Gigantisch: Der Hochleistungsrechner SuperMUC ist für 49 Millionen Euro erweitert worden. Seine maximale Rechenleistung hat sich dadurch mehr als verdoppelt. Foto: Stäbler

Im Leibniz-Rechenzentrum: Super-Rechner jetzt noch schneller

Garching - Nicht nur Heim-PCs kommen schnell in die Jahre, sondern auch Superrechner. Daher ist der SuperMUC auf dem Garchinger Campus nun für 49 Millionen Euro erweitert worden, wodurch sich die Rechenleistung verdoppelt.

Nun ist der Asiatische Laubholzbockkäfer also auch in Garching angekommen. Doch im Gegensatz zum Münchner Südosten, wo im Kampf gegen das Krabbeltier massenhaft Bäume gefällt wurden, muss in der Universitätsstadt keine einzige Pflanze um ihre Existenz fürchten. Denn in Garching beschäftigen sich lediglich die Forscher mit dem Käfer - und zwar am Hochleistungsrechner SuperMUC des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) auf dem Forschungscampus.

„Und das liegt nicht etwa daran, dass große Teile unseres Rechners aus China stammen - genau wie der Käfer“, scherzte LRZ-Chef Arndt Bode bei der Inbetriebnahme der Erweiterung des SuperMUC. Vielmehr seien die Wissenschaftler hier mit der Entschlüsselung des Stammbaums von Insekten beschäftigt - und nutzten dabei die gigantische Rechenkraft des Hochleistungscomputers von rund 1,09 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.

Künftig können die Biologen - und alle anderen Forscher am SuperMUC - auf noch mehr Rechenkraft zugreifen. Denn gestern gaben LRZ-Chef Bode, der bayerische Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle sowie weitere Kooperationspartner den Startschuss für die sogenannte zweite Phase des Rechners. Zu den vorhandenen 155 000 Rechenkernen kommen noch mal gut 86 000 hinzu. Die bisherige maximale Rechenleistung von 3,2 Petaflops wird dadurch um weitere 3,6 Petaflops erhöht - der Begriff Flops meint dabei „Floating Point Operations Per Second“, also Rechenoperationen pro Sekunde, und das Peta steht für eine Billiarde.

Seit seiner Inbetriebnahme im Juni 2012 habe der SuperMUC eine Reihe von Rechen-Weltrekorden erzielt, betonte Bode. Zudem sei er durchgehend ausgelastet, ja sogar überbucht. Doch mit den Jahren nagte der Zahn der Zeit am SuperMUC - schließlich gilt für Hochleistungsrechner genauso wie für den Heim-PC das Moore’sche Gesetz, das vereinfacht besagt: Alle zwei Jahre verdoppelt sich die Leistung von Prozessoren. Oder wie Bode es ausdrückte: „Rechner vergreisen schneller als andere Lebewesen.“

Wie rasant die Entwicklung in diesem Bereich ist, zeigt die Erweiterung des SuperMUC. So verfügt der 49 Millionen Euro teure Anbau über etwas mehr Rechenleistung als die bisherigen Prozessoren, jedoch braucht er nur ein Drittel der Fläche - und die Hälfte des Stroms. Wie schon beim Vorgänger setzt das LRZ erneut auf eine Direktkühlung mittels Warmwasser. „Dadurch erreichen wir eine extreme Energieeffizienz“, sagte Arndt Bode, auch weil die Abwärme direkt zur Gebäudeheizung verwendet wird.

Neben den zwei Hauptkunden des LRZ - die Münchner Universitäten TU und LMU - werden den SuperMUC auch weiterhin Forscher aus Europa sowie der Türkei und Israel nutzen. Sie brauchen seine Rechenleistung etwa in der Medizin, um den Luftstrom durch die Lunge zu simulieren, oder in der Physik, um die Rolle der rätselhaften dunklen Materie bei der Entstehung des Universum zu erforschen.

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