Er betreibt den Wahlkampf mit Leidenschaft, aber völlig unverkrampft: Helmut Markwort will mit seinem guten Namen der FDP im Landtagswahlkampf helfen.  
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Er betreibt den Wahlkampf mit Leidenschaft, aber völlig unverkrampft: Helmut Markwort will mit seinem guten Namen der FDP im Landtagswahlkampf helfen.  

Landtagskandidaten im Porträt

Helmut Markwort (FDP): Prominenter Stimmenfänger

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Er will der FDP beim Sprung in den Landtag helfen: Der ehemalige Focus-Chefredakteur Helmut Markwort (81). Schafft er es ins Maximilianeum, wird ihm eine besondere Ehre zuteil.

Landkreis – Welche Gründe hat der erfolgreiche Medienmanager Helmut Markwort, der Gründer und langjährige Chefredakteur des Focus, plötzlich ins Politikgeschäft zu wechseln? Warum tut sich ein Vollblutjournalist wie er mit 81 Jahren die Strapazen an und tingelt als Direktkandidat der FDP für den Stimmkreis München Land Süd mit seinem „Faktomobil“ über die Dörfer, um Wähler für sich und seine Partei zu gewinnen? Am Ende des rund eineinhalbstündigen Gesprächs in seinem Büro im 4. Stock des Burda-Unternehmensgebäudes im Arabellapark in München ist eines klar: Markwort, der sich auch im hohen Alter seinen Pioniergeist und eine fast kindliche Neugier bewahrt hat, treibt die fortwährende Suche nach Abwechslung und nach neuen Herausforderungen. 

Landtagskandidat Helmut Markwort (FDP) ist vom Beobachter zum Mitmischer geworden

Und so hat das mediale Mulitalent, das diverse Zeitschriften und Magazine geführt, Radiosender gegründet und jahrelang den Stammtisch im Bayerischen Fernsehen moderiert hat, nicht lange gezögert, als der FDP-Kreisverband nach dem Absprung seines Direktkandidaten Tobias Thalhammer zur CSU einen neuen Heilsbringer suchte. „Ich habe jahrzehntelang Politiker begleitet, kritisiert, befragt, benörgelt und recherchiert. Jetzt bin ich gespannt, wie es hinter den Kulissen zugeht, wie sie es wirklich treiben“, sagt Markwort, und man sieht es ihm an, wie er sich auf den Perspektivwechsel freut.

Natürlich will Markwort auch der FDP dabei helfen, in Bayern wieder mitzuregieren und die CSU-Vormachtstellung zu beenden. Der gebürtige Darmstädter, der als Kind die Schrecken des Zweiten Weltkrieges erlebt, aber auch die Herzlichkeit amerikanischer Besatzer erfahren hat, ist den Werten der Freien Demokratischen Partei verpflichtet. „Freiheit war mein Wort und Freiheit ist mein Wort“, sagt er im Gespräch. Zwar ist Markwort bereits vor Jahrzehnten der FDP beigetreten, hat aber der beruflichen Karriere stets den Vorrang gegeben. Seine politische Haltung hat er trotzdem nicht unter den Teppich gekehrt. „Die Leute haben mich nie für einen Sozi oder einen Schwarzen gehalten.“

Landtagskandidat Helmut Markwort (FDP): „Eigentum macht frei“

Neben der Freiheit ist ihm das Recht auf Eigentum wichtig. „Eigentum macht frei“, betont der begeisterte Fußball-Fan, Tennisspieler und Gelegenheitsschauspieler. In Deutschland hätten viele zu wenig Eigentum, fügt er hinzu. Mehr Eigentum zu schaffen, da ist sich Markwort sicher, würde auch dabei helfen, den Wohnungsnotstand im Großraum München zu lösen und die Explosion der Mietpreise einzudämmen. „Die Leute sollen nicht durch Wohnungsbaubremsen behindert werden, sondern müssen animiert werden, mehr Eigentum zu schaffen“, sagt er und teilt im gleichen Atemzug gegen die sozialdemokratischen Bürgermeister aus, die in den vergangenen Jahrzehnten die Landeshauptstadt geprägt haben. Sie, mit ihrem „dörflichen Horizont“, hätten in München die Häuser niedrig gehalten, obwohl man längst verdichten und höher bauen müsste. Wenn er im Landtag sitzt, will er dafür eintreten, dass für Bürger, die sich ihre erste Immobilie anschaffen, die Grunderwerbssteuer wegfällt.

Landtagskandidat Helmut Markwort (FDP): EU-Vorschriften: Frühwarnsystem für Bürger nötig

Einsetzen will sich der 81-Jährige, der im Herzogpark in München wohnt, im Landtag in erster Linie für den Mittelstand, die freien Berufe. Er kämpft für eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und gegen Steuer-Ungerechtigkeiten. Die Förderung des privaten sozialen Wohnungsbaus liegt ihm ebenso am Herzen wie die Umgestaltung von EU-Richtlinien zum Wohl der Bürger. „Man müsste ein Frühwarnsystem entwickeln: Achtung, Folgen für den Bürger“, sagt er angesichts der Flut an EU-Vorschriften.

Was konkrete politische Themen im Landkreis angeht, hält sich Markwort bedeckt. „Wenn ich jetzt kommunalpolitische Thesen verträte, fände ich das anmaßend.“ Er setzt auf eine gute Zusammenarbeit mit den liberalen Kommunalpolitikern vor Ort. „Die kennen sich besser aus“, gibt er unumwunden zu.

Überhaupt strahlt Markwort bei aller Begeisterung für seine neue Aufgabe und bei allem Engagement, das er in den Wahlkampf steckt, eine große Lockerheit aus. Kein Wunder: Er selbst hat bei der Landtagswahl kaum etwas zu verlieren, kann aber viel gewinnen: Zieht er in den Landtag ein, wird er wohl Alterspräsident und darf bei der ersten Landtagssitzung die Grundsatzrede halten. „Das reizt mich schon außerordentlich“, sagt er mit einem spitzbübischen Lächeln. Dafür nimmt er selbst Dinge in Kauf, die ihm regelrecht widerstreben. Zum Beispiel das ständige Wiederholen politischer Aussagen bei den Wahlkampfauftritten: „Das nervt mich und ist anstrengend. Ich möchte mich ja nicht selbst langweilen, sondern unterhalten.“

Zu den Porträts

Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Kandidaten aus dem Stimmkreis München Land vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer Priorisierung oder Gewichtung.

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