ÖPNV: Fahrgastzahlen im Landkreis eingebrochen 

  • vonAndreas Sachse
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Die Zahl der Fahrgäste ist in den vergangenen Monaten, freilich auch wegen Corona, eingebrochen. Der Landkreis und die MVV wollen die Kunden nun wieder anlocken - unter anderem mit Expressbussen.

Landkreis – Mit einem Bündel neuer Maßnahmen gehen MVV und Landkreis in die Offensive. Der Nahverkehrsplan gilt insbesondere dem Kreis als Investition in gute Beziehungen zum MVV-Kunden. Die Fahrgastzahlen sind zuletzt gesunken. Der Grund ist vermutlich aber die Corona-Pandemie.

Nachdem der 2013 erstmals aufgelegte Nahverkehrsplan und das damit einhergehende, verbesserte Leistungsangebot die Nachfrage nach Bus, Tram & Co spürbar erhöhte, wandten sich MVV-Kunden in den zurückliegenden Monaten in großer Zahl wieder dem Auto zu. SPD-Unterbezirkschef Florian Schardt beklagt einen „Vertrauensverlust“ und fordert das Landratsamt auf, gegenzusteuern.

Expressbusse zentraler Bestandteil der ÖPNV-Zukunft

Der Kreistag folgte Schardts Empfehlung, dem Übel auf den Grund zu gehen. Nach dem Vorbild der Stadt Dresden soll die Technische Universität in Garching nach Wegen suchen, MVV-Kunden zurückzugewinnen. Denn bis zu Beginn der Corona-Pandemie waren Fahrgastzahlen in den zurückliegenden sieben Jahren werktags um 37 Prozent gestiegen, samstags um 67 Prozent; an Sonntagen sogar um 102 Prozent.

Um die Zahlen wieder hochzutreiben, setzen Kreis und MVV auf Expressbusse. Sie sind zentraler Bestandteil des fortgeschriebenen und vom Kreistag einstimmig verabschiedeten Nahverkehrsplan. Auf 16 Linien sollen sie im 20-Minutentakt Stationen unterschiedlicher S-Bahnlinien miteinander verbinden.

Die neuen Express-Linien sind durch ein vielschichtiges Maßnahmenpaket umrahmt. Spezielle Fahrspuren sollen Expressbusse beschleunigen. Der neue Nahverkehrsplan sieht zudem vor, bestehende Buslinien auszubauen, den Takt zu verdichten. Nacht- und Freizeitbusse sind in Planung. Alternative Antriebe sollen in den nächsten zehn Jahren verdoppelt werden. Ausdrücklich erwähnt ist auch die Magnetschwebebahntechnik eines in der Oberpfalz ansässigen Unternehmens. Die dort entwickelte Antriebstechnik gilt weltweit als führend.

Nahverkehrsplan einer „längst überfällige Verbesserung auf lokaler Ebene“

Im Einzelnen bezieht sich der Nahverkehrsplan auf die Busverbindung zwischen Straßlach und Oberhaching. Abhängig von der Entwicklung der Schülerzahlen ist vorgesehen, bisherige Rufbusse als feste Linien zu etablieren. Die Buslinien 215 und 218 in Unterschleißheim sollen zusammengelegt werden. Grundsätzlich spricht sich der Plan für einen Ausbau des Schienenverkehrs aus.

Von den Fraktionen erhielt der Nahverkehrsplan durchweg gute Noten. Grünen-Sprecher Christoph Nadler sieht in der 327 Seiten starken Fortschreibung eine „längst überfällige Verbesserung auf lokaler Ebene“ und warnt davor, der Versuchung anheim zu fallen, die Corona-Krise als Grund für Einsparungen zu akzeptieren. Der gestiegene Bedarf im Landkreis an Nahverkehrsmitteln und Zwänge des Klimaschutzes verlangen seiner Ansicht nach ein zügige Umsetzung der Maßnahmen. „Und zwar jetzt! Wir sollten nicht länger warten“, sagte Nadler. CSU-Fraktionssprecher Stefan Schelle begrüßt an dem Plan vor allem die neuen Antriebe, wie dem Wasserstoff. In dem Zusammenhang rief Jolanta Wrobel (ÖDP) dazu auf, Vertriebswege und Lieferketten bei Zulieferern von Batterien zu prüfen. „Wir sollten in Erfahrung bringen, welche Rohstoffe in welchen Ländern verwandt werden.“

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