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Lernen nur zuhause: Schüler wie Lehrer mussten sich in den letzten Wochen umstellen.

Alle müssen an einem Strang ziehen

Schule auf ganz neuen Wegen: So klappt‘s mit dem Lernen daheim

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Mit der Corona-Krise kamen neue Herausforderungen für Schulen: Die Schüler daheim weiter am Lernen zu halten. Das klappt unterschiedlich gut. Wir haben uns im Landkreis umgehört.

Landkreis – Das Lesetagebuch für Deutsch hat Valentina (11) schon letzte Woche fertiggemacht. Jetzt noch die verbliebenen Aufgaben vom Wochenplan Mathematik und die letzte Stunde Englisch – wofür der Englischlehrer ein selbst gedrehtes Video auf Youtube hochgeladen hat. Und dann: Ferien. Obwohl das Gymnasium Oberhaching seit drei Wochen geschlossen ist, hatte die Sechstklässlerin doch einiges zu tun und freut sich auf die freie Zeit. Mindestens genauso jedoch dürften sich die Lehrer freuen.

Innerhalb kürzester Zeit mussten sich die Schulen wegen der Corona-Krise einer ganz neuen Herausforderung stellen: Die Schüler weiter am Lernen zu halten, ohne dass diese im Klassenzimmer sitzen. Vorbereiten konnte man sich auf die neue Situation nicht. „Wegen eines Corona-Falls an der Schule mussten wir schon ab 9. März schließen“, sagt Mathias Müller, Schulleiter am Gymnasium Oberhaching. „Und mir war schnell klar, dass das länger dauern wird.“ Gleich am 9. März habe man im Kollegium begonnen zu klären, auf welchen Wegen man die Schüler nun erreichen könne. Zwar gab es bereits vorher ein Elternportal, welches der Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern diente, doch keinen direkten digitalen Weg zu den Schülern. „Unser IT-Komepetenzteam machte sich gleich daran zu prüfen, welche Plattformen man dafür nutzen könnte.“ Zum Glück habe man schon im November begonnen, Alternativen zu WhatsApp und Co. zu prüfen.

Basisinformationen liefen weiterhin über das Elternportal und die Homepage der Schule. Die Lehrkräfte der jeweiligen Klassen sprachen sich ab, verschickten gebündelt ihre Informationen, anfangs vor allem über E-Mails. „Es gab da aber nicht den einen Weg“, sagt Müller.

Problem Datenschutz

Schwierig wurde es, als das digitale Lernportal Mebis des Bayerischen Bildungsministeriums ausfiel. Schnell mussten Alternativen her. Und so manche Eltern fragten bei Müller ungeduldig an, warum man nicht diese oder jene Plattform nutze. „Da kamen sogar einzelne sehr massive Vorwürfe“, sagt Müller. Auch in den sozialen Medien wurde kontrovers darüber diskutiert. Während sich die einen recht zufrieden äußerten über die Betreuung seitens der Lehrer, regten sich andere über verpasste Chancen auf. Das Problem: „Viele Angebote sind aus Datenschutzgründen nicht verwendbar“, sagt Müller. „Da setze ich mich nicht über Gesetze hinweg.“

Bis heute warte man noch auf Standards vom Kultusministerium. Vieles habe man aber in der kurzen Zeit bereits geschafft, sagt Müller, „das ist auch für die Zukunft ein Gewinn.“ Was den Lernstoff angeht, habe er an die Lehrer die Devise ausgeben: fürsorglicher pädagogischer Umgang. Heißt, das Gelernte sichern und wiederholen, „aber behutsam mit den Schülern in dieser schwierigen Zeit umgehen“.

„In diesen Zeiten merken wir, wie bedeutsam der Präsenz-unterricht ist“

So verfährt man auch am Gymnasium Ottobrunn. „In diesen Zeiten merken wir, wie bedeutsam der Präsenz-unterricht ist und wie zentral soziale Kontakte sind“, sagt Schulleiter Achim Lebert. Das Gymnasium gilt im Landkreis jeher als Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Dennoch: „Ein Fernunterricht war dabei aber nie das Ziel“, so Lebert. Es gehe immer darum, mit digitalen Mitteln den Präsenzunterricht zu unterstützen. Auch in Ottobrunn musste man erst herausfinden, welche Kommunikationsplattformen praktikabel und datenschutzkonform sind.

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Ein Vorteil der Schule: Im Gegensatz zu vielen anderen Gymnasien verfügen hier ab der 8. Klasse alle Schüler über Notebooks, die sie auch sonst im Unterricht benutzen. Regelmäßig wurden sie jetzt schon für Videokonferenzen genutzt – „da sehen sich die Schüler wieder, das ist ganz wichtig“, so Lebert. Dennoch sei es schwierig, immer alle zu erreichen. „Viele können sich gut organisieren, schaffen das, andere tauchen auch mal ab“, weiß Lebert. Es sei wichtig, in dieser Zeit bestimmte Schüler nicht zu verlieren. Da seien die Lehrer sehr gefordert. „Alle haben mehr gearbeitet als sonst“, so Lebert. Insofern seien alle froh über die Ferien. „Was da Menschen in kürzester Zeit geleistet haben, ist enorm.“

Wichtig: „Kein Druck.“

Das findet auch Nikola Kurpas, Leiterin der Mittelschule Taufkirchen. „Das ganze Kollegium arbeitet hoch motiviert.“ Weil nur sehr wenige Schüler zuhause permanenten Zugang zu einem Computer hätten, läuft hier vieles telefonisch und – über Handy, denn „ein Handy hat jeder der Schüler“, so Kurpas. Zum Teil waren schnelle, kreative Lösungen gefragt. So wurden zum Beispiel Lernvideos verschickt und Arbeitsblätter. Ihre Lösungen wiederum fotografierten die Schüler und schickten sie zurück. Einige Unterlagen wie etwa die Prüfungstrainer für die Abschlussklassen verschickte die Schule per Post.

Das Wichtigste laut Kurpas: „Kein Druck.“ Das habe auch das Kultusministerium per Schreiben deutlich gemacht. Man solle unterstützen, für die Schüler da sein, aber keinen Druck machen. „Und auch die Eltern sollen nicht Lehrerersatz in dieser Zeit spielen“, sagt Kurpas. Neuer Stoff wurde nicht gepaukt. „Vor allem, weil man nie alle Schüler erreicht.“ Kurpas und ihrem Kollegium ist es vor allem wichtig, dass die Schüler in dieser Zeit gut zurecht kommen. Gerade, wenn es vorher schon Probleme in der Familie gab, klingle man lieber einmal öfter durch. „Ich hoffe sehr, dass bald wieder normale Schule stattfinden kann“, sagt die Schulleiterin – ein Wunsch, mit dem sie nicht allein dasteht.

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