Langen bejubelt außerplanmäßiges EM-Gold auf seiner Lieblingsbahn

- Unterhachinger schreibt in St. Moritz europäische Bob-Geschichte

VON SEPP GRUBER Unterhaching - Den Europameister-Titel im Zweierbob hatte Bobpilot Christoph Langen (41) bei seinem Comeback nicht unbedingt eingeplant. Auf dem Weg zum großen Saisonziel Weltmeisterschaft aber jubelte er zusammen mit Anschieber Christoph Heyder (29) auf seiner Lieblingsbahn in St. Moritz (Schweiz) über diese "Dreingabe". Im Vierer gab es zudem Bronze.

Weil das Rennen in La Plagne (Frankreich) aus bahntechnischen Gründen gestrichen werden musste, übernahmen die Eidgenossen die Europameisterschaft im Rahmen ihres Weltcups. Der 41-jährige Bob-Ausnahmelenker vom BC Unterhaching liebt die Naturbahn im Engadin wie keine andere, nicht nur weil er allein in diesem Eiskanal zwei Weltmeister- und drei Europameister-Titel eingefahren hat. "Diese Natureisrinne wird von keiner anderen übertroffen, und das Flair von St. Moritz, wo sich die Schönen und Reichen der Welt ein Stelldichein geben, ist einmalig", schwärmt Langen, schränkt aber ein, dass wir "außer der Bahn, dem Hotel und der Bob-Garage nicht viel zu sehen bekommen".

Sein Pokerspiel im Zweier-Wettbewerb, sich in die zweite Startgruppe versetzen zu lassen, weil die Bahn bei Sonneneinfall etwas schneller wird, hatte sich gelohnt. Nur Pierre Lueders war beim sechsten Weltcup der Saison früher im Ziel. Dem heuer sensationell fahrenden Kanadier wollten die deutschen Athleten die Weltcupführung abjagen, was aber nicht gelang. Perfektionist Langen, dem früher dieses misslungene Unterfangen gewurmt hätte, war es am Ende egal.

Der Nordamerikaner zählte bei der EM-Wertung nicht, und so stand das Unterhachinger Duo ganz oben: "Morgen fragt keiner mehr danach, dass wir heute nur` Zweiter waren - allein der Titel zählt", jubelte der Bob-Steuermann überschwänglich, als wäre es sein erster großer Sieg. Es scheint, als genieße der 41-Jährige seine Erfolge mit zunehmenden Alter immer mehr. Gleichermaßen freute er sich für seinen Anschieber Christoph Heyder, mit dem er auf dessen ersten großen, internationalen Titel mit einem Glas Wein anstieß.

Im Vierer folgte als Zugabe die Bronzemedaille

Am Sonntag mussten Langen, Zimmermann, Kühn und Metzger im Vierer aus der ungünstigeren ersten Startgruppe ins Rennen und lagen am Ende in der Weltcup-Wertung auf dem fünften Rang. In der EM-Wertung (Luders und Hays fielen dabei heraus) gab es hinter den Teams von Landsmann Andre Lange und dem Schweizer Ivo Rüegg nochmals Edelmetall: Bronze.

Zwar hatte sich Langen in der Summe all seiner Siege bei Olympia, WM und EM vor zwei Jahren mit 16 Goldmedaillen (Wolfgang Hoppe 15) bereits an die Weltspitze gesetzt, doch der neuerliche, "ungeplante" Titel verschaffte ihm einen weiteren Superlativ: Mit dem Erfolg am Samstag überholte er in der Europa-Wertung die schweizerische Bob-Legende Gustav Weder, die zwischen 1989 und 1993 sieben Titel und drei Bronzemedaillen gewann. Für den Unterhachinger war es ebenfalls der siebte EM-Sieg, aber mit drei Silber- und vier Bronzemedaillen (inklusive in der gestrigen Vierer-Entscheidung) zog er an Weder vorbei und setzte sich auf den europäischen Thron.

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