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Tiefer, breiter, lauter: Das sind die Tricks der Tuner

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Von: Sebastian Schuch

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Da laust einen der Affe: Der Besitzer dieses Saabs bei der Schrottrallye in Taufkirchen 2018 hatte nicht nur einen Plüsch-Affen auf dem Dach, sondern die Front noch mit einem Rammschutz ausgerüstet. Die Konstruktion hatte weder Zulassung noch TÜV. © Verkehrspolizei

Beim Auto-Tuning sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Das Problem: Viele Modifikationen sind illegal. Ein Polizist berichtet über die Tricks der Tuner.

Landkreis – Sie röhren über die Straße, die Karosserie liegt fast auf dem Asphalt auf, und Lichter strahlen in den verschiedensten Farben und Formen: Beim Auto-Tuning sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Das Problem: Viele Modifikationen sind illegal. Jüngstes Beispiel: Die schwarze Folie über den Bremslichtern eines Münchners, der der Polizei in Grünwald aufgefallen ist. Die Berichterstattung schlug im Internet hohe Wellen, deshalb hat der Münchner Merkur bei der Verkehrspolizei München nachgefragt: Was ist erlaubt? Wo liegt die Grenze? Und wie viele Fälle gibt es eigentlich im Landkreis?

Fragen, die Polizeioberkommissar Michael Eichner (28) von der Verkehrsüberwachung beantwortet. „Erlaubt ist alles, was von einem amtlich anerkannten Sachverständigen begutachtet und freigegeben wurde oder wofür eine allgemeine Betriebserlaubnis vorliegt“, erklärt er. Doch auch hier wüssten sich gewiefte Tuner zu helfen. Sie ließen etwa breitere Reifen mit dem Standard-Fahrwerk eintragen und anschließend ein getuntes Fahrwerk mit den normalen Reifen. Beides ist an sich kein Problem, nur wenn auf das getunte Fahrwerk die breiten Reifen aufgezogen werden, ist das nicht mehr legal. Und das kann Folgen haben. „Wenn die Reifen an den Radhäusern schleifen, können sie sich erhitzen und platzen“, erklärt Eichner, „dann will man nicht auf der Autobahn sein.“

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Ungewöhnlich, aber verboten: Stacheln hat sich dieser Autobesitzer an seine Felgen gebaut. © Verkehrspolizei

Ein großes Problem sind die Tuner im Landkreis allerdings nicht. 56 Mal entzog die Polizei einem aufgemotzten Fahrzeug im vergangenen Jahr die Betriebserlaubnis, sagt Eichner. Der Polizist betont, dass er und seine Kollegen nichts gegen Tuner hätten – solange sie sich an den gesetzlichen Rahmen halten. Das tun aber nicht alle.

Ähnlich wie der Münchner mit frisierten Bremslichtern, wollte ein Lkw-Fahrer seinem Sattelzug die entsprechende Optik verpassen. Vorne hatte er 13 „Fantasieleuchten ohne jeden Zweck“ angebracht, wie es im offiziellen Bericht heißt, noch mal 13 Lichter an den Seiten und hinten sechs statt der erlaubten vier Blinker. Und die Umrissleuchten, die eigentlich außen angebracht sind, hatte der Lkw-Fahrer kurzerhand mittig über der Windschutzscheibe platziert. Ein kunterbunter Lkw also, der aber keine Gefahr für die Straße darstellte. Deshalb musste der Fahrer nur 75 Euro Bußgeld zahlen.

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Deutlich tiefer in die Tasche greifen musste da ein Audi-Fahrer beim letztjährigen Tunertreffen in Aschheim. Er hatte seinem – eh schon lauten – RS6 zusätzlich einen Sportauspuff mit Klappensteuerung verpasst. Der Auspuff lässt den Audi so richtig röhren. „Diese Modifikation macht in der Regel bei der entsprechenden Prüfdrehzahl für die Lautstärkemessung zu“, erklärt Eichner. Deshalb könne das Auto bei einer anderen Drehzahl schon mal doppelt so laut sein, wie eigentlich vorgeschrieben. Dazu kam noch ein nicht genehmigter Umbau der Reifen. Macht 350 Euro Strafe.

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Da laust einen der Affe: Der Besitzer dieses Saabs bei der Schrottrallye in Taufkirchen 2018 hatte nicht nur einen Plüsch-Affen auf dem Dach, sondern die Front noch mit einem Rammschutz ausgerüstet. Die Konstruktion hatte weder Zulassung noch TÜV. © Verkehrspolizei

Gerade der Lärm ist im Landkreis ein Thema. An der A 8 und der A 995 ringen Unterhaching, Taufkirchen und Oberhaching seit Jahren nach einer Lösung, in Unterföhring an der M 3 gibt es auch immer wieder Beschwerden über stark beschleunigende Fahrer. Doch der Polizei sind oft die Hände gebunden. „Die Prüfung ist relativ realitätsfern“, sagt Eichner. Ein Euro-3-Fahrzeug darf beispielsweise bei der Messgeschwindigkeit im zweiten oder dritten Gang nicht mehr als 80 Dezibel laut sein. Bei Euro-4-Fahrzeugen sei das Verfahren komplizierter, sagt Eichner, dadurch seien sie außerhalb der Messsituation meistens lauter als die vorgeschriebenen 77 Dezibel. „Unter normalen Umständen sind die Fahrgeräusche manchmal jenseits von Gut und Böse“, sagt Eichner. So konterkarierten die Vorschriften die Lärmschutzbemühungen.

Neben zu knappen Abständen der Reifen, „Fantasielichtern“ und zu lauten Autos gibt es allerhand weitere Gründe, dass die Betriebserlaubnis eines Fahrzeugs erlischt. Eine Folie mitten auf der Windschutzscheibe ist ebenso verboten wie Stacheln an den Felgen. Oder Motorräder, an denen nur noch der Rahmen gültigen Regeln entspricht. Das alles hat Michael Eichner schon gesehen. Eine mutwillige Verletzung der Verkehrssicherheit will der Polizeioberkommissar den Tunern nicht vorwerfen: „Die meisten wissen, was sie dürfen oder auch nicht.“

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