1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis

Landrat Christoph Göbel fordert Impfpflicht: Politiker dachte, „dass Impfungen deutlich mehr bewirken“

Erstellt:

Von: Laura May, Doris Richter

Kommentare

2G – Zutritt nur für Geimpfte und Genesene gilt im Landkreis bisher nur in seltenen Ausnahmen. Doch das könnte sich angesichts steigender Infektionszahlen bald ändern.
2G – Zutritt nur für Geimpfte und Genesene gilt im Landkreis bisher nur in seltenen Ausnahmen. Doch das könnte sich angesichts steigender Infektionszahlen bald ändern. © Sebastian Kahnert/dpa

Göbel hat Sorge um die geringen Kapazitäten in den Kliniken. Künftig soll es ein Impftag pro Monat in jeder Gemeinde geben.

Landkreis – Dass er diesen Herbst wieder so intensiv mit der Corona-Pandemie befasst ist, hatte Landrat Christoph Göbel (CSU) nicht gedacht. „Ich bin davon ausgegangen, dass die Impfungen deutlich mehr bewirken.“ Vor allem die vielen Impfdurchbrüche würden die Zahlen wieder nach oben treiben. 1025 hat es bisher im Landkreis gegeben – als solche gelten Menschen, die trotz vollständigen Impfschutzes Symptome aufweisen und deren PCR-Test positiv ist.

43 davon wurden im Krankenhaus behandelt.

Knackpunkt Kliniken

Was Göbel Sorge bereitet, ist die Entwicklung in den Kliniken. „Vor einem Jahr hatten wir natürlich mehr Corona-Patienten in den Kliniken, aber da hatten wir dort auch mehr Platz freigeräumt.“ Operationen seien damals verschoben, Kapazitäten hochgefahren worden. Jetzt habe man nicht nur den Normalbetrieb in den Krankenhäusern, sondern auch weniger Intensivbetten und es mangle an Personal. Es gebe geringere Kapazitäten als der Freistaat bei seiner Ampel annehme, so Göbel. Das Ampelsystem zeigt die Rate der Corona-Erkrankten in den Kliniken an.

Derzeit steht sie im Freistaat noch auf Grün. Aus dem Landkreis werden derzeit 16 Personen in einem Krankenhaus behandelt, zwei sind in intensivmedizinischer Behandlung.

Kritik vom Arzt

Dr. Friedrich Kiener, Allgemeinarzt und ehemaliger Leiter des Impfzentrums Unterschleißheim, hält es für dringend notwendig, dass die Regierung mehr ins Gesundheitssystem investiere: „Im Juli 2020 hatten wir in Deutschland noch fast 35 000 Intensivbetten, jetzt nur noch knapp 25 000.“ Grund für den Bettenabbau sei vor allem der Personalmangel. Da sei die Regierung gefordert, gegenzusteuern. Dass wieder so stark auf den steigenden Inzidenzen herumgeritten werde, kritisiert Kiener.

Es würden viele junge Leute erkranken, die aber meist keinen schweren Verlauf hätten. „Und die Betroffenen von Impfdurchbrüchen sind alle nicht schwer krank, es sind hauptsächlich Ungeimpfte auf der Intensivstation“, so Kiener.

500 000 Impfungen

Beim Thema Impfen hat der Landkreis am Mittwoch die Marke von einer halben Million Impfungen geknackt. Exakt 500 413 Spritzen gegen das Coronavirus wurden seit dem 27. Dezember 2020 durch Impfzentren, mobile Teams und Ärzte im Landkreis verabreicht. Die genaue Impfquote kann Göbel nicht benennen: „Aus Datenschutzgründen erfahren wir nicht, wie viele Landkreisbürger eine Impfung erhalten haben.“ Nach Schließung der anderen Impfzentren sei der Andrang auf Impfungen im verbleibenden Zentrum in Haar derzeit enorm: „Wir werden überrannt“, so Göbel. Daher werde man dort die Terminvergabe wieder einführen.

Notfalls könne man auch die Kapazitäten hochfahren auf bis zu 1800 Impfungen pro Tag. Die anderen Impfzentren wieder zu öffnen, so wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angeregt hat, könne sich der Landkreis finanziell nicht leisten. Göbel fordert stattdessen eine Impfpflicht. Und glaubt, dass es eine ausreichende Rechtfertigung gebe, sie gesetzlich durchsetzen zu können.

Gemeinde-Impftage

Auch in Hinblick auf die Auffrischungsimpfungen setzt Göbel verstärkt auf die mobilen Impfteams – „weil ich sicher bin, dass die Ärzte das nicht allein stemmen können“. So soll es in jeder Kommune künftig einmal im Monat einen Impftag geben.

Arzt Friedrich Kiener hält eine dritte Impfung für jeden für politischen Aktionismus. „Selbst die Stiko empfiehlt Booster-Impfungen nur Risikogruppen, außer bei Johnson & Johnson, da muss man jetzt schon nachimpfen“, so Kiener. Kritisch sieht er auch die Antikörpertests, auf die sich viele berufen. Das Immunsystem sei sehr komplex. „Der Antikörperspiegel ist ein Wert, da ist es schön, dass es ihn gibt, aber man kann nicht sagen, wenn ein Patient die Antikörperzahl XY hat, dann ist er immun.“ Auf der anderen Seite habe er noch keinen Fall gehabt, dass jemand trotz Impfung keine Antikörper habe.

Wichtige Tests

Angesichts der steigenden Zahlen kommt dem Testen laut Landrat Göbel wieder eine größere Bedeutung zu. Dass Tests für die meisten nicht mehr kostenfrei sind, habe nur wenig Menschen dazu bewegt, sich impfen zu lassen. „Die Impfquote ist seither nicht enorm gestiegen“, so Göbel. Er hält es, auch gerade hinsichtlich der Impfdurchbrüche, für sinnvoll, wieder kostenlose Tests anzubieten und die Teststrukturen wieder hochzufahren. Zumal der Ansturm auf PCR-Tests noch größer werde, sobald 3Gplus gelte.

Stichpunkt-Kontrollen

Flächendeckende Kontrollen, dass die Regeln – vor allem, wenn bei einer gelben Ampel 3Gplus in der Gastronomie eingeführt wird – auch eingehalten werden, kann es laut Landrat Christoph Göbel auch künftig nicht geben. Dafür fehle es Polizei und Ordnungsämtern an Personal. „Doch es gibt stichpunktartige Kontrollen.“ Und bisher habe es keine größeren Ausbrüche in Lokalen oder bei Veranstaltungen gegeben. „Die Leute scheinen sich also schon an die Vorgaben zu halten.“

Auch interessant

Kommentare