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Wer bietet mehr? Josef Mittermeier ist der Herr der Auktion im Lohhofer Festzelt. Seine Assistentinnen zeigen, was es zu ersteigern gibt.

Versteigerung von Flufghafen-Fundsachen

Der Letzte macht das Schnäppchen

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Unterschleißheim - Handys und Kameras, aber auch Stofftiere, Bierkrüge und eine Axt: Beim Lohhofer Volksfest sind Fundsachen des Flughafens unter den Hammer gekommen. Besonders begehrt waren die drei Überraschungs-Koffer.

„Fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig.“ Josef Mittermeiers Augen fliegen durch das Festzelt, während er zählt – in Fünfer-Schritten, im Eiltempo, im Stakkato-Tonfall. Neben ihm auf der Empore steht eine Dame im Kostüm des Münchner Flughafens und hält eine Plastiktüte in die Luft. Darin befindet sich: eine Motorsäge. „Fünfundzwanzig, dreißig, fünfunddreißig, zum Ersten...“

 Mittermeier hält inne, blickt suchend umher und erspäht dann doch noch einen Arm, der inmitten der Hundertschaften im Lohhofer Festzelt nach oben geht. „Vierzig, fünfundvierzig, fünfzig. Zum Ersten, zum Zweiten...“ Da schnellt ganz hinten im Zelt eine Hand in die Höhe, worauf Mittermeier – er ist übrigens der Vater des Komikers Michael Mittermeier, doch das tut hier nichts zur Sache – worauf Mittermeier senior also von Neuem ansetzt: „Fünfundfünfzig zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten!“ 

Wenig später steht Michael Reiter am Fuß der Empore – in der Hand 55 Euro und im Gesicht ein breites Grinsen. „Ich habe heute schon eine Uhr und ein Handy ersteigert. Und jetzt eine Kettensäge!“, erzählt der 24-Jährige aus Unterschleißheim. Was er damit anstellen wird? „Keine Ahnung“, räumt er ein. „Aber ich wollte schon immer eine Kettensäge haben.“ Ob er damit den Pflanzen auf seinem Balkon zu Leibe rücken wird? Noch bevor die Frage ausgesprochen ist, schießt Michael Reiter ein anderer Gedanke in den Kopf: „Aber mal ehrlich: Welcher Idiot vergisst eine Kettensäge am Flughafen?“ 

Genau diese Frage – wenn auch weniger drastisch formuliert – stellt man sich an diesem Nachmittag des Öfteren im Lohhofer Festzelt. Schließlich werden hier ausschließlich Objekte versteigert, die jemand am Münchner Flughafen verloren hat. Pro Jahr komme man auf etwa 75 000 Fundsachen, sagt Josef Rankl, Leiter des Fundbüros. Ein Teil davon wird in Auktionen unter die Leute gebracht – so wie heute in Unterschleißheim, das sich erstmals für eine solche Veranstaltung beim Flughafen beworben hat. 250 Objekte kommen hier unter den Hammer. Und wenn Rankl ankündigt „Es gibt nichts, was nicht vergessen wird“, dann zeigt der Blick auf die Auslage, dass er nicht übertreibt. Neben Handys und Laptops gibt es zig Uhren – von billig bis edel – Schmuck, Kleidung, Regenschirme und Sonnenbrillen. Und dann sind da noch die skurrilen Dinge: eine Axt, Windeln, ein Beatmungsgerät und Haar-Extensions. Und drei Überraschungs-Koffer – doch dazu später. 

Zunächst zurück zu Josef Mittermeier, seines Zeichens vereidigter Auktionator, der im gut gefüllten Zelt langsam warmläuft. „Man braucht ein geschultes Auge, wer noch am Überlegen ist, wer gerade mit seiner Frau diskutiert und wen man noch dazu kriegen kann, weiter zu bieten“, hat Mittermeier zuvor erklärt; seit 30 Jahren leitet er Versteigerungen. Und Josef Rankl hat ergänzt: „Ein guter Auktionator kann den Preis um hundert Prozent nach oben drücken.“ Soeben ist ein Modell-Hubschrauber für 65 Euro weggegangen, jetzt sind die Haar-Extensions – im Paket mit weiteren Dingen – für 60 Euro dran. „Meine Tochter braucht so was“, erklärt die Käuferin grinsend. Das teuerste Einzelstück ist ein Laptop, der für 400 Euro unter den Hammer kommt – und dann sind da noch die Überraschungskoffer. Ihr Inhalt ist geheim; während die Besucher alle Objekte zuvor bei der zweistündigen Besichtigung unter die Lupe und auf Wunsch auch in die Hand nehmen konnten, durfte man die drei Koffer nur aus der Ferne begutachten. Wobei – und das wissen die wenigsten: Das Personal vom Flughafen kennt natürlich den Inhalt. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, das zu prüfen“, erklärt Josef Rankl. Schließlich könnten darin Waffen oder Drogen sein. Oder wie Rankl es ausdrückt: „Nicht mit jedem Waschpulver kann man auch Wäsche waschen.“ 

Die Koffer jedenfalls haben es den Besuchern angetan, die aus ganz Süddeutschland angereist sind; viele nur für diese Auktion. Der erste Koffer geht für 260, der zweite für 220 Euro weg. Und Nummer drei ist noch begehrter. Erst nach einer Bieterschlacht – sogar Josef Mittermeier hat mehrmals Luft holen müssen – findet er einen neuen Besitzer. Für 460 Euro. Nur zu gerne würde man erfahren, was in den Koffern steckt – doch sie werden alle ungeöffnet von den Käufern davongerollt. Auch die Summe, die solche Auktionen für gewöhnlich einbringen, will Rankl nicht preisgeben. 

Geschätzt dürften an diesem Nachmittag jedoch etwa 8000 Euro zusammenkommen. Ein Teil davon geht an einen guten Zweck; diesmal darf sich der Unterschleißheimer Tisch über eine Spende freuen. Derweil plant das Fundbüro die nächste Auktion: Am Samstag, 4. Juni, kommen in Aschheim weitere Fundsachen vom Münchner Flughafen unter den Hammer.

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