Bis zu 379 Millionen Euro würde eine Trasse für die Magnetschwebebahn kosten.
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Bis zu 379 Millionen Euro würde eine Trasse für die Magnetschwebebahn kosten.

Scharfe Kritik von Kreisräten

Nach Transrapid: Magnetschwebebahnen für München vorgestellt - Innovation oder „Schrott“?

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Edmund Stoiber machte die Idee mit seinem Transrapid berühmt, nun liegt ein Gutachten für eine Magnetbahn vor. Das Vorhaben gefällt aber nicht allen Kreisräten.

Landkreis – Rund 20 Jahre ist es her, dass der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber eine Magnetschwebebahn für die Fahrt zum Münchner Flughafen forderte. Unvergessen bleibt seine Rede auf dem Neujahresempfang der CSU, weil er sich dabei mehrfach verhaspelte. Aus seinem Transrapid wurde bekanntlich nichts. Nun könnte Stoibers Herz noch einmal höherschlagen:

Der Landkreis München hat mit Gesellschaftern des MVV mehrere Trassen für die Magnetbahn des Oberpfälzer Bauunternehmens Max Bögl testen lassen. Das Ergebnis: Vier Trassen könnten infrage kommen. Für endgültige Überlegungen braucht es aber nach Ansicht der Experten und Landrat Christoph Göbel (CSU) weitere Untersuchungen.

Wegen des Gutachtens über mögliche Trassen für das „Transport System Bögl“, kurz TSB, gab es in der jüngsten Sitzung des Mobilitätsausschuss aber mächtig Ärger.

Nächster Halt „Brunnthal Nord“: Eine mögliche Trasse führt von Neuperlach-Süd nach Taufkirchen.

Der Ausschuss hatte sich im September 2018 für eine Untersuchung entschieden. Die Studie führte das Schweizer Ingenieurbüro EBP durch. Getestet haben die Experten insgesamt 14 Verbindungen: etwa von Garching-Hochbrück nach Unterschleißheim oder von Unterschleißheim über Unterföhring nach Haar. Am besten schnitten allerdings drei Verbindungen im südöstlichen Landkreis ab: Sie führen über verschiedene Trassen von Neuperlach-Süd nach Taufkirchen. Bei den zwei untersuchten, oberirdischen Varianten überwiegt laut der Studie der Nutzen die anfänglichen Investitionskosten und laufenden Unterhaltungskosten.

Das Nutzen-Kosten-Verhältnis ist demnach größer als 1. Dieser Wert ist nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz erforderlich, damit Bund und Freistaat Investitionskosten fördern. Diese betragen für eine der drei Magnetbahn-Trassen bis zu 379 Millionen Euro.

Das TSB könnte einen großen Anteil an Autofahrern zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr verleiten, so das Fazit des Ingenieurbüros. Für ein endgültiges Urteil bedürfe es aber weiterer Untersuchungen. Vor allem, um das TSB mit klassischen Transportsystemen wie Tram und U-Bahn vergleichen zu können. Denn die Pläne, etwa für eine mögliche Erweiterung der U5 über Neuperlach-Süd bis zum Luft- und Raumfahrtzentrum auf dem Ludwig Bölkow Campus in Taufkirchen, sind bereits konkreter.

Auch eine Kombination verschiedener Verkehrssysteme könnte laut der Ingenieure sinnvoll sein, dafür brauche es aber belastbare Daten. Die Entscheidung über die weitere Untersuchung führte im Ausschuss aber zu einer Diskussion.

Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) gab dem ganzen Projekt eine klare Abfuhr: „Es ist Schrott.“ Die Trassen seien in der Realität nicht möglich, etwa, weil eine der drei Verbindungen untertunnelt werden müsse. Ein Tunnel sei bereits für eine mögliche U-Bahn-Erweiterung abgelehnt worden, sagte Loderer. Die vorgestellten Zahlen hätten mit der Realität nichts zu tun. „Hier wird eine Vision zerstört. Nämlich die Vision einer U-Bahn.“

SPD-Fraktionschef:„Dafür sollten wir jetzt die Tür zumachen“

In die gleiche Kerbe schlug Florian Schardt (SPD). In der Untersuchung seien grobe Fehler gemacht worden. Er will sich lieber auf eine Erweiterung der U5 konzentrieren. Die Untersuchung für eine Magnetbahn löse Diskussionen über eine mögliche Option aus, die keine ist. „Dafür sollten wir jetzt die Tür zumachen“, forderte Schardt.

Günter Heyland (Freie Wähler) wiederum hielt die vorliegenden Ergebnisse für vielversprechend. Auf Basis des Gutachtens solle eine weitere Untersuchung aufgebaut werden. Der Meinung war auch Landrat Göbel: „Es sollte keine Untersuchung im Raum stehen gelassen werden.“ Er kenne noch viel zu wenige Fakten, als dass er eine Diskussion über eine Magnetbahn führen könne, sagte Göbel. Wenn die Tür zu sei, gebe es „erst recht“ Diskussionen, entgegnete er sichtlich irritiert Schardts Absage an die Magnetbahn.

Im Mobilitätsausschuss einigten sich die Kreisräte darauf, zunächst Angebote für eine weitere Magnetbahn-Untersuchung einzuholen. Dann soll einmal mehr über den Schicksalszug der Münchner entschieden werden: die Magnetschwebebahn. Nicht nur Edmund Stoiber wird die Entwicklungen interessiert verfolgen.

Am Mittwoch gab es im Landkreis München und in ganz Bayern erneut einen Blitzmarathon. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) war in Haar dabei: „Wir wollen nicht abkassieren, sondern sensibilisieren“, sagte er. Weitere Nachrichten aus dem Landkreis München finden Sie hier.

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