Mobiles Behinderten-WC

Ein Stück mehr Freiheit für Menschen mit Behinderung

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Landkreis -  Eineinhalb Jahre lang hat das Landratsamt München den Aktionsplan für die Belange von Menschen mit Behinderung ausgearbeitet. Nun soll dieser auch in die Tat umgesetzt werden.

Einen Beschluss, „der von großer Bedeutung“ für die Verwirklichung dieses Plans sei, so Kreisrätin Johanna Hagn (SPD), hat nun der Sozialausschuss gefasst: Einstimmig sprachen sich die Kreisräte für die Beschaffung einer mobilen, barrierefreien Toilettenanlage aus. Nun muss der Kreistag dieses Votum noch bestätigen. 

„Mit der Bereitstellung durch den Landkreis München könnte ein wichtiger Beitrag zur Inklusion und Integration von Menschen mit Handicap geleistet werden“, heißt es im Antrag der Freien Wähler vom 13. Juni 2014. „Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fängt bei Selbstverständlichkeiten an.“ Selbstverständlichkeiten wie einem ungehinderten Toilettenbesuch. Außenaktivitäten, erzählt Aleksandar Dordevic, müsse man als körperlich behinderter Mensch ganz genau planen. „Man muss immer einkalkulieren, wo sich geeignete Sanitäranlagen befinden“, sagt der Beauftragte für Menschen mit Behinderung des Landratsamtes in der vergangenen Sitzung des Sozialausschusses. Auf Bürgerfesten, Kirchenfeiern oder andere gemeindlichen Veranstaltungen seien barrierefreie Anlagen eben nicht selbstverständlich. Die Veranstalter sollen künftig eine solche Anlage mieten können. Dabei wird es sich wohl um einen Anhänger mit behindertengerechter Toilette handeln, zusätzlich ausgestattet zur Doppelnutzung als Wickelraum. Die Toilette wird eine automatisch öffnende Tür und einen Babywickeltisch beinhalten. 

Für das Haushaltsjahr 2016 wurden bereits 35 000 Euro für eine mobile Toilette veranschlagt. Der Landkreis würde die Anschaffung demnach finanzieren und über die Mieteinnahmen teilweise refinanzieren, erklärt Landrat Christoph Göbel (CSU). Die eigentliche Vermietung wolle man jedoch nicht übernehmen. Die soll „durch eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder eine Integrationsfirma“ erfolgen, heißt es in der Beschlussvorlage. Als Vorbild hierfür dient dem Landratsamt ein Projekt aus dem Landkreis Landsberg am Lech. „Dort werden Betrieb, Miete, Lagerung und Transport von einer Behindertenwerkstatt organisiert“, sagt Dordevic. Die Mieter kümmern sich um den Betrieb, die Reinigung und die Sicherheit vor Ort. Im Landkreis München würde die Lebenshilfe Werkstatt Putzbrunn die Vermietung übernehmen und den Anhängern auf ihrem Gelände unterbringen, teilt Aleksandar Dordevic mit. 

SPD-Kreisrätin Hagn findet es „positiv, dass es schon einen Standplatz und Betreiber“ gebe. Auch Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeiser habe bereits die gemeindliche Unterstützung des Projekts zugesagt. Wie der Mietbetrieb genau vonstattengehen soll, müsse man nun noch klären, merkt Landrat Christoph Göbel an. Er versprach aber, diesen „möglichst benutzerfreundlich“ zu gestalten. Kostenlos wird der Service freilich nicht sein, denn „wir haben genug Veranstaltungen, wo eine Refinanzierung nicht das Problem ist“, so der Landrat. Für eine Sonderregelung für Veranstaltungen, die nicht so profitabel sind, ließe sich eine Lösung finden. Bis zu den Mai-Festen soll die barrierefreie Anlage dann spätestens in Betrieb sein.

Florian Prommer

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