Wer zahlt für die Schäden, die der Käfer anrichtet? Die Landesanstalt für Landwirtschaft rudert mit ihrer Zusicherung, die Gemeinden mit Zuschüssen zu unterstützen, zurück. foto: fkn

Laubholzbockkäfer: 400 Bäume müssen fallen

Neubiberg - Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch: 30 vom Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) befallene Bäume hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bei ihren Begehungen in Neubiberg entdeckt, 400 mögliche Wirtsbäume im Umkreis von 100 Metern zum ersten Fundort müssen gefällt werden.

„Es ist eine erschreckende Nachricht“, wie Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) das Resümee der LfL kommentierte. Neben dem Schock über die immensen Fällung mischt sich seitens Gemeinderats aber auch immer mehr Unverständnis gegenüber der Vorgehensweise der LfL. Wie soll es nach dem Kahlschlag weitergehen? Und warum verwehrt die LfL der Gemeinde in Aussicht gestellte Zuschüsse? Fragen, die auf einstimmigen Wunsch des Gemeinderats der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) höchstpersönlich beantworten soll.

Ende Januar und Anfang Februar ist es nun so weit: Dann werden an die jeweiligen Grundstückseigentümer die Bescheide verschickt, welcher Baum der Axt zum Opfer fallen wird. Danach sollen die Bäume zügig - innerhalb von vier Wochen - gefällt werden, wobei die LfL die Maßnahmen bis 31. März abschließen will. Kostenpunkt für die Gemeinde: Rund 100 000 Euro. Genau der Betrag, den die LfL der Kommune als maximalen Zuschuss im Herbst 2014 in Aussicht gestellt hat.

Doch davon will die Behörde laut Heyland nicht mehr viel wissen. So sollen die Zuschüsse unter anderem nur noch für Fällungen auf gemeindeeigenen Grundstücken abrufbar sein. Auf den Kosten der Arbeiten auf den Privatgrundstücken bliebe die Gemeinde sitzen. Eine Kehrtwende, die nicht nur den Bürgermeister erzürnt.

„Ich bin schon sehr verwundert über die geänderte finanzielle Haltung der LfL“, kommentierte Volker Buck (SPD) die Hiobsbotschaft, die Thomas Felber (FW.N@U) gar als „dicken Hund“ bezeichnet. Deshalb haben FW.N@U-Fraktion und Gemeinderatsmitglied Tobias Thalhammer (FDP) auf der jüngsten Gemeinderatssitzung einen gemeinsamen Eilantrag angestrengt, mit der Absicht, den Bayerischen Landwirtschaftsminister Brunner als Gast zur nächsten Sitzung einzuladen.

Vom Staatsminister erhofft sich das Gremium dann nicht nur ein Machtwort in puncto finanzieller Hilfe, sondern auch Auskünfte darüber, wie mit dem ALB-Traum weiter verfahren wird. Denn nicht nur Thomas Jäger (CSU) hofft, dass es bald „eine Chance gibt, Bäume zu retten“, auch Heyland mahnt: „Es kann ja nicht nur mit dem Abholzen getan sein. Wir möchten auch wissen, wie es mit anderen Maßnahmen, beispielsweise mit den Kontrolle von Einfuhrhäfen aussieht, an denen das befallene Holz erst ins Land kommt.“

Der Angst vieler Bürger, Neubiberg könnte durch die Fällungen an Lebensqualität verlieren, versucht Heyland indes zu beruhigen: „Eines ist für uns klar: Das Ortsbild unserer Gartenstadt, das sich an einigen Stellen grundlegend verändern wird, soll natürlich wieder aufgebaut werden.“

Mehr Informationen

Wer Fragen rund um die Fällaktionen hat, kann sich an Gemeindemitarbeiterin Dr. Barbara Linow, Telefon 089/6 00 12 24, wenden. Allgemeine Fragen zum Asiatischen Laubholzbockkäfer werden per E-Mail an alb@lfl.bayern.de oder unter der ALB-Hotline 08161/71 57 30 der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft beantwortet.

Mathias Weinzierl

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