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Von der A bschaffung der Kitagebühren bis hin zu artgerechter Tierhaltung: Die Themen, für die sich Ilse Ertl einsetzt, sind vielfältig.

Landtagskandidaten im Porträt

Ilse Ertl (FW) gibt nicht auf: Aller guten Dinge sind drei

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Ilse Ertl ist Tierärztin - und will auf die große politische Bühne. Im dritten Anlauf für die Freien Wähler soll es klappen.

Landkreis – „Möchten Sie einen Kaffee? Dann hole ich wieder die Tischdecke.“ Gut ein Jahr ist der letzte Besuch bei Ilse Ertl her. Damals wie heute empfing die Kandidatin der Freien Wähler (FW) die Besucherin in ihrer Tierarztpraxis in Mauern (Kreis Freising). Anders als beim Besuch vor zwölf Monaten ist: Die 52-jährige Tierärztin tritt für die Freien Wähler diesmal nicht auf Bundesebene an, sondern kandidiert für den Landtag im Stimmkreis München-Land Süd.

„Weil ich was bewegen will.“

Es ist der dritte Anlauf von Ilse Ertl, um politisch auf größerer Bühne mitzuwirken – 2013 versuchte sie es das erste Mal auf Bundesebene. Allzu große Chancen rechnet sie sich für die Landtagswahl in ihrem Stimmkreis nicht aus: Während im Norden die Freien Wähler besser vertreten seien – allein durch den Landtagsabgeordneten Nikolaus Kraus – sei der südliche Landkreis „Freie-Wähler-mäßig eher Diaspora“. Warum sie es trotzdem wieder versucht? Die Antwort kommt prompt. „Weil ich es kann. Weil ich die Möglichkeiten habe, und weil ich was bewegen will.“

Kita-Gebühren sollen weg

Ertl, die nach ihrer Scheidung vor einigen Jahren von Ismaning nach Moosburg gezogen ist, stammt gebürtig aus Mühldorf. Die kinderlose Tierärztin ist Kreisgeschäftsführerin der Freien Wähler für den Landkreis und stellvertretende Vorsitzende der Landesvereinigung. „Ich habe am Wahlprogramm mitgearbeitet“, erzählt die Tiermedizinerin. Darin werben die Freien Wähler, adressiert an das bürgerlich-konservative Lager, für eine „vernünftige, bodenständige“ Politik. Die Abschaffung der Studiengebühren, die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums und aktuell die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge: All das gehe auf das Konto der FW. Aktuell fordern sie die Abschaffung der Kitagebühren.

Seit 15 Jahren kein Urlaub

Landtagskandidatin Ilse Ertl betreibt ihre Praxis seit 15 Jahren. „Seitdem habe ich keinen Urlaub gemacht.“ Ihr politisches Engagement bringe ihr persönlich Nachteile, hat sie in den vergangenen Jahren festgestellt. „Ich hätte finanziell mehr davon, wenn ich die Zeit in die Praxis stecken würde“, sagt sie und zuckt mit den Achseln. „Aber so geht es ja allen Selbstständigen.“ Sie handle aus Idealismus, betont die Tierärztin. „Ich mag es, mich in Themen zu vertiefen.“

Deshalb hat sie auch keinen Kernbereich, auf den sie sich beschränken möchte. „Meine Themen sind unglaublich vielfältig“, sagt Ertl. So findet sie, es sei höchste Zeit, den Umgang mit Flugtaxis und Paketauslieferungsdrohnen zu regeln – „ich möchte ein Konzept sehen, bevor die Dinger in der Luft schwirren“. Für Hilfestellung in der ehrenamtlichen Arbeit setzt sie sich ein und findet, dass es in jedem Landratsamt, in jedem Kreisverwaltungsreferat eine Anlaufstelle geben soll, bei der Vereine Rat bekommen im Umgang mit Verordnungen, wie etwa der neuen Datenschutz-Grundverordnung oder Fragen zur Steuer. Bei dieser Anlaufstelle, wünscht sich Ertl, sollte ein Verein eben genau „das an die Hand kriegen, was er braucht“.

Mehr Blick fürs Ganze beim Tierschutz

Außerdem kämpft Ertl für gesunde Lebensmittel, artgerechte Tierhaltung und kurze Transportwege für Schlachttiere. Sie fordert ein Tierschutzlabel. „Ein vernünftiges. Und nicht so ein kläglicher Versuch, der gescheitert ist.“ Die Verantwortung dürfe die Politik nicht an den Verbraucher weitergeben. Gleichzeitig müsse dafür gesorgt werden, dass die Bauern von ihren Produkten auch leben können. Die Mehrkosten für artgerechte Tierhaltung solle der Staat übernehmen: „Der subventioniert ja auch die Massentierhaltung.“ Der gesamte Themenkomplex sei eine Spirale, „die die ganze Zeit in die falsche Richtung gedreht wurde. Mir scheint, der Blick fürs Ganze ist verloren gegangen.“

Ertl ist keine Vegetarierin, aber „ich esse nur wenig Fleisch“. Die Veterinärin besitzt selbst fünf Tiere, einer ihrer zwei Hunde kommt aus Kroatien, die zwei Rinder, eine Kuh und ein Ochse, sollten eigentlich geschlachtet werden. Ihr Pferd Rasputin galt als unreitbar – dabei sei es besonders gelehrig, erzählt sie. Alle fünf seien „Liebhaber-Tiere“. „Sie dürfen bei mir alt werden.“

Zu den Porträts

Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Kandidaten aus dem Landkreis vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer Priorisierung oder Gewichtung.

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