Aus Ankerzentren verlegt

Landkreis rechnet mit neuen Flüchtlingen - Wohnungen dringend gesucht

Der Landkreis rechnet mit Ankunft von neuen Flüchtlingen. Die Regierung von Oberbayern könnte dem Kreis bald wieder Asylbewerber zuweisen. Doch es fehlt an Unterkünften.

Landkreis – Vor etwas mehr als drei Jahren verschwanden die Traglufthallen für Asylbewerber aus dem Landkreis München, die Bewohner kamen in feste Unterkünfte. Das Landratsamt rechnet nun mit einer neuerlichen Zunahme von Schutzsuchenden. Das geht aus einem aktuellen Sachstandsbericht zur Unterbringung von Geflüchteten im Landkreis hervor. Die Flüchtlinge könnten also bald wieder von der Regierung von Oberbayern zugewiesen werden. Sie sollen aus den Ankerzentren in den Landkreis verlegt werden.

Traglufthallen, das versichert Landratsamt-Sprecherin Christine Spiegel, seien in Zukunft ganz sicher nicht nötig, ein solcher Andrang wie vor ein paar Jahren stehe nicht bevor. Allerdings sieht man sich in der Behörde vor der Herausforderung stehen, eine schnelle und unkomplizierte Unterkunft für die Ankommenden zu finden. Schwierig, angesichts des Drucks in den dicht besiedelten Räumen wie Neubiberg, Ottobrunn und Unterhaching und einer daraus resultierenden Wohnungsknappheit, wie Landrat Christoph Göbel (CSU) im Kreisausschuss deutlich machte. Die Botschaft lautet: Objekte und Grundstücke zur Bebauung werden dringend gesucht. Man will weiter am Verteilschlüssel festhalten, der sich auf die Bevölkerungszahlen in den Kommunen bezieht.

Wohnungssuche in den Städten und Gemeinden läuft auf Hochtouren

Seit einiger Zeit hält sich die Zahl der Asylsuchenden und der anerkannten Asylbewerber im Landkreis die Waage und liegt auf einem stabilen Niveau von knapp 3000 Personen, wobei rund 600 bereits seit über drei Jahren anerkannt sind. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werden sie von der Regierung von Oberbayern nicht mehr angerechnet, weshalb die Wohnungssuche in den Städten und Gemeinden im Landkreis auf Hochtouren läuft.

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Der Erfolg, heißt es im Sachstandsbericht, ist gering. Die Problematik ist der Staatsregierung natürlich nicht unbekannt, weshalb es eine Absprache gibt: Demnach werden auch anerkannte Asylbewerber eine Zeit lang zum Erfüllungskontingent des Landkreises dazu gerechnet. Insgesamt werden von der Behörde rund 2700 Personen angerechnet. Christine Spiegel: „Da wir allerdings schon sehr früh Platz für Unterkünfte geschaffen haben, werden jetzt immer mehr sogenannte Fehlbeleger nicht auf unsere Quote angerechnet.“ Momentan sind das 606 anerkannte Flüchtlinge, aber in jedem Jahr kommen neue hinzu. Im Laufe dieses Jahres sollen es etwa 800 sein.

Knapp 30 Prozent der Asylbewerber stammt aus Afghanistan

Der größte Teil der Migranten stammt aktuell mit knapp 30 Prozent aus Afghanistan, es folgen prozentual Nigeria, Syrien, Eritrea, Pakistan, Somalia, der Irak und Senegal. Die Gemeinden sind aktuell zu 77 Prozent belegt. Das klingt so, als wäre noch Luft nach oben. Laut dem Bericht aber ist es nicht möglich, alle freien Plätze einer Unterkunft zu belegen. Ab 80 Prozent ist Schluss.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind knapp 200 „freie“ Plätze durch Familien gebunden: In die Zimmer können keine weiteren Bewohner. Außerdem können Räume bisweilen nicht genutzt werden, weil eine Sanierung nötig ist. Andere müsse der Landkreis im Falle von Evakuierungen freihalten, und es müssen im Einzelfall Zimmer für gesundheitliche Notfälle genutzt werden.

„Für die Anerkannten finden wir einfach nichts“

Die Vorsitzende des Grünwalder Helferkreises, Ingrid Reinhart, erklärt die Situation aus ihrer Perspektive: „Wir sind nicht auf der Suche nach Wohnungen für Leute, die gerade am Anfang des Asylverfahrens stehen.“ Für diese Fälle seien genug vorhanden. „Aber für die Anerkannten finden wir auf dem normalen Wohnungsmarkt einfach nichts.“ Sie müssen daher weiterhin in Unterkünften des Landratsamtes bleiben. Es sind Familien mit Kindern, die auf dem „wahnsinnig engen Markt nichts, und in Grünwald schon dreimal nichts finden“. Deshalb müssten die Kommunen weiter Wohnungen bauen, die günstig an die Zielgruppe vermieten werden.

Die Asylbewerber sind laut Reinhart alle bei der Gemeinde als wohnungssuchend gemeldet und bekommen zum Teil auch welche zur Ansicht angeboten. „Aber meistens kriegt es doch jemand anderes, weil Wohnungslosigkeit droht.“ Die anerkannten Flüchtlinge kämen nicht zum Zuge, weil vorher immer noch welche da seien, die sich in einer noch prekäreren Situation befinden. In Grünwald hat der Helferkreis etwas über 60 Flüchtlinge zu betreuen, die alle schon lange in der Gemeinde leben. Der Aufwand ist laut Reinhart nicht mehr sehr groß.

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