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Wlan in Regionalbussen

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Landkreis - In MVV-Bussen soll Gratis-Wlan Fahrgästen die Zeit vertreiben. Nach einer Brandrede von Kreisrat Jimmy Schulz (FDP) haben die Kreisräte im Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur beschlossen, den kabellosen Internetzugang als Extra-Service in Regionalbussen zuzulassen. Der Beschluss bezieht sich auf künftige Ausschreibungen. Der bestehende Fuhrpark wird nicht Wlan-tauglich umgestaltet.

Vor zwei Jahren bereits waren die Grünen mit einem vergleichbaren Antrag im Kreis-Verkehrsausschuss gescheitert. Dass der Münchner Verkehrsverbund (MVV) den Antrag der FDP vom 5. Juni dieses Jahres ebenfalls gering schätzen und das Landratsamt empfehlen würde, den Antrag ebenfalls abzulehnen, war daher keine Überraschung. Eher, dass es Jimmy Schulz am Ende gelang, die Kreisräte im Ausschuss von dem Vorhaben zu überzeugen.

Anders als bei europäischen Nachbarn hat das kabellose Internet in Deutschland einen schweren Stand. Als Schuldiger ist der Gesetzgeber ausgemacht: Wegen der sogenannten Störerhaftung ist der Inhaber eines Internetanschlusses auch für Missbrauch verantwortlich, kann bei Schäden, etwa durch Hacker, belangt werden. Jimmy Schulz lauschte den Argumenten von MVV-Verkehrsplaner Till Happel konzentriert. Die Kosten-/Nutzen-Relation sei angesichts des technischen und finanziellen Aufwands nicht stimmig. Rechtliche Probleme ließen kabelloses Internet zu einem Vabanquespiel werden. Und Wlan-Strahlen könnten die Gesundheit der Fahrgäste schädigen. Schon vor Sitzungsbeginn stand fest, dass der Kreis der Ansicht des MVV folgen würde. Dem FDP-Antrag lag eine negative Beschlussvorlage des Landratsamts bei. Von Praxistests in Dresden weiß man, dass Wlan gerne auf längeren Strecken genutzt wird, weniger im Stadtverkehr. Aus MMV-Sicht spricht gegen kabelloses Internet einerseits die gerade in ländlichen Regionen vielfach unzureichende Netzabdeckung. Auf der anderen Seite befürchtet man einen Wlan-Kollaps, weil User auf längeren Routen vorzugsweise datenintensive Filme schauen.

Schulz hält die aufgeführten Argumente für überholt. In einer engagierten Rede plädierte der liberale Kreisrat nachdrücklich für Wlan in MVV-Regionalbussen: Technische Probleme seien hinlänglich gelöst, rechtliche Grauzonen weiß eingefärbt. Über gesundheitlich Konsequenzen durch Strahlung diskutiere die Fachwelt seit Jahren. Ein allgemein verbindlicher Ausgang zeichne sich nicht ab.

Einig sind sich, laut Schulz, die Wissenschaftler, dass Wlan mit 0,1 Watt ein Zehntel bis ein Hundertstel der Sendeleistung von Handys erreicht, die in Bussen im Übermaß Verwendung finden. Längst existierten zudem Möglichkeiten, den Datenverbrauch von Fahrgästen dahingehend zu regulieren, dass Wlan nicht gleich kollabiert, wenn der komplette Bus Trailer zum neusten Quentin Tarantino bestaunt. Wie sonst ließe sich erklären, dass Wlan in vielen Ländern Europas zum guten Ton im Nahverkehr gehört. Das Plädoyer von Schulz kam an, Landrat Christoph Göbel (CSU) lenkte ein: Vor allem der Mehrwert durch Wlan, die höhere Attraktivität für den Nahverkehr, überzeugt ihn. In Zukunft soll der zusätzliche Service fester Bestandteil bei Aus- und Fortschreibungen von Buslinien im Landkreis München werden.

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