Vor 100 Jahren wurde mit der „Veterinärpolizeilichen Anstalt“ der Grundstein für das LGL gelegt. Aus diesem Anlass lädt die Behörde heute zum Tag der offenen Tür ein. Foto: bro

Wo die Lebensmitteldetektive ermitteln

Oberschleißheim - Als im Herbst 1914 die „Veterinärpolizeiliche Anstalt“ gegründet wurde, legten die Väter des Verbraucherschutzes den Grundstein für das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Aus Anlass ihres 100. Geburtstags lädt die Einrichtung heute zum Tag der offenen Tür.

Der Name der Institution veränderte sich über die Jahre mehrfach, das Ziel blieb - die Gesundheit von Tier und Mensch zu gewährleisten. „Wir müssen uns immer neuen Herausforderungen stellen“, sagt LGL-Pressesprecherin Claudia Schuller: „Globale Warenströme, Handel übers Internet, internationaler Reiseverkehr, moderne Lebensmittel, ein verändertes Verbraucherverhalten.“ Am Standort in der Veterinärstraße 2 in Oberschleißheim arbeiten auf dem rund 30 000 Quadratmeter umfassenden Grundstück knapp 600 Mitarbeiter. Endlos lange Gänge tun sich auf, hier und da künden bunte Aufkleber mit Tiermotiven unter den Namensschildern vom Tag der offenen Tür (siehe Kasten). Claudia Schuller rechnet heute mit einem großen Andrang: „Es ist über zehn Jahre her, dass wir unsere Pforten geöffnet haben.“

Im Fischlabor untersucht Dr. Andreas Miller Proben aus Gastronomie und Handel. Die häufigsten Mängel fänden sich bei den Kennzeichnungen, sagt der Lebensmittel-Chemiker (39), da gebe es immer wieder mal Formfehler. Mit dem Vorurteil, Fischstäbchen seien aus Resten gepresst, räumt er auf: „Dabei handelt es sich um im Ganzen gewachsenes Fischfleisch.“ Dafür warnt er vor geformtem Fischmuskeleiweiß, das schnell mal als echte Garnelen durchgehen könne. Sein tägliches Brot ist es, Fisch auf Verderb zu testen: „Schauen Sie erst einmal genau hin, achten Sie auf die Farbe. Und es ist gut, wenn’s so richtig fischig riecht.“

Ganz andere Gerüche beschäftigen Dr. Michael Vocke. In Deutschland führten Duftstoffe neben Nickel zu den am häufigsten diagnostizierten Kontaktallergien, sagt der 37-Jährige. Der Duftstoffgehalt reiche von drei Prozent in Eau de Cologne bis hin zu 30 Prozent in Parfums. „Berühmt-berüchtigt“ nennt Vocke die hochallergene Substanz Lyral oder Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexen-carboxaldehyd (HICC): „Hier berät die EU über ein Verbot.“

Obwohl Tattoos sehr beliebt sind - nach einer Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2009 sind etwa 24 Prozent der 14- bis 34-Jährigen in Deutschland tätowiert - gibt es erst seit Mai 2009 eine entsprechende EU-Verordnung. „Vorher war das ein rechtsfreier Raum“, sagt Dr. Elisabeth Bumberger vom LGL-Sachgebiet Kosmetik. Die meisten Tätowierungen seien komplett oder teilweise schwarz.

Der Farbstoff „Carbon Black“ bestehe aus Ruß und könne produktionsbedingt mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt sein: „Je nach Konzentration können diese Stoffe Krebs verursachen.“ Die 56-Jährige warnt vor preisgünstigen Online-Angeboten aus dem Ausland, denn: „Jeder Reinigungsschritt kostet Geld.“

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