Zusammen eine Sensation: Der Ottobrunner „ars musica chor“ gibt mit der Chorgemeinschaft St. Pius Pöcking und dem Daimler Orchester München Dvoráks „Stabat mater“. foto: robert brouczek

Der lange Atem bis zum Paradies

Ottobrunn - Es fehlte auch diesmal nicht: jenes Sahnehäubchen der besonders schönen, dichten, mitreißenden Stimmproduktion und Klangqualität, mit dem der „ars musica chor“ Ottobrunn seine Zuhörer jährlich im Wolf-Ferrari-Haus verwöhnt. Ein Chor wie gemacht für die Musik Dvoráks.

Dirigent Norberth Groh treibt seine Sängermannschaft stetig über all die himmelsstürmenden Chorwerke der Musikliteratur und ist diesmal beim großen Böhmen Antonín Dvorák gelandet, dem er sich mit einem glühenden Deutungsansatz nähert. Das tut dem „Stabat mater“ nicht schlecht - gerade im intensiven Zusammenwirken mit der Chorgemeinschaft St. Pius aus Pöcking! Es scheint, als solle die vom Maestro entfesselte Dramatik die Einstudierung von Giuseppe Verdis aufloderndem „Requiem“ im nächsten Jahr vorwegnehmen.

Dennoch: Weil Dvorák die Marienklage elegisch und sanftmütig gedeutet haben wollte, unterlässt es Norbert Groh, in jene aufrüttelnden Klangvisionen eines Hector Berlioz oder Verdi vorzudringen. Er verzichtet auf sentimental aufgeplusterte Phrasen und nimmt dieses wunderbare Werk sehr ernst. Im „Quis est homo“ oder im „Inflammatus“ riskiert er breite Tempi, die die Intensität dieser Stellen unterstreichen, überdehnt sie aber nicht zum Melodram.

Über siebzig Minuten dauert es, ehe nach den langsamen Tempi das erste Allegro-Zeitmaß im grandiosen „Amen“ das paradiesische Ziel dieser Gottesmutter-Passion erreicht. „Stabat Mater“ ist ein Werk der ruhigen Bewegungen, mehr des schlagenden Pulses als des metronomischen Taktes, mehr Klage als dramatische Passionsgeschichte.

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