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So sehen die Messboxen aus, die an 35 Standorten installiert wurden. Die Münchner Firma Hawa Dawa liefert die Sensoren und die Software für das Datennetzwerk. Fotos: 

Wie gut ist unsere Luft?

Nordallianz misst Luftqualität

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In den kommenden 24 Monaten bauen die acht Gemeinden der Nordallianz das größte digitale Messnetzwerk für Luftqulität deutschlandweit auf. Unter der Webseite www.nordallianz.de/luftqualitaet stehen live und transparent die Werte zur Verfügung.

Landkreis– Seit dem 22. Oktober sorgen insgesamt 35 Sensoren in Ismaning, Unterföhring, Hallbergmoos, Garching, Eching, Neufahrn, Oberschleißheim und Unterschleißheim für einen ununterbrochenen Datenfluss (www.nordallianz.de/luftqualitaet). Die Bürger können direkt mitverfolgen, wie gut die Luft in ihren Gemeinden ist. In dem gleichermaßen von Wohnen, Arbeit, Industrie und Freizeit geprägtem Raum zwischen München und Flughafen wünscht die Nordallianz eine lückenlose Kartierung von Schadstoffen. 

Informieren und planen

Erstes Ziel des Vorhabens ist es, die Bevölkerung und Interessierte live im Internet über die Beschaffenheit der Luftqualität zu informieren. Wobei es den Bürgermeistern im Detail auch darum geht, konkrete Problemstellen zu beleuchten. Die Werte sollen in ihre kommunalen und regionalen Planungen einfließen.

So sorgt sich Oberschleißheims Rathauschef Christian Kuchlbauer (FW) um Wohngebiete: „Mich interessiert, wie Schleichverkehr sich auswirkt.“ Garchings Dietmar Gruchmann (SPD) hätte gern erforscht, ob der Wall an der A9 Kindergärten hinreichend vor Abgasen schützt. Andreas Kemmelmeyer (PWU) interessiert der Einfluss der Schornsteine des Heizkraftwerks auf Unterföhring: „So können wir den Daten der Stadtwerke unsere eigenen gegenüberstellen.“ Auf vier Metern Höhe an Laternen angebracht, sollen die Sensoren Stickstoffdioxid (NO2), bodennahes Ozon (O3) und Feinstaub messen. Bei dem in erster Linie von Verkehr und Industrie verursachtem Feinstaub unterscheidet man zwischen PM10 als winzig kleinen Partikeln und PM2.5, was noch viel, viel kleinere Feinstaub-Partikel sind. Die Schadstoffe sind für Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich. Feinstaub gelangt in die Lungen, PM2.5 bis in die Lungenbläschen.

Hier zeigt sich die Problematik im Umgang mit den Sensoren. PM2.5, kaum größer als ein Bakterium, wird vom leisesten Windhauch fortgetragen. Ein Messgerät allein an der A9 oder der B471 würde bloß ungenaue Daten liefern. Die Kommunen haben die Messboxen daher weiträumig verteilt.

35 Messstationen installiert

Mit Einflüssen wie dem Wetter oder der Bebauung in der Umgebung vermögen die 40 x 40 x 15 Zentimeter großen Geräte umzugehen. Wie Nordallianz-Sprecherin Anna-Laura Liebenstund mitteilte, sind die miteinander vernetzten Sensoren in der Lage, über einen Algorithmus Plausibilitätschecks durchzuführen, und so etwa den Einfluss eines Lkw, der mit laufendem Motor vor einem Sensor parkt zu berücksichtigen.

Keine zwei Wochen nach Beginn des Projekts dürfte es zu früh für Ergebnisse sein. Durch die Forschung beobachtete Trends zeichnen sich aber ab. Nachdem 2018 als erstes Jahr gilt, da PM10 bundesweit unter dem Grenzwert blieb, überrascht nicht, dass der am Sonntag, 27. Oktober und dem darauffolgenden Montag beispielhaft in Unterföhring, Oberschleißheim und Garching gemessene Wert bloß unwesentlich überschritten wurde. Dass für PM2.5 dasselbe gilt, überrascht schon eher. Ob Daten am Sonntag oder am Montag erhoben wurden, macht in der bisher kurzen Beobachtungszeit keinen Unterschied. Ozon und Stickstoffdioxid scheinen aber jeweils eigene Tageszeiten zu bevorzugen. Trotz gegenteiliger Beobachtungen werden NO2-Grenzwerte häufig nach Mitternacht überschritten. Die Belastung zeichnet sich oft schon am Vorabend ab. NO2 entsteht bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie Kohle und Erdöl.

Daten für Ozon, Stickoxide und Feinstaub

Ozon bildet sich in Bodennähe durch Luftverunreinigungen im Straßenverkehr. Sonne und warme Temperaturen lassen die Konzentration steigen. Die Folge sind Augenreizungen, Lungenerkrankungen. Asthmakranke sind besonders gefährdet. O3 trat bisher vermehrt vom späten Vormittag bis frühen Nachmittag auf. Bisweilen zeichnen sich einzelne Spitzen am späten Nachmittag ab. Die Sensoren und auch die Software für die Daten liefert die Münchner Firma Hawa Dawa.

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