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Endstation Parkbank: Schlafen im Freien hat nichts mit Romantik zu tun, wenn man keine feste Wohnung hat. Das wenige, das diesem Obdachlosen geblieben ist, hat er in Tüten verstaut. 

Jahresbericht der Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit 

Leben auf der Kippe

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So viele Menschen wie nie lebten im Jahr 2016 in der Gefahr, ihre Wohnung zu verlieren – obwohl sie einen Job hatten. Dieses alarmierende Bild zeichnet der Jahresbericht der Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit (FOL) im Landkreis München.

Landkreis – Trotz Arbeit, trotz Einkommen: Am Ende des Monats ist zu wenig Geld auf dem Konto, um die Miete bezahlen zu können. Der Verlust der Wohnung droht. Ein Schicksal, das immer mehr Menschen im Landkreis München trifft. Das geht aus dem Jahresbericht der Wohnungsnotfallhilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hervor.

Demnach drohte allein im vergangenen Jahr den Bewohnern von 430 Haushalten der Verlust ihrer Wohnung – obwohl sie in einem Arbeitsverhältnis standen und nicht auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen waren. Vier Jahre zuvor waren es nicht einmal halb so viele Fälle. Eine beunruhigende Entwicklung, findet Stefan Wallner, der Leiter der Wohnungsnothilfe.

„Früher waren es hauptsächlich Hartz-IV-Empfänger, heute sind es zunehmend Leute mit Einkommen“, sagt Wallner. „Ein deutliches Zeugnis der zu teuren Mieten.“ Betroffen sind vor allem diejenigen, die gerade so viel verdienen, dass sie keinen Anspruch auf Sozialhilfe haben. Mancher müsse zwei Drittel seines Einkommens für die Miete berappen. Für viele betroffene Familien bedeutet das vor allem eines: „Es reicht gerade so zum Leben“, sagt Wallner.

Unter seiner Regie hat die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit (FOL) im vergangenen Jahr insgesamt 1210 Fälle bearbeitet, rund 20 weniger als im Jahr zuvor. Alles in allem waren 2391 Menschen, darunter 772 Kinder, von Obdachlosigkeit bedroht. Die gute Nachricht: In 71,4 Prozent der Fälle konnte der Wohnraum erhalten oder eine neue Unterkunft gefunden werden.

In den meisten Fällen reiche es, in Kontakt mit dem Vermieter zu treten, um neue Fristen auszuhandeln oder eine Regelung für die Mietschulden zu finden. „Die meisten Vermieter zeigen sich da einsichtig“, sagt Wallner. Für sozialschwache Wohnungssuchende, meist ohne Job, bietet die FOL Workshops an, in denen ihnen Kompetenzen für die Suche vermittelt werden. So könne ein momentan Arbeitsloser sein Bemühen, etwa den Besuch des Workshops, im Gespräch mit einem potenziellen Vermieter hervorheben – noch bevor man die berufliche Situation thematisiert. „Wir schulen sie, das Gute heraus zu klauben und zu verkaufen – nicht zu lügen“, sagt Wallner.

Zumindest in die Irre führen können dagegen die Jahresberichtszahlen bezüglich der FOL-Fälle pro Gemeinde. Kommunen wie Haar, Unterschleißheim, Ottobrunn oder Neubiberg stechen dabei im Vergleich mit anderen deutlich heraus. Alles halb so wild, meint Wallner: „Dass die Zahlen so hoch sind, ist meiner Meinung nach nichts Negatives.“ Sie seien ein Zeichen dafür, dass die Betroffenen um die Hilfe des FOL wissen und diese auch wirklich wahrnehmen. Hinzukommt, dass das FOL in den genannten, siedlungsstraken Ballungsräumen regelmäßig anonyme Beratungen im Rathaus anbietet. Für Wallner bedeuten die Ausreißer daher eines: „Den Leuten ist bewusst: Ich kann mir hier helfen lassen, wenn ich merke, ich habe ein Problem. Und nicht erst, wenn die Räumungsklage ansteht.“

In 50 Prozent aller Fälle konnte die FOL präventiv arbeiten. Noch bevor die Wohnungskündigung im Briefkasten der Betroffenen landete. Nur in zehn von knapp 100 Fällen kam die Hilfe der FOL zu spät – und die Zwangsräumung wurde vollstreckt.

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