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Die traditionelle Prozession am Palmsonntag fällt dieses Jahr in Aying aus. 

Auftakt der Karwoche

Palmsonntag ohne Prozession

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Zum ersten Mal werden zum Beginn der Karwoche die Kirchen und Straßen leer bleiben. In manchen Gemeinden werden die Palmbuschen aber noch geweiht.

Landkreis – Die aufwendig geflochtenen Zweige aus Weidenkätzchen sind mit bunten Bändern und Krepppapier an einem dicken Ast befestigt und zu einem großen Palmzweig zusammen gebunden. Jung und Alt tragen sie vor ihrer Brust durch das Dorf. Nachdem die kunstvollen Buchsbaumbüschel und die Gläubigen in ihrer Festtagstracht am Springerkreuz vom Pfarrer gesegnet worden sind, setzt sich die Prozession im Takt der Musikkapelle bis zur Kirche St. Andreas fort. Es ist eine Szene, wie sie sich jedes Jahr am Palmsonntag in Aying abspielt, wo der Feiertag Tradition hat. Doch heuer muss der Auftakt in die Karwoche ohne Festlichkeiten stattfinden. Der Grund: das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen.

Rundmail vom Generaldekan

„Wir haben eine Rundmail vom Generaldekan erhalten“, sagt Christine Stauß, Gemeindereferentin des Pfarrverbandes Aying/Helfendorf. „Es dürfen in der gesamten Karwoche keine öffentlichen Gottesdienste gehalten werden.“ Das bedeutet, dass auch die beiden Palmsonntagsprozessionen der Gemeinde und die Segnungen ausfallen. Bei gutem Wetter kämen Jahr für Jahr an die 400 Bürger, um gemeinsam Palmsonntag zu feiern. Doch die Kirchengemeinde hat vorgesorgt. „Für Gläubige liegen in der Kirche Zettel für Hausgottesdienste aus“, sagt Stauß. Auch auf der Homepage des Pfarrverbands können die Unterlagen für die Messe heruntergeladen werden. „Außerdem verweisen wir auf die Predigt von Kardinal Marx“, ergänzt die Gemeindereferentin.

Der Katholische Pfarrverband Ismaning/Unterföhring handhabt die Situation ähnlich. „Ich feiere den Gottesdienst am Palmsonntag um neun Uhr in meiner Wohnung im Pfarrhaus“, sagt Pfarrer Markus Brunner. Währendessen können die Ismaninger von zuhause aus mitmachen. „Die Kirchenglocken läuten zur Wandlung und Kommunion“, sagt Brunner. Die Unterlagen sind, wie in Aying, auf der Homepage zu finden. Nach der Predigt im Pfarrhaus segnet Brunner die Palmbuschen. Danach werden diese in großem Abstand in der Kirche aufgereiht.

In Ismaning werden die Palmbuschen von zuhause aus gebunden

Schon Tage vor dem Beginn der Karwoche nahmen die Katholischen Frauen Ismaning Palmbuschen-Bestellungen auf. Normalerweise binden an die 30 Mitglieder gemeinsam die traditionellen Buchsbaumbüschel. „Dieses Jahr machen das sechs bis acht Frauen von zu Hause aus“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Annelise Landmann. „Wir haben also mit niemandem Kontakt.“ Nach der Segnung können diejenigen, die einen Palmbuschen bestellt haben, diesen in der Kirche abholen. Natürlich nur mit Mindestabstand und einer Höchstanzahl an Personen im Gotteshaus. „Wir haben an die Kirchentüre einen Hinweise gehängt“, sagt Pfarrer Brunner.

Auch in Garching muss dieses Jahr die große Prozession durch die Stadt abgesagt werden. „Normalerweise binden wir am Samstag im Feuerwehrhaus die Palmbuschen“, sagt Johann Kastenmüller, der Vorsitzende des Heimatvereins. Am Palmsonntag seien etwa 30 Kinder und 20 Erwachsene vom Heimatverein mit anderen Gläubigen und den selbst gemachten Buschen in der Hand für die Segnung zur Kirche St. Severin gelaufen. Die Prozession fällt kommenden Sonntag zwar aus, trotzdem verkaufen Kastenmüller und seine Familie Weidenkätzchenzweige für die Mitglieder des Heimatvereins vor dem Hof der Familie. „Es wäre schade, wenn wir sie wegschmeißen müssten“, sagt der Vorsitzende.

keine Gottesdienste am Palmsonntag

Laut der Pressestelle des Erzbistums München und Freising sind bis auf Weiteres keine öffentlichen Gottesdienste möglich, auch nicht am Palmsonntag. Auf der Website des Bistums können Gläubige Vorlagen für Hausgottesdienste herunterladen. „Die beinhalten auch Elemente zur Segnung von Palmbuschen“, versichert Pressesprecherin Karin Basso-Ricci. In den einzelnen Pfarreien bestehe außerdem die Möglichkeit einen Segen abzuhalten, solange dabei nicht den staatlichen Vorgaben widersprochen werde.

Für Ismanings Pfarrer Markus Brunner ist es das erste Mal, dass er alleine die Messe feiert. „Das habe ich auch noch nicht gemacht“, sagt er. Die Gemeinschaft fehle, „aber das ist zurzeit einfach nötig.“ 

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