Husky „Buddy“ ist eine der Attraktionen auf dem „Dammerbauer“-Hof von Simone Heitmeir. Ganz im Süden des Landkreises bietet sie Ferien auf dem Bauernhof – und hofft, dass die Deutschen heuer im Inland Urlaub machen.

„Ich würde mich aber wahnsinnig freuen, wenn sie kommen“

Urlaub in Geranien: So bereiten sich Hoteliers auf die ersten Gäste vor

  • schließen

Die Tourismusbranche hat die Coronakrise besonders hart erwischt. Nun sind Lockerungen greifbar nah – und die Gastgeber im Landkreis München hoffen auf die Sommerurlauber, die heuer im Land bleiben. 

Straßlach-Dingharting/Oberschleißheim – Ihre Balkonblumen hat Simone Heitmeir schon im Anschlag. Jetzt, da sich die Eisheiligen endlich verdrückt haben, darf der Ferienhof „Zum Dammerbauer“ endlich aufblühen wie eine Kulisse aus den Rosenheim-Cops. In Holzhausen, einem der südlichsten Zipfel des Landkreises München, bietet die 41-jährige Hofchefin ein Urlaubsidyll, für das ihre Gäste in normalen Zeiten quer durch die Republik fahren: mit geranienbehangenem Geländer, Hühnern, Kaninchen, Kräuterwanderungen – und dem Hof-Husky „Buddy“, der mit unwiderstehlicher Anhänglichkeit und stahlblauen Augen jedem Urlaubsgast Streicheleinheiten abringt, der nicht bei Drei auf dem Zimmer ist.

Zurzeit aber bleiben die meisten Gästebetten leer. „Ich bin froh, dass wir uns nie ganz auf den Tourismus festgelegt haben“, sagt Heitmeir. Es gebe derzeit immerhin ein paar Geschäftsleute, die sie beherbergen könne, die meisten Stammgäste. Touristen darf sie ja zurzeit keine aufnehmen – als das Oktoberfest abgesagt wurde, brach noch am selben Tag auch für September und Oktober eine Stornierungswelle über die Hofwirtin herein.

Blauer Karpfen nutzt die Zwangspause für eine Sanierung

Eine ähnliche Misere herrscht auch im Hotel Blauer Karpfen in Oberschleißheim. Dort hält Hotelchef Gerhart Maier sein Personal mit dem Verkauf von Mundschutzmasken, Desinfektionsmitteln und Hygienespendern bei der Stange, die er über einen Geschäftspartner organisiert hat. Der spontane Branchenwechsel bedeutet immerhin: keine Kündigungen, keine Kurzarbeit. Dafür packt das Empfangspersonal nun im Keller Versandkartons für den fix eingerichteten Online-Shop „Bürgermasken“. Und: In den Bädern ließ der Hotelchef die Fliesen von den Wänden schlagen und Leitungen und Armaturen erneuern. „Alle müssen mitmachen“, sagt Maier über die Generalsanierung.

Als bekannt wurde, dass ab dem 30. Mai Hotels und andere Beherbergungsbetriebe wieder öffnen werden, haben sie natürlich beide aufgehorcht, Simone Heitmeir in ihrem grünen Ferienidyll und Gerhart Maier im renommierten – und nun auch renovierten – Blauen Karpfen. Mit unterschiedlichen Vorzeichen.

Empfangsbereit: Im Hotel „Blauer Karpfen“ in Oberschleißheim warten Gerhart Maier und seine Tochter Bianca auf die Rückkehr der Touristen.

„Noch gar nix“, fasst der Hotelchef die aktuelle Buchungslage zusammen. Viele Urlauber, fürchtet er, werden angesichts der Wirtschaftslage ihr Geld und sich selbst daheimbehalten. „Die Leute werden sich dreimal überlegen, ob sie wegfahren“, sagt Maier. „Ich würde mich aber wahnsinnig freuen, wenn sie kommen.“ Schließlich liege Oberschleißheim strategisch gut vor den Toren Münchens – und habe mit drei Schlössern und vielen Wald- und Wanderwegen auch selber durchaus was zu bieten.

Urlaub im Ausland dürfte heuer nicht der große Trend werden. Das könnte nach der Zwangspause Balsam für die heimische Tourismusbranche sein. Dass es so kommen könnte, beobachtet Simone Heitmeir vom Dammerbauer-Hof: Mit der Ansage der Lockerungen seien die ersten Buchungen bei ihr eingetrudelt. Ein Gast, der kürzlich geschäftlich bei ihr war, will im Sommer mit der Familie wiederkommen. Und sie zählt auf ihre Stammgäste: „Die kommen auch heuer.“

„Und der Heiko Maas muss mich nicht heimholen“

Ist ja auch vernünftig, so ein Urlaub an der Schwelle zum Oberland in der Gemeinde Straßlach-Dingharting, findet die Bäuerin. „Ich würde auch in Deutschland bleiben“, sagt sie. Schon wegen des zuverlässigen Gesundheitssystems, falls sich doch wer anstecke. „Und der Heiko Maas muss mich nicht heimholen“, frotzelt Heitmeir mit Blick auf die Rückholflüge, die das Außenministerium um den SPD-Minister organisierte, als die Viruskrise richtig Fahrt aufnahm.

In vielen notorischen Urlaubsregionen Bayerns sind die Gästebetten offenbar bereits auf absehbare Zeit belegt. Im Landkreis München wären noch Zimmer frei. Nicht nur, aber zum Beispiel auch im schmucken Blauen Karpfen in Oberschleißheim, der seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Familienbesitz ist. Oder im grünen Idyll des bald wieder blumenbehangenen Dammerbauers in Holzhausen. Urlaub in Geranien statt auf Balkonien. Es müssen ja nicht immer die Seychellen sein.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ergebnis ungültig: Vize-Wahl in Unterföhring muss wiederholt werden
Die Wahl des Vize-Bürgermeisters in Unterföhring war denkbar knapp. Nun kam erhaus: Sie war auch ungültig. Das steckt dahinter.
Ergebnis ungültig: Vize-Wahl in Unterföhring muss wiederholt werden
Motor aus, Film ab! - Ein Besuch im Autokino Aschheim 
Das Autokino in Aschheim boomt mehr denn je. Obwohl die Gäste sich an Sicherheitsvorkehrungen halten müssen.
Motor aus, Film ab! - Ein Besuch im Autokino Aschheim 
Corona-Ausbruch in Asylunterkunft: Reihentest für Bewohner und Mitarbeiter
Zuletzt ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Unterschleißheim merklich gestiegen. In einer Flüchtlingsunterkunft haben sich mehrere Bewohner infiziert. Die Behörden …
Corona-Ausbruch in Asylunterkunft: Reihentest für Bewohner und Mitarbeiter
Nun doch: Hubert Zellner verlässt nach Wahlniederlage Sauerlach
Sie haben es noch mal miteinander probiert, doch nun packt der Unterlegene seine Sachen: Die gemeinsamen Tage der politischen Konkurrenten Hubert Zellner (CSU) und …
Nun doch: Hubert Zellner verlässt nach Wahlniederlage Sauerlach

Kommentare