilfe Werkstatt München und dem Unternehmen „Bildungsimpulse“ eine Qualifizierung im pädagogischen Assistenzbereich anbieten. „Die Teilnehmer können am Ende die Fachkräfte bei der Organisation des Kita-Alltags unterstützen“, sagt Vereinsvorsitzende Andrea Hanisch.

Ihrer Ansicht nach gewinnen bei diesem Projekt beide Seiten: „In den Kindertagesstätten gibt es einen wahnsinnigen Fachkräftemangel. Gleichzeitig gibt es viele Behinderte, die dort gerne arbeiten würden.“ Hanisch, Dritte Bürgermeisterin und Behindertenbeauftragte in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, ist überzeugt, dass junge Leute mit einer geistigen Behinderung wie dem Down-Syndrom oder Menschen, die eine leichte autistische Störung haben, problemlos dafür geeignet sind, in Krippen oder Kindergärten mitzuhelfen.

„Sinn für das Leben stiften“

Im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahme namens „Kleiner Kita-Brief“ sollen die Teilnehmer zu pädagogischen Helfern und Helferinnen ausgebildet werden. „Sie übernehmen keine Tätigkeiten, für die eine vertiefte pädagogische Ausbildung notwendig ist, wie die Leitung einer Gruppe“, erklärt Hanisch. Stattdessen sollen sie nach dem Abschluss der Ausbildung den pädagogischen Fach- oder Ergänzungskräften unter die Arme greifen. „Sie können zum Beispiel bei der Vorbereitung von Mahlzeiten helfen, beim Aufräumen, beim Freispiel draußen mit den Kinder oder bei Ausflügen und Projekten.“ Die Kosten für die Ausbildung übernimmt Hanischs Verein. „Dass junge Menschen mit einem Handicap selbstbestimmt wohnen können ist für uns wichtig, wir wollen aber auch dazu beitragen, Sinn für das Leben zu stiften“, betont die Vorsitzende.

Die Ausbildung untergliedert sich laut Hanisch in eine Theorie- und eine Praxisphase. Der Theorieteil besteht aus elf Modulen mit regelmäßigen Reflexionstreffen. Der Praxisteil wird mindestens sechs Monate dauern und soll nach Möglichkeit in den Kindertagesstätten der Gemeinden angeboten, aus denen die Teilnehmer kommen. Die Theoriemodule sollen im künftigen Familienzentrum in der sanierten Alten Apotheke in Höhenkirchen-Siegertsbrunn stattfinden. Dabei sollen die Teilnehmer unter anderem lernen, wie eine Kindertagesstätte als Einrichtung funktioniert, welche Bedürfnisse Kinder haben und wie man mit ihnen interagier.

Ausbildung soll im Herbst starten

Wie Hanisch ausführt, werden die Teilnehmer auch zwei niederschwellige Prüfungen machen, damit sie unter anderem für den potenziellen späteren Arbeitgeber belegen können, was sie während der Ausbildung gelernt haben. Nach erfolgreichem Abschluss werden die Teilnehmer zudem mit einem Zertifikat „belohnt“. Schließlich hofft Hanisch, dass die Teilnehmer am Ende tatsächlich Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt erhalten. „Das ist das Ziel“, betont Hanisch.

Starten soll die Ausbildung heuer im September. Wer Interesse am „Kleinen Kita-Brief“ hat, kann sich bis spätestens Sonntag, 15. Mai, bei Andrea Hanisch melden – per E-Mail an andreahanisch@t-online.de.

„Kleiner Wirtebrief“ ein voller Erfolg

Im Februar 2020 hat der Verein „Zukunft trotz Handicap“ einen Gastronomie-Lehrgang für junge Menschen mit Handicap gestartet. In Zusammenarbeit mit dem Augustinum, der Lebenshilfe sowie dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern und der Berufsschule München wurden die Teilnehmer für die Arbeit in der Gastronomie geschult. So lernten die jungen Leute unter anderem, wie man einen Gasttisch eindeckt, wie man Speisen und Getränke serviert und einfache Gerichte zubereitet. Aber auch Beschwerdemanagement und das Kommunizieren mit dem Gast standen auf dem Stundenplan.

Zum Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme erhielten alle zehn Teilnehmer ein Zertifikat namens „Kleiner Wirtebrief“, das ihnen im Herbst vergangenen Jahres von Dehoga-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer aus Aying sowie der damaligen Arbeits- und Sozialministerin Carolina Trautner überreicht wurde. „Alle Teilnehmer haben auch eine Anstellung gefunden“, betont Andrea Hanisch, Vorsitzende des Vereins „Zukunft trotz Handicap. „Das fanden wir sensationell.“ Angesichts dieses Erfolgs plant der Verein, mit dem „Kleinen Wirtebrief“ in eine zweite Runde zu gehen. „Da sind wir in Planung“, so Hanisch.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis München finden Sie hier.

Auch interessant

Kommentare