+
Training im Séparée: Duschvorhänge trennen die Geräte im Fitnessstudio von Ingrid Röhrl ab.

Strenge Hygienevorgaben

Trainieren hinterm Duschvorhang: So bereitet sich diese Fitnessstudio-Chefin auf den Neustart vor

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
    schließen

Wo normalerweise der Schweiß in Strömen fließt, herrscht seit Wochen gähnende Leere. Doch damit ist jetzt Schluss. Am Montag dürfen Fitnessstudios wieder aufsperren. Ein Besuch vorm Neustart.

Landkreis – Die Hanteln liegen unberührt am Boden, die Laufbänder stehen still, das Fitnessstudio Lifestyle in Altperlach ist menschenleer – und das seit Wochen. Nur Inhaberin Ingrid Röhrl sitzt auf einem Barhocker hinter der durchsichtigen Plexiglasscheibe im Eingangsbereich. Ein Blattpapier mit der Aufschrift „Bitte Abstand halten“ verdeckt ihr Gesicht. Kunden erwartet die 52-Jährige an diesem Tag keine. Bayerns Fitnessstudios dürfen erst am Montag wieder öffnen – freilich unter strengen Vorgaben. Und so nutzt Röhrl die noch-trainingsfreie Zeit für letzte Vorbereitungen. Am Abend erklärt sie dem zweiten Schwung ihrer 20 Mitarbeiter das dreiseitige selbst erarbeitete Hygienekonzept, das für die nächsten Wochen in ihrem Studio gilt.

„Die Auflagen gehen schon am Eingang los“, sagt Röhrl. Jeder Kunde muss vor seinem Besuch im Fitnessclub eine Datenschutzerklärung ausfüllen, damit bei einem etwaigen Coronafall die Kontaktpersonen ermittelt werden können. Diese gibt er mit der Mitgliedskarte am Empfang ab. „Den Zettel müssen wir sechs Wochen aufheben“, sagt Röhrl, die in Brunnthal wohnt. Bis zum Eingangsbereich herrscht Maskenpflicht, danach dürfen die Mitglieder den Mundschutz abnehmen. Der routinierte Gang vom Check-in-Bereich in die Umkleiden ist tabu. „Die sind geschlossen“, sagt die Inhaberin. Für Schmuck und Wertsachen dürfen die Mitglieder die Spinde nutzen, umziehen müssen sie sich zuhause.

Einbahnstraßenregelung im Studio

Dafür dient die Damenkabine jetzt einem anderen Zweck. Mit schnellen Schritten durchquert Röhrl den Raum, der mit Duschen, Waschbecken, Toiletten und Bänken ausgestattet ist. Ihre blonden Locken wippen im Rhythmus. „Hier ist der provisorische Ausgang“, sagt sie und deutet mit dem Finger auf eine Treppe, die ins Freie führt. Vorne rein, hinten raus – die Einbahnstraßenregelung soll unnötigen Kontakt unter den Trainierenden vermeiden.

Auf dem Rückweg zum Foyer biegt Röhrl rechts ab. Die Luft wird dampfig, es riecht nach ätherische Ölen. Sie deutet auf eine Glastür – der Eingang zur finnischen Sauna. „Hier müssen wir noch Absperrband anbringen“, sagt sie. Die Schwitzstuben bleiben zu, genauso wie Solarium, Nebeldusche und der Massagebereich.

An diese neuen Regeln müssen sich die Mitglieder von Ingrid Röhrl beim Trainieren halten.

Diesen Teil des 1600- Quadratmeter-Fitnessstudios können die Mitglieder, viele auch aus Ottobrunn und Unterhaching, nicht nutzen. Einen anderen Teil nur beschränkt. Im Cardio-Raum ist etwa jeder zweite Crosstrainer verriegelt. High-Intensity-Kurse wie Zumba finden nicht statt. Für das Cycling-Training müssen die Kunden ihre Räder ein paar Meter nach draußen auf den überdachten Innenhof tragen. Beinpresse, Rückenstrecker oder Rudergerät dürfen ganz normal benutzt werden, die Mitglieder müssen sie jedoch vor und nach dem Benutzen desinfizieren. Die auffälligste Änderung im Studio: Duschvorhänge trennen die Geräte voneinander ab. In den ersten Tagen werden die Trainer damit beschäftigt sein, die Einhaltung der Hygieneregeln zu kontrollieren und bei Fragen zur Seite zu stehen. Außerdem müssen sie stündlich alle Geräte reinigen und Stoßlüften. „Die Kunden sollen sich sicher, aber trotzdem wohl fühlen“, sagt Röhrl, die das Fitnessstudio seit 28 Jahren mit ihrem Ex-Mann leitet.

Keine Angst vor Massenansturm nach Öffnung

50 Mitglieder dürfen gleichzeitig ins Studio; fünf Prozent der rund 1000 Kunden. Doch von einem großen Andrang nach der Wiedereröffnung geht Röhrl eh nicht aus. „Zu Stoßzeiten kommen 50 bis 60 Kunden“, sagt sie. Trotzdem können sich die Mitglieder auf der Homepage voranmelden. Auch die Online-Kurse stehen dort weiterhin zur Verfügung, die die Trainer während der Zwangspause aufgenommen haben.

„Die Mitarbeiter freuen sich total, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Röhrl. Und auch die Kunden haben ihre Sportsachen offenbar schon bereitgelegt. Täglich trudeln E-Mails und Anrufe im Büro ein, wann und wie es weitergeht. „Jetzt werden noch die letzten Abstandsaufkleber angebracht“, sagt die Fitnessstudio-Inhaberin, „und dann kann es am Montag losgehen.“ Laufbänder und Hanteln warten schon.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei beendet illegale Techno-Party im Perlacher Forst mit 200 Gästen
Ein 41-Jähriger hat über das Internet 200 Gäste zu seiner Geburtstagsparty in den Perlacher Forst eingeladen. Die Polizei löste die illegale Feier auf.
Polizei beendet illegale Techno-Party im Perlacher Forst mit 200 Gästen
Peaches, der Star vom Falkenstein: Dieser Hund hilft Kindern, den Umgang mit Tieren zu lernen
Die Buben und Mädchen im Kindergarten Falkenstein in Garching haben einen ganz besonderen Spielkameraden: Hünding Peaches. Sie soll die Kinder an den Umgang mit Tieren …
Peaches, der Star vom Falkenstein: Dieser Hund hilft Kindern, den Umgang mit Tieren zu lernen
Rangelei auf dem Weg zum Strandbad Kaltenbrunn: Wer war das wahre Opfer?
Eigentlich hätte es ein ungetrübter Segelausflug werden sollen. Doch eine Rangelei auf dem Weg zum Strandbad in Kaltenbrunn brachte einen 70-Jährigen jetzt vor Gericht. …
Rangelei auf dem Weg zum Strandbad Kaltenbrunn: Wer war das wahre Opfer?
Keine Kurse, keine Honorare, keine Gebühren
Seit Monaten bietet die Volkshochschule (VHS) Unterhaching keine Integrationskurse mehr an. Der Einrichtung fehlen Räume. Die müssen wegen der Pandemie vom Bundesamt für …
Keine Kurse, keine Honorare, keine Gebühren

Kommentare