Die Ottobrunner Postangestellten beteiligen sich am Verdi-Streik. Foto: fkn

Die Leidtragenden sind die Empfänger

München - Der Post-Streik trifft einige Gebiete im Landkreis besonders hart. In Aying oder Oberschleißheim sei der Briefträger bereits seit zwei Wochen gar nicht mehr zu ihnen gekommen, klagen Bürger.

Seit fast drei Wochen läuft der Poststreik und auch im Landkreis ist der Ärger groß. Das dringende Schreiben vom Steuerberater, die zweite Mahnung oder das lang erwartete Medikament:

Wenn Briefe und Pakete nicht ankommen, kann das ernsthafte Folgen haben. Und dabei sind einige Gebiete im Landkreis viel stärker betroffen als andere.

Seit etwa zwei Wochen habe sie keinen einzigen Brief mehr bekommen, sagt Anja Paul aus Aying. Sie bestelle viel im Internet, da stünden auch noch einige offene Rechnungen aus. Noch härter aber treffe es ihren 82-jährigen Schwiegervater. „Er ist zuckerkrank und hat Teststreifen bestellt. Die kommen aber nicht.“ Sie sieht sich und andere als Leidtragende eines Machtkampfes. „Die Herren bei der Post interessiert es nicht.“ Gleichermaßen ärgere sie sich aber auch über die Gewerkschaft Verdi, die dagegen protestiert, dass Post-Mitarbeiter und Aushilfskräfte am vergangenen Wochenende liegengebliebene Pakete ausgeliefert haben. „Ich fühle mich einfach ohnmächtig“, sagt Anja Paul.

Doris Noack aus Oberschleißheim teilt Anja Pauls Ärger. Mit einem Brief - sicherheitshalber als E-Mail verschickt - hat sie sich an den Münchner Merkur gewandt. Seit zwei Wochen habe auch sie keine Post mehr erhalten. „Verzögerungen von zwei Tagen als Streikfolge wären für uns absolut okay. Aber die Totaleinstellung des Auslieferservices ist völlig unverständlich.“

Bei der Post weist man die Verantwortung für diese Zustände vor allem der Gewerkschaft zu. „Es wird von Verdi offenbar alles mobilisiert, um die Auslieferung lahmzulegen“, sagt Post-Sprecher Erwin Nier. „Wir versuchen gegenzusteuern mit Abrufkräften, Beamten und Verwaltungsmitarbeitern.“ Wenn aber Zustellstützpunkte stark bestreikt würden, könnten die Aushilfen das nicht ausgleichen. „Es gibt ja überall ein gewisses Prozedere und man braucht Ortskenntnis“, erklärt Nier. Gleichzeitig betont der Post-Sprecher: „Die, die arbeiten, arbeiten bis an die gesetzlichen Grenzen.“ Dass trotzdem wochenlang kein Brief ankomme, sei zwar „der worst case“, aber „es wird sicher solche Ecken geben“.

Die Streikenden bei der Post vermelden hingegen am Donnerstag, dass nun auch unter anderem in der Gemeinde Ottobrunn die Arbeit unbefristet niedergelegt wurde. Weiterhin steht in der E-Mail: „Nach wie vor gilt unsere Rechnung, dass in den betroffenen Bereichen durch die Beamten und die wenigen Streikbrecher durchschnittlich rund 20 Prozent der Post zugestellt werden.“

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