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In der Pandemie die ärztliche Versorgung sichern, das ist die Aufgabe des Versorgungsarztes Dr. Oliver Abbushi. 

Corona-Krise 

„Der Landkreis ist sehr gut aufgestellt“

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Der Versorgungsarzt im Landkreis steht fest. Der  Oberhachinger Hausarzt Dr. Oliver Abbushi soll die Coronakrise managen. Darüber spricht er im Interview. 

Landkreis– Die Ärzte und Patienten im Landkreis München sicher durch die Coronakrise steuern – das ist die Aufgabe von Dr. Oliver Abbushi. Landrat Christoph Göbel hat den 47-jährigen Hausarzt aus Oberhaching zum Versorgungsarzt ernannt (wir berichteten). Das bringt weitreichende Befugnisse mit sich. Und eine Menge Arbeit.

Herr Dr. Abbushi, wie sehr sind Sie zurzeit im Stress?

Seit meiner Ernennung am Dienstag hat die ohnehin angespannte Arbeitssituation noch mal deutlich zugenommen – meine Praxis läuft ja gleichzeitig weiter. Ich fühle mich sehr herausgefordert, aber das Vertrauen hat mich auch sehr gefreut. Ich werde mein Bestes geben.

Warum traut Ihnen der Landrat diese Aufgabe zu?

Einige Qualitäten bringe ich mit. Seit weit über zehn Jahren habe ich Erfahrung als Hausarzt und mit Patienten z.B. in Seniorenheimen. Und durch meine politische Tätigkeit (Vorsitzender des Hausärzteverbandes München und München-Land, Anm. d. Red.) bin ich gut vernetzt – mit den Hausärzten und der kassenärztlichen Vereinigung.

Sein dringendster Auftrag: einen Überblick verschaffen

Was ist momentan Ihr dringendster Auftrag?

Mir einen Überblick zu verschaffen. Die Leute im Führungszentrum Katastrophenschutz habe ich als sehr vernünftig und engagiert kennengelernt. Der Landkreis hat in den letzten Wochen nicht geschlafen und ist sehr gut aufgestellt.

Was heißt das konkret?

Die niedergelassenen Ärzte sind hochengagiert. Sie stemmen einen Großteil der Versorgung von Corona-Patienten in ihren Praxen. Ein Hemmschuh ist die fehlende Schutzkleidung. Es gibt leider Gottes Praxen, die deshalb gar nicht an Infektpatienten arbeiten können. Aber der Großteil ist aktiv und kümmert sich.

...solange das Personal nicht selbst erkrankt.

Vereinzelt gibt es natürlich auch Corona-Infektionen unter Praxismitarbeitern, dann müssen die Praxen vorübergehend schließen. Aber nicht in einem Umfang, der die Versorgung gefährdet. Diese Situation wird sich vermutlich auch nicht sonderlich verschlechtern. Die Praxen haben Vorsorge getroffen, trennen Infektpatienten strikt von den anderen. Und sie richten maximale Hygienemaßnahmen ein. So können sie sich wirklich vor Corona schützen.

Abbushi: „Einen großen Personalstab habe und brauche ich nicht.“

Wo können Sie eingreifen?

Die Zeit, in der sich die Corona-Infektionen verdoppeln, nimmt zum Glück zu. Aber wir müssen mit steigenden Patientenzahlen rechnen. Für den Notfall, dass das die Arztpraxen überfordert, möchte ich daher auch Behandlungskapazitäten in einigen der 21 Testzentren schaffen, die wir im Landkreis bereits haben. Das kann auch mal im Container stattfinden. Die ambulante Versorgung der Covid-19-Patienten muss gewährleistet sein. Dafür werden wir in den kommenden zwei Wochen vorsorgen. Ich habe mir dazu meinen Kollegen Dr. Wolfgang Ritter ins Boot geholt, der in Sendling eine große Praxis leitet. Ansonsten nutze ich meine Vernetzung. Einen großen Personalstab habe und brauche ich nicht.

Ihr Mandat berechtigt Sie, Maßnahmen gegenüber Ärzten per Anordnung durchzusetzen, wenn die Kooperation nicht klappt. Wie streitbar sind Sie?

Im Notfall bin ich bereit zu handeln. Wenn ich eine Sache für notwendig halte und es im Miteinander nicht funktioniert, braucht es halt eine Anordnung. Davon gehe ich aber überhaupt nicht aus. Das Engagement in der Ärzteschaft ist unglaublich. Derzeit sehe ich keine Konflikte.

Das Coronavirus versetzt den Landkreis München in den Ausnahmezustand. Mittlerweile sind mehrere Menschen gestorben, viele sind infiziert. Alle Infos hier im Ticker.

Wer Kontrolle oder Behandlung braucht, soll sie in Anspruch nehmen

Gibt es etwas, das Ihre Zuversicht trübt?

Die hohe Gefahr, dass das Virus in Altenheimen Einzug hält. Wir haben jetzt schon viel zu viele Tote in diesem Bereich. Das können wir leider nur bedingt beherrschen.

Und es gibt ja immer noch die Patienten, die andere gesundheitliche Probleme haben, ganz unabhängig von Corona.

Es wäre sehr traurig, wenn Herzinfarkte, Schlaganfälle, Blutzuckerentgleisungen und Ähnliches Patienten das Leben kosten würden, weil sie Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus haben. Wir Ärzte sorgen in unseren Praxen vor. Mein großer Appell: Wer eine Kontrolle oder eine Behandlung braucht, soll sie in Anspruch nehmen. Auch chronisch kranke Patienten brauchen überhaupt keine Angst davor haben, zu uns zu kommen.

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