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„Regionaler“ Brokkoli aus Mecklenburg-Vorpommern: Gerda Plachky aus Oberhaching ärgert sich immer wieder über die Kennzeichnung von Lebensmitteln. 

Verbraucherzentrale Bayern klärt auf

Regional ist nicht regional - so führen uns Kennzeichnungen auf Lebensmitteln in die Irre

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Ein Lebensmittel, auf dem „Regional“ steht, kommt nicht unbedingt dort her, wo es verkauft wird. Wir sagen Ihnen, worauf Verbraucher achten sollten.

Oberhaching/München - Brokkoli ist an sich kein umstrittenes Gemüse. Man mag ihn halt oder auch nicht. Aber neulich musste sich Gerda Plachky über einen Brokkoli ärgern. Die 71-Jährige aus Oberhaching (Kreis München) hatte in einem örtlichen Discounter fürs Abendessen eingekauft - und einen solchen Grünling in den Korb gelegt, auf dessen Etikett zwischen zwei skizzierten Fensterflügeln in dicken, weiß-blauen Großbuchstaben „Regional“ geschrieben stand. „Die Autobahnen sind voll mit Lkw“, sagt Plachky. „Deswegen versuche ich, Lebensmittel aus der Umgebung zu kaufen.“

Erst später, bei genauerem Hinsehen, fiel der Oberhachingerin auf, dass unter dem Schriftzug „Regional“ auch stand, welche Region damit gemeint war: Mecklenburg-Vorpommern. 19er-Postleitzahl, mehr als 800 Lastwagen-Dieselmotor-Kilometer von Oberhaching entfernt. „Das ist ein Unding“, findet Plachky, die sich von dem „Regionalfenster“ genannten Zeichen getäuscht sieht.

Regionalfenster gibt Herkunftsregion der Hauptzutat an

Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale Bayern kennt die freiwillige Kennzeichnung, die auf rund 4000 Lebensmitteln, Blumen und Zierpflanzen zu finden ist. „Das Regionalfenster besagt nicht, dass das Produkt aus meiner Region kommt“, sagt sie. Nur eben, dass die Herkunftsregion der Hauptzutat angegeben sei - sowie der Ort einer möglichen Weiterverarbeitung und welcher Anteil an regionalen Zutaten in dem Produkt steckt. Das kontrolliere ein Verein, der von den Unternehmen für das Gütesiegel Lizenzgebühren verlangt.

Wer sichergehen möchte, dass er hiesige Lebensmittel kauft, muss genau hinschauen, sagt Schwengel-Exner. Das Regionalfenster ist aus Sicht der Verbraucherschützerin „immerhin ein erster Schritt auf dem richtigen Weg“. Zwar seien die Regionen nicht immer exakt umrissen und die Lizenzgebühren seien für kleinere Hersteller schwer zu stemmen. Doch allein von der Optik der Verpackung auf die Herkunft des Inhalts zu schließen, ist offenbar keine gute Idee.

Israelische Kartoffeln mit Deutschland-Flagge versehen

Das hat auch Gerda Plachky festgestellt, die nun genauer hinschaut und immer wieder fündig wird: Kartoffeln mit Deutschland-Flagge auf dem Netz: Fußball-WM-Design, Herkunftsland: Israel. Champignons der Bayerischen Pilzbörse: schmuck weiß-blau verpackt, gepflückt in Polen. Für solche Fälle schreibt die EU immerhin eine Kennzeichnung mit dem Ursprungsland oder dem Herkunftsort vor - „falls ohne diese Angabe eine Irreführung der Verbraucher (...) möglich wäre“, heißt es in der entsprechenden Verordnung.

Während es bei Eiern mit der Kennzeichnung exakt zugeht - sie erfolgt stallgenau, bayerische Herkunft verrät der Aufdruck DE gefolgt von den Ziffern 09 - , ist bei so mancher Verpackung viel Fantasie möglich. „Händler können relativ weit gehen“, sagt Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale. So stamme Milch schon mal aus Anbindehaltung, obwohl auf der Verpackung grüne Weidewiesen abgedruckt sind. Im Zweifelsfall, rät die Verbraucherschützerin, sei es am besten, direkt beim Erzeuger zu kaufen, beispielsweise auf dem Wochenmarkt. Ein Herkunftssiegel für den Freistaat, komplett mit weiß-blauen Rauten, gibt es übrigens auch: Es heißt Geprüfte Qualität Bayern.

Lesen Sie auch: Edeka, Rewe, Amazon: Darum kaufen die Deutschen kein Essen im Netz

Josef Ametsbichler

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