Tonnenschweres Ärgernis: Die parkenden Lkw an der Ludwig-Bölkow-Straße sind den Sauerlachern ein Dorn im Auge.  kko

Die Last mit den Lastern

Sauerlach - Nur einen Katzensprung von der A8 entfernt liegt der Ortseingang der Gemeinde Sauerlach. Gewerbegebiet, Tankhof und zahlreiche Discounter befinden sich hier. Ein Eldorado für Lastkraftwagen. Das schafft Probleme. Anwohner des Bereichs sind zunehmend genervt. Sie klagen über Lärm, Müll, kaputte Gehwege. Der Gemeinderat will handeln.

„Jetzt reicht‘s“, dachte sich Thomas Förster, (Name von der Redaktion geändert). Er wohnt nur einen Steinwurf von der Ludwig-Bölkow-Straße entfernt. In dieser kleinen Straße gleich hinter dem Discounter Lidl, scheint sich das Problem zu manifestieren. „Die LKW-Fahrer steuern gezielt Sauerlach an, um hier ihre täglichen Einkäufe zu erledigen“, sagt Förster. Vor allem die Zunahme osteuropäischer Laster habe er beobachten können. Durch das Parken der Fernzüge entstünden mittelfristig erhebliche Schäden auf dem Gehweg. „Die Lkw-Durchfahrverbotsschilder - Lieferverkehr ausgenommen - sind zwar vorhanden, aber offensichtlich ohne strafrechtliche Wirkung“, urteilt der Betroffene. Unlängst hätte er einen der Fahrer sogar darauf hingewiesen. Ohne Erfolg.

Auf Försters Initiative hin nahm sich der Gemeinderat des Problems an. Bereits acht oder neun so genannte „Ausbremser“ würden in der Straße reichen, um das Parken der Lkw zu unterbinden, schlug Förster vor. Den Bereich hatte er zuvor daraufhin untersucht. „Auch in anderen Gemeinden entlang der A 8 wurden bereits derartige Maßnahmen ergriffen“, sagt Förster. Es gäbe sicherlich verschiedene Möglichkeiten, auch Verschwenkungsinseln, die die Fahrbahn einengten, seien möglich. „Dann wäre immer noch der Begegnungsverkehr zweier Pkw gewährleistet“, so der Anwohner. Auch der Lieferverkehr sei weiterhin möglich.

Bereits der Bauausschuss hatte sich mit der Problematik befasst. Die Zunahme osteuropäischer Fahrzeuge bestätigte auch Robert Lechner (CSU). Gerade in Richtung des Holzschnitzelwerks sei nachts alles zu geparkt, so seine Beobachtung. Verständnis signalisierte Rathauschefin Barbara Bogner (UBV). „Die Fahrer sind schon arm dran. Die müssen halt Pause machen und sich auch mal Lebensmittel kaufen“. Nicht verscheuchen will auch Ratsmitglied Axel Horn (Grüne) die Lastwagenfahrer. „Sie kaufen und tanken immerhin hier.“ Er gab aber zu bedenken, dass dies nicht zu Lasten der Anwohner oder Infrastruktur gehen dürfe.

Klaus Zimmermann (UBV) wies darauf hin, das es im Bereich der Ludwig-Bölkow-Straße darüber hinaus ein Fahrverbot für Lkw gäbe. „Verstöße müsste die Polizei doch mit Sofortkasse ahnden“, findet Sauerlachs zweiter Bürgermeister.

Poller, Findlinge, Buchtungen - die Meinungen differierten. Nur eines stand vor dem Gremium fest: „Wir müssen da ganz klar etwas machen“, so Götz von Borries (UBV). Der Gemeinderat fasste jetzt einen Grundsatzbeschluss. „Wir müssen vor Ort erst schauen, was machbar ist“, schloss Bogner. Die Setzung von Pollern sei möglich, kostete aber rund 25 000 Euro.

Grünes Licht gab der Gemeinderat am Ende einem Kompromiss, adressiert an die Verwaltung. Diese soll über die zuständige Polizeiinspektion 31 regelmäßige Kontrollen mit Sofortvollzug veranlassen. Weiterhin soll die Machbarkeit verschiedener Fahrbahneinengungen geprüft werden - als Grundlage für die weitere Diskussion im Bauausschuss.

Das sagt der Polizeichef:

Stefan Schraut ist Leiter der zuständigen Polizeiinspektion 31 in Unterhaching. Ihm ist das Lkw-Problem bekannt. Der Erste Hauptkommissar verweist auf die Historie des Areals. Erst sei das Gewerbegebiet entstanden, dann die Tankstelle, später erst das Wohngebiet. Bei dieser Nähe seien Konflikte vorprogrammiert. Von wichtiger Bedeutung ist für den Polizeichef die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten. Der geplante Lkw-Parkplatz (nach Anschluss Hofolding auf Otterfinger Flur) mit etwa 200 Stellplätzen sei dringend erforderlich, würde die Situation deeskalieren. Ein bundesweites Problem, betont Schraut. Regelmäßig machten Beamte Kontrolle. „Wir dürfen einen Lkw des Nachts gar nicht weiterschicken, wenn dessen Lenkzeit erreicht ist“. Falls laute Aggregate liefen, gäbe es freilich Verwarnungen wegen Ruhestörung. Parkt der Lastwagen mit zwei Rädern auf dem Gehweg, gäb es ebenfalls eine. Dabei sei die Nationalität egal, die Gesetzeslage die gleiche. Man sollte die Kirche aber im Dorf lassen. Fazit des Polizeichefs: „Zur Entschärfung des Problems sind bauliche Regelungen sicher zielführend“. Die aber lägen im Ermessen der Gemeinde. Im Dialog werde sicherlich eine machbare Lösung für den Bereich gefunden werden können, so Stefan Schraut.

Kathrin Kohnke

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