Vorsicht! Henkel ruft Putzmittel zurück - Gesundheitsgefahr

Vorsicht! Henkel ruft Putzmittel zurück - Gesundheitsgefahr

Aus dem Leben des Mutzbraten-Königs

Garching - Auf seiner kulinarischen Deutschlandreise stößt Merkur-Mitarbeiter Patrik Stäbler auf ein spezielles Gericht.

Der Mutzbraten-König kennt kein Drumherumreden. „Nun sag einmal“, fragt mich André Schakaleski direkt nach der Begrüßung. Oder exakter: „Nu soch eenmol“ - in breitem Thüringisch. „Bist Du eigentlich Ossi oder Wessi?“ Und auf meine Antwort hin: „Aus München? Na gut, ich hab nichts gegen Wessis.“

Wenig später sitzen wir vor dampfendem Mutzbraten mit Sauerkraut. Gespannt verfolgt Schakaleski, wie ich die Gabel zum Mund führe, kaue und ein anerkennendes „Mmh“ von mir gebe. „Sag ich doch!“, ruft er so vehement, dass die Dame am Nachbartisch zusammenzuckt. „So schmeckt original Schmöllner Mutzbraten.“

Dumm nur, dass das Gericht so wenige kennen außerhalb der Region im östlichsten Thüringen. Was auch an der Zubereitung liegen mag. Denn Mutzbraten ist ein 250-Gramm-Würfel Schweinekamm, der in Salz, Pfeffer und Majoran eingelegt wird und dann mindestens zwei Stunden lang an einem Mutzbratenstand über dem Birkenholzfeuer rotiert.

In Schmölln qualmt es an lauen Abenden in jedem zweiten Garten. Und dank Schakaleski hat es der Mutzbraten sogar bis nach Italien geschafft. Der gelernte Metzger betreibt drei Imbisswagen, die im Sommer über Festplätze in Mitteldeutschland und jenseits der Alpen tingeln. Verkaufsrenner? Klar: der Mutzbraten.

Sogar vor Gericht gezogen ist Schakaleski, woraufhin die Lokalpresse vom Mutzbraten-Krieg schrieb. Ein dreister Konkurrent hatte sich das Gericht patentieren lassen. „Und die beim Patentamt in München hatten keine Ahnung, was das hier für eine Tradition ist!“ Also heuerte Schakaleski einen Anwalt an, ging vor Gericht - und sicherte der Stadt Schmölln so die Rechte am Mutzbraten.

Im Stadtarchiv hat Schakaleski die Geschichte des Mutzbratens erforscht; mit Kollegen schuf er ein Siegel für Wirte, die das Gericht traditionsgemäß zubereiten. „Mutzbraten-König“ nannte ihn der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), wie er am Ende gerne ein drittes Mal erwähnt. Inzwischen sind Fleisch und Kraut verspeist, es wird philosophisch. „Ich habe eine Sache gefunden, in der mir niemand das Wasser reichen kann. Das ist meine Berufung“, sagt Schakaleski und fixiert den Wessi, der seinen Ausführungen stundenlang gelauscht hat. „Mutzbraten ist mein Leben.“

Der Garchinger Journalist Patrik Stäbler schreibt seit vielen Jahren für den Münchner Merkur, vorwiegend im Sport. Im Rahmen eines Buchprojektes reist der 32-Jährige nun per Anhalter durch Deutschland auf der Suche nach landestypischen traditionellen Gerichten. Immer samstags schreibt er an dieser Stelle von seinen kulturellen und kulinarischen Erlebnissen. Weitere Berichte finden Sie auf der Webseite www.deutschland-isst.info.

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