Falsche Behauptungen

Gerüchte über Flüchtlinge im Landkreis: Was wirklich dran ist

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Landkreis - Seit Silvester tauchen vermehrt wilde Gerüchte über Flüchtlinge im Landkreis München auf. Fast immer handelt es sich um Falschbehauptungen. Die Polizei hat alle Hände voll zu tun.

Sie sollen Kinder auf offener Straße in Grünwald und Ottobrunn vergewaltigen. Kommunen im Landkreis und das Landratsamt sollen für ihre Restaurant-Rechnungen bezahlen. Und die Polizei und die „Lügenpresse“ sollen unter einer Decke stecken und bewusst Straftaten vertuschen, die sie begangen haben sollen. „Sie“ – das sind „die Flüchtlinge.“

Die Gerüchteküche im Landkreis München brodelt. Immer wieder tauchen falsche Behauptungen über Flüchtlinge auf. Manchmal sind es relativ harmlose Missverständnisse, wie Mitte Januar in Oberschleißheim, als besorgte Bürger die Presse über eine Messerstecherei informierten in der Flüchtlingsunterkunft. Letztendlich stellte sich heraus, dass sich ein Bewohner umbringen wollte. Und manchmal sind es abenteuerliche Theorien, über die man fast lachen könnte, wenn die Sache nicht so ernst wäre.

Ein Gerücht: Die Gemeinden übernehmen die Restaurant-Rechnungen von Flüchtlingen 

Die Gerüchte-Hochburg befindet sich ausgerechnet in Grünwald, in der reichsten Kommune des Landkreises. Besorgniserregende Anfragen, E-Mails und Briefe flattern fast täglich ins Rathaus. Unter anderem wirft man der Gemeinde vor, sie würde die Restaurant-Rechnungen und Fahrkarten der Flüchtlinge bezahlen. Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) hat aufgrund dessen kürzlich eine einseitige Stellungnahme im Grünwalder Amtsblatt abdrucken lassen. Darin räumt Neusiedl auf mit sämtlichen Falschbehauptungen zum Thema Asyl. „Wir (die Gemeinde, d. Red.) zahlen nicht für Mahlzeiten in Gaststätten; wir kommen nicht für Fahrkosten, etwa mit der Tram, auf. Wir bezahlen keine Kleidung“, schreibt Neusiedl. Übergriffe, schwerwiegende Gewaltdelikte oder Ähnliches seien in der Gemeinde Grünwald nicht bekannt. „Gerüchte helfen hier niemanden weiter.“

Schon gar nicht der Polizei. Die muss nämlich jedem Gerücht nachgehen, wenn sie davon hört. Vor mehr als zwei Wochen sollen etwa Flüchtlinge am helllichten Tag und auf offener Straße in Grünwald ein Kind vergewaltigt haben. Ein ähnliche Falschinformation machte in Ottobrunn die Runde. Schwere Vorwürfe, die sich nach polizeilichen Angaben als falsch herausstellten.

Manche Leute streuen bewusst falsche Behauptungen über Flüchtlinge

Laut dem Grünwalder Polizeichef Andreas Aigner gibt es Falschbehauptungen über Asylbewerber, seitdem Flüchtlinge in Grünwald leben. Allerdings habe sich der „Trend“ seit Silvester verstärkt, sagt Aigner. „Mehrere Leute in Grünwald streuen solche Gerüchte und beeinflussen damit das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Manche tun das aus Hirnrissigkeit, aber manche tun es auch bewusst.“

Die Beamten ermitteln freilich in Fällen von schwerwiegenden Vorwürfen die Personen, die die Unwahrheiten verbreiten. Das hat die Grünwalder Polizei auch zuletzt im Gemeindeblatt öffentlich mitgeteilt. Demnach seien bereits Verursacher solcher Meldungen polizeilich vernommen worden. In jedem Fall mussten die Gerüchtestreuer einräumen, dass sie die Behauptungen erfunden haben.

Polizeichef: "Wir als Polizei lügen nicht."

Nun haben sich besorgte „Bürgerinnen, Mütter und Großmütter“ dazu zu Wort gemeldet. In einem Brief an Bürgermeister Neusiedl schreiben die sieben Frauen von einer „kontraproduktiven Drohung“ der Polizei (siehe Kasten rechts). Nach Ansicht der Verfasserinnen werfe das reflexartig die Frage auf: „Wollen die uns einschüchtern?“ Weiter heißt es in dem Schreiben, der Staat und Politiker hätten Angst, „Wahrheiten auszusprechen. Es wird vertuscht und verheimlicht aus Angst.“

Den Vorwurf, die Polizei würde Straftaten von Flüchtlingen ignorieren und verschweigen, kennt Armin Ganserer gut. Der Ottobrunner Polizeichef hat vor kurzem eine interne Besprechung zum Thema Gerüchte und Falschbehauptungen über Flüchtlinge einberufen. Ganserer sagt, man reagiere sofort auf Vorfälle, in denen Flüchtlinge verwickelt sind und teile sie „offensiv“ mit. „Wir als Polizei lügen nicht“, betont Ganserer. Er befürchte aber, dass man wohl nicht verhindern könne, dass weiterhin Gerüchte und falsche Behauptungen über Flüchtlinge auftauchen.

rat

Rubriklistenbild: © dpa

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